24.04.2026

Ölpreis dürfte bis Ende 2026 deutlich nachgeben

Kapitalmärkte Weekly | Die Folgen des Irankriegs wirken sich bereits deutlich auf die Weltwirtschaft aus: Der IWF hat seine Wachstumsprognose gesenkt.

Ölfässer in industrieller Umgebung unter Sonnenuntergangshimmel
Ölfässer in industrieller Umgebung unter Sonnenuntergangshimmel

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Konjunktur

ie Konjunkturerwartungen sind im April abermals deutlich zurückgekommen. Der ZEW-Indikator für die Aussichten der deutschen Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten fiel um 17,2 auf -16,7 Punkte, nach einem Einbruch um 58,8 Zähler im März. Ähnlich entwickelten sich die Erwartungen für die Eurozone. Damit notiert das Barometer etwas niedriger als bei den zwei vorherigen Tiefpunkten. Im April 2025 hatte US-Präsident Donald Trump erstmals Strafzölle angekündigt; im Juli 2023 war die Inflation hoch, die Konjunktur schwach, die EZB erhöhte seit einem Dreivierteljahr die Zinsen, und der Ukraine-Krieg hielt schon mehr als ein Jahr an. Nun dauert der Nahostkrieg länger als zunächst gedacht, hat die Energiepreise deutlich nach oben getrieben und gefährdet zudem die Energieversorgung. Damit nehmen die Sorgen zu, dass die Inflation wieder stark steigt, die Zinsen erhöht werden und damit die Konjunktur abgebremst wird. Auch die Beurteilung der aktuellen Lage sank deutlich.

Zinsumfeld

en Staatsanleihemärkten beiderseits des Atlantiks bescherte die Hängepartie im Nahen Osten ebenfalls eine Pattsituation, zwischen Rentenbären und Rentenbullen. Das scheinbare Nahen eines Friedensabkommens drückte die 10-jährige Bundrendite zwar zeitweilig unter die Marke von 3 %, jedoch wurde der Renditerückgang anschließend wieder weitgehend korrigiert. Ein vergleichbares Muster zeigte sich am US-Treasurymarkt, wobei ein überraschend kräftiger Anstieg der US-Einzelhandelsumsätze den renten-bärischen Gegenschlag unterstützte. Unterdessen beschäftigt sich der Senat mit der Neubesetzung der Fed-Spitze. Trumps Kandidat Kevin Warsh betonte in seiner Anhörung seinen Willen, das geldpolitische Rahmenwerk und die Arbeitsweise der Notenbank umfassend zu überarbeiten. Er will die Inflation mit längerfristiger Optik betrachten, aber zugleich die durch Staatsanleihekäufe ausgeweitete Bilanz der Notenbank verkürzen. Die Nachfolge von Jerome Powell kann Warsh aber erst antreten, wenn der republikanische Senator Tillis seine Blockade aufgibt. Er verlangt eine Einstellung des Verfahrens gegen Powell wegen der hohen Kosten des Fed-Neubaus.

Aktienmärkte

Die Lage am Golf bleibt angespannt, der Konflikt gerät zur Hängepartie. Wie schnell ein Ausweg gefunden wird, lässt sich kaum abschätzen. Mit jedem Tag, erst recht mit jeder Woche, in der die Versorgung mit Öl, Gas, Helium, Harnstoff etc. weiter stockt, steigen die negativen Folgen für Konjunktur und Preise. In dieser Gemengelage – man muss sich die Augen reiben – notieren die Aktienindizes rund um den Globus auf ähnlichen Niveaus wie noch zu Jahresbeginn. Der S&P 500 markierte jüngst sogar noch ein neues Allzeithoch. Die Anleger agieren dabei in einer Mischung aus Sorglosigkeit und der Angst, etwas zu verpassen. Sie scheinen dabei an eine v-förmige Entwicklung zu glauben. In jüngerer Vergangenheit, im Zuge des „Liberation Day“ sowie der Corona-Pandemie, war dies tatsächlich so. Die Konstellation im Rahmen einer Öl- und Gaskrise lässt jedoch bestenfalls eine zähe, mehrmonatige Seitwärtstendenz erwarten.

Wir halten an unserer Prognose fest und erwarten einen Brent-Ölpreis von 80 USD je Barrel zum Jahresende 2026.

80

US-Dollar

Rohstoffe

Als letzte Woche Hoffnungen aufkamen, dass die Straße von Hormus wieder geöffnet werde, gaben die Ölpreise deutlich nach. Allerdings ist der Schiffsverkehr weiterhin gestört, so dass Brent erneut in den Bereich der 100-USD-Marke gestiegen ist. Durch die Straße von Hormus werden in der Regel rund 15 Mio. Barrel pro Tag (mbpd) an Rohöl und 5 mbpd an Ölprodukten transportiert. Die Blockade der Meerenge führte dazu, dass das globale Ölangebot im März um rund 10 mbpd gesunken ist. Dennoch sollte die Meerenge im Laufe der nächsten Wochen wieder befahrbar sein. Denn die hohen Benzinpreise in den USA erhöhen zu Beginn der „Driving Season“ den Druck auf den US-Präsidenten, den Irankrieg bald zu beenden. Für Entlastung sorgt, dass über alternative Transportwege aus der Golfregion aktuell rund 3 mbpd mehr Rohöl transportiert werden als vor Kriegsbeginn. Zudem dürfte die OPEC+ ihre Förderquoten in den kommenden Monaten erhöhen. Und auch die Ölnachfrage schwächt sich weiter ab. Für das zweite Halbjahr 2026 zeichnet sich am Ölmarkt immer noch ein hoher Angebotsüberschuss von über 1,5 mbpd ab. Wir bestätigen daher unsere Prognose: Bis Jahresende 2026 dürfte Brent wieder auf 80 USD nachgeben.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: BIP dürfte 2026 moderat zulegen. Staatsausgaben stimulieren Nachfrage. Vor allem Investitionen dürften profitieren.
  • Hohe Inflations- und Konjunkturrisken durch Ölpreisanstieg im Kielwasser des Kriegs am Persischen Golf. Handelskonflikt mit USA belastet weiterhin.

Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • Fed: Notenbanker setzen geldpolitischen Lockerungskurs bis mindestens Ende 2026 aus. Eine Zinssenkung im ersten Halbjahr 2027.
  • EZB: Schwenk zur geldpolitischen Straffung rückt näher. Zwei Zinsanhebungsschritte bis Ende 2026 erwartet. Einlagesatz dann auf absehbare Zeit bei 2,50 %.
  • EUR-Langfristzinsen: Aufwärtsrisiken dominieren angesichts wachsender Inflationssorgen.

Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • Irankrieg erhöht die Kosten und belastet die Ertragslage.
  • Investitionspakete und Konjunkturhoffnungen werden in Europa durch Zinsängste konterkariert.
  • KI-Fantasie dürfte langsam der Furcht vor Überinvestitionen weichen.

Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen dürfte abnehmen.
  • Erratisches Agieren des US-Präsidenten untergräbt Vertrauen in den US-Dollar.
  • Flucht in den „sicheren Hafen“ US-Dollar dürfte nicht von Dauer sein.

Öl und Gas

Rohstoffe

  • Rohstoffe mit starkem Preisanstieg. Bloomberg Commodity Index erreicht neues Allzeithoch.
  • Angebotsrisiken bei Basismetallen stützen Preistrend. Aufwärtstrend bei Gold kommt durch Nahostkrieg ins Stocken.
  • Irankrieg führt zu Ölhausse. Deutliches Korrekturpotenzial, wenn die Straße von Hormus wieder vollständig passierbar ist.

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