17.04.2026

IWF senkt Wachstumsprognosen

Kapitalmärkte Weekly | Die Folgen des Irankriegs wirken sich bereits deutlich auf die Weltwirtschaft aus: Der IWF hat seine Wachstumsprognose gesenkt.

Öltanker in der Straße von Homus blockiert
Öltanker in der Straße von Homus blockiert

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Konjunktur

Die Folgen des Irankriegs wirken sich bereits deutlich auf die Weltwirtschaft aus: Der Internationale Währungsfonds hat seine Wachstumsprognose von 3,3 % auf nun 3,1 % gesenkt, das liegt deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Zugleich rechnen die Washingtoner Volkswirte mit einem spürbaren Anziehen der weltweiten Inflation auf 4,4 %, deutlich mehr als noch im Januar vorhergesagt (3,8 %). Die Risiken sieht der IWF eindeutig im Übergewicht. Ein langanhaltender Konflikt, eine tiefere geopolitische Fragmentierung, Enttäuschung über KI-getriebene Produktivität oder erneute Handelsspannungen könnten das Wachstum noch stärker schwächen und die Märkte verunsichern. Die hohen Staatsverschuldungen und erodierte politische Puffer erhöhen die Anfälligkeit. Für Deutschland reduzierte der IWF die BIP-Prognose jeweils um 0,3 Prozentpunkte auf nun +0,8 % für 2026 und +1,2 % für 2027. Wir erwarten sogar nur noch 0,5 % im laufenden und 1,0 % im kommenden Jahr.

Zinsumfeld

Der erste diplomatische Anlauf zu einem Vertrag über das iranische Atomprogramm zwischen Washington und Teheran ist zwar gescheitert, jedoch setzt die Mehrheit der Finanzmarktteilnehmer offenbar weiterhin auf ein baldiges Kriegsende im Nahen Osten. Der Eindruck einer recht weitgehenden Verarbeitung des „Iran-Schocks“ entsteht vor allem jenseits des Atlantiks. Am US-Staatsanleihemarkt hat die Rendite 10- jähriger Treasuries einen Großteil der Aufwärtsverschiebung, welche im Zuge des Kriegsausbruchs eingetreten ist, konserviert. Unter den Marktakteuren hat sich die Erwartung verfestigt, dass die US-Notenbank im Lichte des Energiepreisschocks eine weitere moderate Lockerung der Geldpolitik zumindest für geraume Zeit aufschieben wird. Diese Neujustierung des erwarteten Leitzinspfads blockiert unseres Erachtens eine Rückkehr der Anleiherenditen zu ihren Vorkriegsniveaus, zumal die Rohölpreise ungeachtet einer jüngsten Stabilisierung unter 100 USD/Barrel von einer Normalisierung noch weit entfernt sind. Wir gehen davon aus, dass zumindest die jüngsten US-Inflationsdaten zur Beruhigung der Kursentwicklung am Treasurymakt beigetragen haben.

Aktienmärkte

Nach einer fulminanten Rally haben US-Aktien sämtliche Verluste seit Ausbruch des Irankrieges egalisiert und sogar neue Allzeithochs erreicht. Auch an den übrigen Börsenplätzen stehen die Ampeln wieder auf Grün, nachdem Donald Trump Hoffnungen auf eine Einigung mit Iran geweckt hatte. Allerdings stecken in den aktuellen Kursen schon wieder viele Vorschusslorbeeren: Die Belastungen aus dem Irankrieg sind noch schwierig zu beziffern. Zudem bleibt die Lage an den Ölmärkten angespannt; der Preis für ein Barrel Brent notiert weiterhin bei knapp 100 US-Dollar. Es drohen Engpässe bei Ölprodukten, weil die Schiffe nach wie vor im Persischen Golf festsitzen. Unterdessen blicken die Anleger auf die beginnende Berichtssaison. Die ersten Signale aus Europa waren gemischt. Die US-Gewinne entwickelten sich zuletzt dagegen positiv, so dass die KGV-Bewertungen trotz Allzeithochs sogar etwas günstiger wurden – wie in fast allen Regionen.

Der US-Aktienindex S&P 500 legte im Laufe der Woche um gut 3 % zu. Damit überschritt er erstmals die Marke von 7.000 Punkten.

7000

Punkte

Devisen

Der Machtwechsel in Ungarn hat die Finanzmärkte aufhorchen lassen. Mit dem klaren Wahlsieg der Tisza-Partei endet die 16-jährige Ära von Viktor Orbán. Damit rückt ein politischer und institutioneller Neustart in den Fokus der Investoren. Für den Forint ist dies von zentraler Bedeutung. Der politische Kurswechsel beeinflusst unmittelbar die Erwartungen an die künftigen Beziehungen zur Europäischen Union, an potenzielle Mittelzuflüsse aus Brüssel und damit an die Bewertung ungarischer Vermögenswerte insgesamt. Die Wahl eröffnet neue Chancen und wirkt kurzfristig stark unterstützend auf den Forint. Gleichzeitig steigen die Erwartungen deutlich. Ob daraus ein nachhaltiger Aufwertungstrend für die ungarische Währung entsteht oder ob Reformhürden, fiskalische Risiken und geopolitische Belastungen die Euphorie rasch begrenzen, bleibt offen. Die angespannte Haushaltslage, die weiterhin an Bedingungen geknüpfte EU-Finanzierung sowie externe Risiken durch ansteigende Energiepreise und geopolitische Spannungen dämpfen die Dynamik und den damit verbundenen Risikoappetit der Investoren. Vor diesem Hintergrund erwarten wir im Jahresverlauf eine moderate, aber fortgesetzte Aufwertung des Forint und passen unsere Prognose für den Kurs von EURHUF zum Jahresende auf 355 an.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: BIP dürfte 2026 moderat zulegen. Staatsausgaben stimulieren Nachfrage. Vor allem Investitionen dürften profitieren.
  • Hohe Inflations- und Konjunkturrisken durch Ölpreisanstieg im Kielwasser des Kriegs am Persischen Golf. Handelskonflikt mit USA belastet weiterhin.

Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • Fed: Notenbanker setzen geldpolitischen Lockerungskurs bis mindestens Ende 2026 aus. Eine Zinssenkung im ersten Halbjahr 2027.
  • EZB: Schwenk zur geldpolitischen Straffung rückt näher. Zwei Zinsanhebungsschritte bis Ende 2026 erwartet. Einlagesatz dann auf absehbare Zeit bei 2,50 %.
  • EUR-Langfristzinsen: Aufwärtsrisiken dominieren angesichts wachsender Inflationssorgen.

Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • Irankrieg erhöht die Kosten und belastet die Ertragslage.
  • Investitionspakete und Konjunkturhoffnungen werden in Europa durch Zinsängste konterkariert.
  • KI-Fantasie dürfte langsam der Furcht vor Überinvestitionen weichen.

Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen dürfte abnehmen.
  • Erratisches Agieren des US-Präsidenten untergräbt Vertrauen in den US-Dollar.
  • Flucht in den „sicheren Hafen“ US-Dollar dürfte nicht von Dauer sein.

Öl und Gas

Rohstoffe

  • Rohstoffe mit starkem Preisanstieg. Bloomberg Commodity Index erreicht neues Allzeithoch.
  • Angebotsrisiken bei Basismetallen stützen Preistrend. Aufwärtstrend bei Gold kommt durch Nahostkrieg ins Stocken.
  • Irankrieg führt zu Ölhausse. Deutliches Korrekturpotenzial, wenn die Straße von Hormus wieder vollständig passierbar ist.

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