12.02.2026
Protektionismus „Made in EU“
Kapitalmärkte Daily | In Belgien treffen sich heute die Staats- und Regierungschefs der EU zu einem Gipfeltreffen zur Industriepolitik.
Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Daily
- EU-Gipfel: Industriepolitik im Fokus
- Frankreich will gemeinsame Euroanleihen für Investitionsförderung
- US-Arbeitsmarkt liefert gute Zahlen
EU-Gipfeltreffen zur Industriepolitik
In Belgien zu Alden Biesen, einer ehemaligen Komturei des Deutschen Ordens, treffen sich heute die Staats- und Regierungschefs der EU zur erlauchten Tafelrunde. Die Erwartungen sind groß. Manch einer sieht die EU zu einem regelrechten Kreuzzug gegen die Marktwirtschaft aufbrechen. Dabei geht es um die Frage, wie sie sich in einer Welt des zunehmenden Protektionismus positionieren soll. Europas Industrie hat in den letzten Jahren an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China verloren. Das Verhältnis zu den USA ist spätestens seit dem Liberation Day sowie der damit einhergehenden Erhöhung der Zollsätze belastet. Nun soll es Protektionismus „Made in EU“ richten. Angedacht ist die Bevorzugung von Produkten europäischer Provenienz bei staatlichen Einkäufen. Die EUKommission will unter dem Namen Industrial Accelerator Act (IAA) in Kürze einen entsprechenden Plan vorstellen. Der französische Präsident Emmanuel Macron wirbt zudem für eine gezielte Förderung von Investition in bestimmten Bereichen (Verteidigung, Grüne Technologien, Künstliche Intelligenz und Quantencomputer). Finanziert werden soll das durch gemeinsame Schulden, durch Eurobonds – seit langem schon so etwas der Heilige Gral der französischen Europapolitik.
Merz-Meloni statt Merz-Macron?
Gegen diese Pläne hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz ausgesprochen, der darin von Staaten der EU aus dem Norden und Nordosten unterstützt wird. Gewarnt wird vor mehr Bürokratie und weniger Investitionen. Zumindest sollten Reichweite und Dauer dieser Pläne eng begrenzt werden, so die Kritiker. Merz hat sich überdies der Rückendeckung durch die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni versichert. Italien ist noch vor Frankreich die Nr.2 in Sachen Industrie in Europa. Die deutschen und italienischen Interessen dürften daher in vielen Punkten nahe beieinander liegen.
US-Arbeitsmarkt überrascht positiv
Der US-Arbeitsmarktbericht für Januar wurde gestern veröffentlicht. Später als üblich, weil der jüngste Shutdown den Zeitplan der amtlichen Statistik erneut durchkreuzte. Mit 130.000 neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft legte die Beschäftigung überraschend stark zu. Die Arbeitslosenquote sank von 4,4 % auf 4,3 %. Der Anstieg der Löhne hat sich im Monatsvergleich von 0,1 % auf 0,4 % beschleunigt. Obgleich die Revisionen der Vormonate das bisherige Ergebnis für den Stellenaufbau 2025 deutlich nach unten zogen, dürften die nun vorliegenden Daten es der US-Notenbank erschweren, die Leitzinsen zeitnah zu senken. Da der im Mai scheidende FOMCChairman Jerome Powell aber ohnehin als Befürworter einer abwartenden Geldpolitik gilt, dürften ihm diese Zahlen durchaus gelegen kommen.
Frische Daten gibt es heute aus Großbritannien. Im vierten Quartal 2025 dürfte das BIP um 0,2 % zum Vorquartal zugelegt haben. Außerdem kommen Zahlen zu den Verkäufen von Bestandswohnimmobilien in den USA, die im Januar 2026 etwas schwächer gewesen sein sollten als im Dezember 2025.
Von: Dr. Jens-Oliver Niklasch, Senior Economist
Termine der Woche
Die wichtigsten Termine, Daten & Prognosen finden Sie immer in unserem Wirtschaftskalender.
Zum WirtschaftskalenderDiese Publikation richtet sich ausschließlich an Empfänger in der EU, Schweiz und in Liechtenstein. Diese Publikation wird von der LBBW nicht an Personen in den USA vertrieben und die LBBW beabsichtigt nicht, Personen in den USA anzusprechen. Aufsichtsbehörden der LBBW: Europäische Zentralbank (EZB), Sonnemannstraße 22, 60314 Frankfurt am Main und Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Graurheindorfer Str. 108, 53117 Bonn / Marie-Curie-Str. 24- 28, 60439 Frankfurt. Diese Publikation beruht auf von uns nicht überprüfbaren, allgemein zugänglichen Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir jedoch keine Gewähr übernehmen können. Sie gibt unsere unverbindliche Auffassung über den Markt und die Produkte zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses wieder, ungeachtet etwaiger Eigenbestände in diesen Produkten. Diese Publikation ersetzt nicht die persönliche Beratung. Sie dient nur Informationszwecken und gilt nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Für weitere zeitnähere Informationen über konkrete Anlagemöglichkeiten und zum Zwecke einer individuellen Anlageberatung wenden Sie sich bitte an Ihren Anlageberater. Wir behalten uns vor, unsere hier geäußerte Meinung jederzeit und ohne Vorankündigung zu ändern. Wir behalten uns des Weiteren vor, ohne weitere Vorankündigung Aktualisierungen dieser Information nicht vorzunehmen oder völlig einzustellen. Die in dieser Ausarbeitung abgebildeten oder beschriebenen früheren Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen stellen keinen verlässlichen Indikator für die künftige Wertentwicklung dar. Die Entgegennahme von Research Dienstleistungen durch ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen kann aufsichtsrechtlich als Zuwendung qualifiziert werden. In diesen Fällen geht die LBBW davon aus, dass die Zuwendung dazu bestimmt ist, die Qualität der jeweiligen Dienstleistung für den Kunden des Zuwendungsempfängers zu verbessern.