06.03.2026

Krieg im Nahen Osten lässt den Ölpreis steigen

Kapitalmärkte Weekly | Sollte die Straße von Hormus länger gesperrt werden, könnte Brent tatsächlich über die Marke von 100 USD klettern.

Fässer mit Öl
Fässer mit Öl

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Konjunktur

Die Stimmung in der europäischen Wirtschaft verschlechterte sich im Februar etwas. Der von der EU-Kommission erhobene Economic Sentiment Indicator (ESI) kam in der EU und im Euroraum jeweils um 1,0 auf 98,3 Zähler zurück und machte damit etwa die Hälfte des Januar-Anstiegs wieder zunichte. Damit sank der ESI weiter unter seinen langjährigen Durchschnitt von 100. Das Minus im Januar resultierte vor allem vom Dienstleistungsbereich sowie in geringerem Ausmaß vom Bau. Dagegen blieb die Stimmung in der Industrie und für den Konsum quasi unverändert, während sie im Handel den Aufwärtstrend fortsetzte. Unter den großen Ländern sank der ESI deutlich in Frankreich und Polen sowie etwas leichter in Italien. In Spanien, Deutschland und den Niederlanden blieb er fast stabil. Darüber hinaus sank die saisonbereinigte Arbeitslosenquote in Europa im Januar 2026 um 0,1 Prozentpunkte auf 6,1 % im Euroraum sowie 5,8 % in der EU. Beide erreichten damit einen Tiefpunkt.

Zinsumfeld

In Anbetracht der jüngsten Ereignisse im Nahen Osten geht unter den Finanzmarktteilnehmern die Sorge vor einer Wiederholung der Energiepreiskrise der Jahre 2022/23 um. Hierauf deutet die Reaktion der großen Staatsanleihemärkte beiderseits des Atlantiks hin. Sowohl USStaatstitel als auch deutsche Bundesanleihen starteten zwar mit Gewinnen in die Woche, weil die Anleger in die sicheren Häfen strömten. Der zusätzliche Schub für die renten-bullische Stimmung der vorangegangenen Wochen hielt jedoch nur kurzzeitig an. Vielmehr drehten die Anleiherenditen im weiteren Wochenverlauf nach oben. Die 10-jährige US-Benchmark prallte vom Jahrestief 2025 ab und kletterte wieder über die 4%-Marke. Unter den Finanzmarktakteuren breiten sich angesichts eines drohenden neuerlichen Inflationsschubs Zweifel aus, dass die US-Notenbanker vor dem Spätsommer dieses Jahres eine abermalige Leitzinssenkung wagen werden. Diesseits des Atlantiks sorgten die neu aufgeflammten Inflationsängste außerdem für EZB-Zinserhöhungsspekulationen.

Aktienmärkte

Allen Erfolgsmeldungen des Pentagons zum Trotz sollten die Anleger kein schnelles Kriegsende am Persischen Golf erwarten. Das Mullah-Regime kämpft ums Überleben und setzt auf einen asymmetrischen Krieg. Mit billigen Drohnen soll die weltweite Energieversorgung gestört werden und damit indirekt Druck auf die USA ausgeübt werden. Der Flächenbrand im Nahen Osten hat sogar ein größeres Potenzial zur Schädigung der Weltwirtschaft als frühere bewaffnete Konflikte am Persischen Golf, denn diesmal geht es nicht nur um Erdöl, sondern auch um Flüssiggas und die weltweite Fluglogistik. Donald Trump steht zunehmend unter Druck und braucht unbedingt Erfolge bzw. Schuldige für Misserfolge. Das dürfte seine Politik weder konstruktiver noch berechenbarer machen mit entsprechenden Folgen für die Kapitalmärkte. Somit liegen lange Wochen der Unsicherheit vor den Anlegern.

Sollte die Straße von Hormus länger gesperrt bleiben oder es im Iran zu einem Bürgerkrieg kommen, könnte der Ölpreis auf 100 USD ansteigen.

100 USD

Ölpreis

Rohstoffe

Der Ölpreis hat auf die jüngste Eskalation im Nahen Osten ähnlich reagiert wie im Juni 2025, als Israel iranische Atomanlagen angegriffen hatte. Damals und auch jetzt ist Brent in den Bereich der Marke von 80 USD hochgeschnellt. Sollte die Straße von Hormus länger gesperrt werden, könnte Brent tatsächlich über die Marke von 100 USD klettern. Im letzten Jahr wurden täglich rund 15 % des weltweiten Ölangebots durch die Meerenge geleitet. Eine längere Sperrung ist unseres Erachtens weniger wahrscheinlich. Zum einen dürften die USA kein Interesse an dauerhaft höheren Energiepreisen haben. Zum anderen würde der Iran wichtige Nachbarstaaten wie Saudi-Arabien, Irak, Kuwait und die VAE bei einer längeren Sperrung gegen sich aufbringen. Ebenso dürfte China als wichtiger Abnehmer nicht erfreut sein. Dass der Ölpreis aktuell nicht noch stärker reagiert hat, liegt sicher an den gut gefüllten Öllagern und dem tendenziell hohen Überangebot am Ölmarkt. Sofern die Straße von Hormus nicht länger gesperrt wird, sollte der Ölpreis auch recht schnell wieder deutlich nachgeben. Sollte es jedoch im Iran zu einem Bürgerkrieg wie in Libyen nach dem Sturz Gaddafis 2011 kommen, dürfte die iranische Ölförderung deutlich einbrechen. Dann könnte Brent auch ohne eine Sperrung die Marke von 100 USD erreichen.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: BIP-Wachstum dürfte sich 2026 deutlich beschleunigen. Industrie lässt zyklisches Tief hinter sich.
  • Handelskonflikt mit USA impliziert anhaltende Risiken. Staatsausgaben sollen Nachfrage stimulieren.
  • Inflation bei 2 %. Globale Verlangsamung hält Lohndruck und Preissetzungsspielraum der Unternehmen in Schach.

Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • Fed: Notenbanker setzen geldpolitischen Lockerungskurs vorsichtig fort, eine weitere Zinssenkung im Jahr 2026 erwartet.
  • EZB: Zinssenkungsphase beendet; Einlagesatz bis mindestens Ende 2026 unverändert bei 2,00 % erwartet.
  • EUR-Langfristzinsen: Auf- und Abwärtsrisiken kurzfristig ausgewogen; auf mittlere Frist Rückkehr in den ansteigenden Trend erwartet.

Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • Investitionspakete und Konjunkturhoffnungen haben Europas Börsen gestützt.
  • Optimismus erhält in der Berichtssaison den ersten Dämpfer.
  • KI-Hausse droht heißzulaufen, der Krieg am Golf erhöht die Gefahr einer längeren Korrektur.

Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen dürfte abnehmen.
  • Erratisches Agieren des US-Präsidenten untergräbt Vertrauen in den US-Dollar.

Öl und Gas

Rohstoffe

  • Rohstoffe weiter im Aufwärtstrend. Bloomberg Commodity Index erreicht höchstes Niveau seit Mitte 2022.
  • Hausse bei Basismetallen dürfte vorerst pausieren. Aufwärtstrend bei Gold bleibt weiter intakt.
  • Politische Spannungen um den Iran lassen Ölpreis steigen. Hoher Angebotsüberschuss dürfte Preise wieder drücken.

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