10.04.2026
Feuerpause am Golf lässt Energiepreise zurückfallen
Kapitalmärkte Weekly | Als Reaktion auf die Waffenruhe gingen die Energiepreise vorerst zurück, allerdings bleibt die Unsicherheit.
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Konjunktur
Die Stimmung unter den Konjunkturbeobachtern trübte sich im April noch stärker ein als im März. Der sentix-Konjunkturindex stürzte ebenso wie seine Komponenten Lageeinschätzung und Erwartungen für alle Weltregionen ab. Vor dem Irankrieg waren, wie auch bei anderen Umfragen, mehrere Anstiege zu verzeichnen gewesen. Im Rückschlag spiegeln sich der anhaltende Iran-Krieg und die hohen Energiepreise wider. Für den Euroraum fiel der Gesamtindex um 16,2 auf –19,2 Punkte. Für Deutschland kam er um 15,6 auf -27,7 Zähler zurück. Für Euroland, Deutschland und Österreich prognostiziert er jetzt eine Rezession. Im Februar hatte er für alle drei noch das höchste Niveau seit Juli 2025 erreicht. Im positiven Bereich hielt sich der sentix-Konjunkturindex lediglich für Asien ohne Japan, hier sank er um 14,1 Punkte, sowie für Lateinamerika (-6,6 Zähler). Für die USA indiziert er einen Abschwung, und für die Welt insgesamt deutet er auf eine Stagnation hin.
Zinsumfeld
Die Reaktion an den großen Staatsanleihemärkten beiderseits des Atlantiks auf die Feuerpause im Iran spiegelt nachlassende Ängste vor einer Wiederholung des Inflationsschocks der Jahre 2022/23 wider. Am US-Rentenmarkt kehrt die Hoffnung auf eine Zinssenkung der US-Notenbank im späteren Verlauf des Jahres 2026 zurück. Die Anleger lassen sich vorerst jedoch nur zögerlich auf neue Zinssenkungsspekulationen ein, und dies aus guten Gründen. Zum Ersten erscheinen die Entspannungstendenzen im Nahen Osten fragil. Die prinzipielle Bereitschaft beider Kriegsparteien zu einer diplomatischen Lösung ist zwar eine wichtige positive Nachricht, jedoch ist der Weg zu einem dauerhaften Frieden mit erheblichen Hürden und Eskalationspotenzial versehen. Zum Zweiten hat der US-Arbeitsmarktbericht für März in Summe positiv überrascht. In Anbetracht statistischer Verzerrungen ist der kräftige Stellenzuwachs in Höhe von 178.000 nur bedingt aussagekräftig. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine fortgesetzte Eintrübung der Arbeitsmarktlage die US-Notenbanker zu einer baldigen Lockerung der Geldpolitik nötigt, geht mithin zurück.
Aktienmärkte
Drohen, einlenken, noch mehr drohen und wieder einknicken. Diese Strategie Donald Trumps scheint inzwischen auch das Mullah-Regime verstanden zu haben, weshalb sich die selbstbewussten Forderungen des Irans maximal von den Zielen der USA und Israels unterscheiden. Weil dem US-Präsidenten angesichts seiner in den Keller gerauschten Umfragewerte mit Blick auf die Midterm-Wahlen im November die Zeit davonläuft, erscheint kurzfristig alles möglich: Von einer dauerhaften Entspannung bis hin zu einer neuen Eskalation, um eine Kapitulation des Irans zu erzwingen. Für die Anleger bedeutet dies ein Nervenspiel. Das ruckartige Hin und Her bei Ölpreis, Renditen und Aktienkursen im Laufe dieser Woche spricht Bände. Aber selbst im besten Falle würde der Krieg die Konjunktur bremsen und gleichzeitig die Inflation erhöhen. In den bislang lediglich begrenzt gesunkenen Kursen kommt dies noch nicht vollends zum Ausdruck.
Der Terminkurs für das Barrel Brent-Öl ermäßigte sich im Vergleich zur Vorwoche als Reaktion auf die Waffenruhe um rund 9 %.
Rohstoffe
Als Reaktion auf die Waffenruhe gingen die Energiepreise vorerst zurück, allerdings bleibt die Unsicherheit. Der Krieg gegen den Iran hat die Handelsströme durch die Straße von Hormus abgewürgt und die größte Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarktes verursacht. Auch das weltweite Angebot an Flüssigerdgas (LNG) ist um rund 20 % zurückgegangen. Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur (IEA), bezeichnete die Auswirkungen der Lieferunterbrechung durch die Straße von Hormus und der Angriffe auf die Energieinfrastruktur in der gesamten Region als „die größte Bedrohung der globalen Energiesicherheit in der Geschichte“. Entscheidend für die Entwicklung der Energiepreise und damit auch der Konjunktur ist, ob der Krieg endet und die Straße von Hormus bald wieder frei befahrbar wird. Der Iran will diese zukünftig als Reaktion auf den Krieg kontrollieren und für die Passage Schutzgelder verlangen. Das erhöht auch längerfristig die Energiekosten tendenziell. Und selbst nach einem Kriegsende dürfte es einige Zeit dauern, bis die Versorgungslücken geschlossen sind und die Energieinfrastrukturen wieder vollständig funktionieren. Die Preise dürften also nicht sofort auf das Vorkriegsniveau fallen.
Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst
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