13.03.2026
Ölmarkt unter starkem Druck
Kapitalmärkte Weekly | Das Ölangebot wird im ersten Quartal 2026 aufgrund des Irankriegs sehr stark einbrechen.
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Konjunktur
Die Stimmung für die Konjunktur der Finanzmarktfachleute trübte sich im März nach mehreren Anstiegen ein. Der sentix-Konjunkturindex sank ebenso wie seine Komponenten Lageeinschätzung und Erwartungen für fast alle Weltregionen. Darin spiegeln sich bereits der Beginn des Iran-Kriegs und die Energiepreisanstiege wider. Nach drei Verbesserungen in Folge fiel der Gesamtindex für den Euroraum um 7,3 Zähler auf -3,1 Punkte. Für Deutschland kam er um 5,2 auf -12,1 Punkte zurück. Im Februar hatte er für beide Regionen noch das höchste Niveau seit Juli 2025 erreicht. Im positiven Bereich schrumpfte der sentix-Konjunkturindex kräftig für die USA, Asien ohne Japan, die Welt insgesamt, Lateinamerika und Japan. Darüber hinaus sank hierzulande der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe im Januar 2026 gegenüber Dezember 2025 deutlich um 11,1 %. Wir erwarten dennoch, dass das deutsche BIP im laufenden Jahr um 0,8 % zulegen wird, sofern der Iran-Krieg bald endet.
Zinsumfeld
Das Kriegsgeschehen im Nahen Osten mit seinen Folgen bleibt vorerst das zentrale Thema an den Finanzmärkten. Das Auf und Ab der Energiepreise im Takt der Meldungen war auch in den vergangenen Tagen maßgeblich für die Kursentwicklung an den Staatsanleihemärkten beiderseits des Atlantiks. Im Zuge des Ölpreisanstiegs erreichten die Inflationsängste einen vorläufigen neuen Höhepunkt. An den großen Rentenmärkten blieben die Vorzeichen daher insgesamt negativ, wenngleich sich der Kursabwärtsdruck im Vergleich zur Vorwoche verringert hat. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries rückte erstmals seit Anfang Februar bis über 4,20 % vor. Zieht man die jüngst veröffentlichten US-Makrodaten ins Kalkül, dann erscheint uns besonders bemerkenswert, dass aus charttechnischer Sicht erneut ein renten-bärischer Trendumschwung im Raum steht. Denn der US-Arbeitsmarktbericht für Februar hatte eine herbe Enttäuschung geliefert. Nach der positiven Überraschung zu Jahresbeginn war ein Jobverlust in Höhe von gut 90.000 Stellen im Vergleich zum Vormonat eine wahrhaft kalte Dusche.
Aktienmärkte
Die Sperrung der Straße von Hormus und die iranischen Attacken auf Nachbarstaaten ließen den Ölpreis in die Höhe schießen. Die Furcht vor Versorgungsengpässen bescherte den Börsen eine Verkaufswelle. Weil die weitere Nachrichtenlage dann eher Beruhigungspillen verteilte, legten die Kurse zur Wochenmitte wieder zu. In den USA reagierten die Anleger dabei deutlich gelassener als diesseits des Atlantiks. Diese vorgebliche Resilienz könnte sich in diesem Fall allerdings als Blauäugigkeit herausstellen, denn auf frühere Preisschocks folgten zumeist Rezessionen. Und dies, obwohl die so wichtige Straße von Hormus dabei immer offenblieb. Deren Sperrung ist daher als GAU der Welt-Ölversorgung anzusehen. Mit jeder Woche, die dieser Zustand anhält, dürften die ökonomischen Kosten exponentiell steigen, weshalb sich die Anleger auf weiterhin schwierige Tage und vermutlich auch temporär niedrigere Kurse einstellen sollten.
20 Millionen Barrel Öl gehen jeden Tag durch die Straße von Hormus. Das sind knapp 20 % des weltweiten Verbrauchs.
Rohstoffe
Ende Februar 2026 starteten Israel und die USA mit Angriffen auf den Iran. Der Iran reagierte unter anderem mit der Störung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus, die eine kritische Bedeutung für die weltweite Ölversorgung hat. Die Ölpreise reagierten umgehend: Brent sprang zum ersten Mal seit Mitte 2022 wieder über die Marke von 100 USD. Das Ölangebot wird im ersten Quartal 2026 aufgrund des Irankriegs sehr stark einbrechen. Die Freigabe von 572 Mio. Barrel strategischer Reserven durch die IEA-Staaten und die USA könnte die Lage etwas entspannen. Wir gehen davon aus, dass die Meerenge spätestens ab Mai wieder ohne Einschränkungen passierbar sein wird. Bereits im zweiten Quartal 2026 wird damit das Ölangebot wieder deutlich zulegen. Für das Gesamtjahr 2026 zeichnet sich am Markt zwar ein durchschnittliches Angebotsdefizit von rund 0,3 Mio. Barrel pro Tag (mbpd) ab. Allein im zweiten Halbjahr dürfte der Angebotsüberschuss aber schon wieder sehr hohe 2,5 mbpd erreichen. Aufgrund der unsicheren weiteren Entwicklung am Persischen Golf preisen wir zusätzlich eine gestiegene politische Risikoprämie ein – Brent dürfte bis Ende 2026 dennoch wieder auf 70 USD zurückfallen. Unsere Prognose zur Jahresmitte 2027 liegt noch niedriger bei 65 USD für das Barrel Brent.
Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst
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