23.07.2026
EZB-Zinsentscheid im Juli 2026
Einschätzung | Der EZB-Rat hat heute beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Der Einlagesatz bleibt damit bei 2,25%.
Der EZB-Rat hat heute beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Der Einlagesatz bleibt damit bei 2,25%. Diese Entscheidung war zuvor erwartet worden.
Anschließend erläuterte EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Entscheidung des Rates in einer Pressekonferenz
Unsere Einschätzung zum EZB-Zinsentscheid
Der Zinsbeschluss kam wenig überraschend. Auch die begleitende Pressemitteilung bot wenig Neues. In der Pressekonferenz führte EZB-Präsidentin Lagarde die Beweggründe des Rates weiter aus. Auch hier hielt sich der Neuigkeitswert in Grenzen. Die Inflationsrisiken sind nach wie vor aufwärts, die Konjunkturrisiken dagegen abwärts gerichtet. Die EZB hat überdies ungeachtet genauester Beobachtung für die Preise im Euroraum noch keine Zweitrundeneffekte des zurückliegenden Anstiegs der Rohölpreise ausmachen können. Bislang beschränkt sich die Teuerung für die privaten Verbraucher vor allem auf Energieprodukte sowie auf den Transportsektor. Vor der nächsten Ratssitzung im September kommen indes wichtige Zahlen zu Inflation und BIP-Wachstum sowie Indikatoren zur Lohnentwicklung, worauf Lagarde nachdrücklich hingewiesen hat. Sollten diese die Beurteilung der Inflationsrisiken durch die EZB unterstreichen, würden wir vor dem Hintergrund des aktuellen Wordings der EZB – „Inflationsrisiken aufwärts gerichtet“ – davon ausgehen, dass die EZB die Zinsschraube ein weiteres Mal fester anzieht und die Leitzinsen um 25 Basispunkte anhebt. Wie die Geldpolitik danach fortfährt, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wie sich die Lage am Persischen Golf weiter darstellt. Gefragt nach ihren Zukunftsplänen, versprach Lagarde bis 2027 an Bord der EZB zu bleiben. Ihre Amtszeit endet im Oktober 2027. Zumindest vor dem 1. Januar 2027 dürfte sie also nicht zurücktreten. Über ein vorzeitiges Ausscheiden Lagardes aus ihrem Amt wurde vor kurzem im Zusammenhang mit den französischen Präsidentschaftswahlen im kommenden Frühjahr gemutmaßt.
Von: Dr. Jens-Oliver Niklasch, LBBW Research