29.08.2025
US-Aktienmarkt: Alles auf eine Karte gesetzt!
Hohe Bewertung und starke Konzentration mahnen zur Vorsicht.


Kraemers Klartext

Das LBBW Research ist zwar durchaus zuversichtlich, dass Künstliche Intelligenz in vielen Bereichen erhebliche produktivitätssteigernde Wirkungen entfalten wird. Zugleich deuten die hohen Bewertungen auf steigende Risiken einer Überbewertung hin.
Die Aktienmärkte, zumal in den USA, lassen sich offenbar durch nichts aus der Ruhe bringen. Allein in den letzten zwei Jahren stieg der S&P 500-Index um über 45 %, in den letzten fünf Jahren um über 80 %. In der letzten Dekade um über 220 %! Schön für diejenigen, die voll investiert dabei waren. Ich gratuliere!
Zwar gab es immer mal wieder einen Rücksetzer, der die Nerven der Investoren auf die Probe stellte. Zuletzt nach dem surrealen „Liberation Day“ Donald Trumps Anfang April. Doch dann gewann wieder der „TACO Trade“ die Oberhand: Trump Always Chickens Out – Trump kneift immer. Wird schon nicht so schlimm kommen…
Den letzten positiven Impetus gab ausgerechnet Trumps Lieb-lingsfeind, der Vorsitzende der Federal Reserve, Jay Powell, als er vergangene Woche in Jackson Hole mit dem Zaunpfahl winkte und die Tür für eine Zinssenkung Mitte September sperr-angelweit aufstieß.
Irrationaler Überschwang 2.0?
Dabei wächst die Gefahr, dass der schier grenzenlose Optimismus der Anleger in Blauäugigkeit umschlägt. Denn die Prämisse, dass Präsidenten, die bellen, nicht beißen, erscheint mir zunehmend naiv. Mit seinem Verhalten, zuletzt etwa durch die großspurig angekündigte Entlassung der Fed Gouverneurin Lisa Cook (wofür er keine Rechtsgrundlage hat) oder das unilaterale Ignorieren von vermeintlichen Zollvereinbarungen mit der EU, dokumentiert der Präsident, dass er nicht zu Späßen aufgelegt ist. Der TACO-Trade ist also riskant. Es soll ja auch schon vorgekommen sein, dass bellende Hunde doch zugebissen haben. Trump scheint mir so ein zollwütiger Hund zu sein.
Die Risiken von Trumponomics werden noch weggelächelt
Die immer luftigeren Bewertungen von US-Aktien markieren deshalb auch wachsende Fallhöhen, wenn einmal etwas Unbotmäßiges passieren sollte. Ein einfaches Maß für die hohe Bewertung ist der sogenannte Warren-Buffet-Indikator. Er misst den Marktwert der Aktiengesellschaften als Vielfaches des US-Sozialprodukts. Zum Höhepunkt der Dot.com-Blase lag dieser Wert bei historisch hohen 1,5. Heute übertrifft der Marktwert der Aktiengesellschaften das 2,1-fache der jährlichen amerikanischen Wertschöpfung.
Der amerikanische Aktienmarkt ist extrem konzentriert
Dabei ist der Vergleich mit der Internetblase nicht ganz gerecht. Denn im Gegensatz zu damals weisen die heutigen Tech-Gigan-ten hohe (und wachsende) Gewinne auf. Das traf auf die meis-ten der Internethoffnungen zur Jahrtausendwende gerade nicht zu. Zugleich aber ist der Markt heute noch viel konzentrierter als damals. Die zehn größten Werte im S&P 500 vereinigen 40 % der Marktkapitalisierung auf sich (siehe Abb. 1). Für die übrigen 490 verbleiben gerade noch die restlichen 60 %.
Abb. 1: Marktkapitalisierung der Top-10 Unternehmen als Anteil am S&P 500
in %
Eine solche Konzentration ist ohne historische Parallele. Im Gegensatz zum kometenhaften Aufstieg der KI-Aktien ist die Bewertung des durchschnittlichen Unternehmens im S&P 500 wieder auf das Niveau von 2003 zurückgefallen! In der Breite des Marktes herrscht Stagnation. Die Rally wird von immer weniger Titeln getragen.
Außerdem liegt auch eine extreme Branchenkonzentration vor. Acht der zehn wertvollsten Unternehmen sind Technologiekonzerne, deren hohe Bewertungen durchweg von immensen Hoffnungen auf die erwarteten Segnungen der Künstlichen Intelligenz getrieben werden (siehe Abb. 2). Aber auch von der Erwartung, dass die immensen Investitionen, etwa in Rechenzentren, margenstark bleiben. Wenn sich auf dem Markt für KI-Dienstleistungen aber ein stärkerer Wettbewerb einstellt, als sich das heute abzeichnet, dann sitzen die Tech-Riesen alle im gleichen leckenden Boot. Der kurzzeitige DeepSeek-Schock Anfang des Jahres scheint mittlerweile in Vergessenheit geraten zu sein. Die Investoren halten es offenbar für nahezu ausgeschlossen, dass die derzeitigen KI-Könige von ihrem Thron gestoßen werden könnten. Auch dass ausgerechnet Sam Altman , Gründer und CEO von OpenAI, dem Unternehmen hinter ChatGPT, zuletzt davon sprach, dass die KI-Werte von einer spekulativen Blase erfasst worden seien, perlt an den Investoren ab. Solange die Musik spielt, wird weiter getanzt.
Abb. 2: Zusammensetzung der Top-10 Aktien im S&P 500 nach Marktkapitalisierung

Das LBBW Research ist zwar durchaus zuversichtlich, dass Künstliche Intelligenz in vielen Bereichen erhebliche produktivitätssteigernde Wirkungen entfalten wird. Zugleich gilt aber auch: mit den hohen Bewertungen steigt das Risiko eines Rücksetzers. So sehen wir den S&P 500 Index zum Jahresende bei 6.200 Zählern, von einem derzeitigen Indexwert von 6.502.
Von: Dr. Moritz Kraemer, Chefvolkswirt und Leiter Research
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