20.03.2026

Fed und EZB halten die Füße still

Kapitalmärkte Weekly | Nicht nur die Finanzmarktakteure, sondern auch die Notenbanker rund um den Globus blicken gespannt auf die Ereignisse im Nahen Osten.

Federal Reserve Building in Washington DC USA
Federal Reserve Building in Washington DC USA

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Konjunktur

Die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktfachleute sind im März deutlich eingebrochen. Der ZEW-Indikator für die Aussichten der deutschen Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten stürzte um 58,8 Punkte auf -0,5 Zähler ab. Damit notiert das Barometer hierzulande so niedrig wie im April 2025, als US-Präsident Donald Trump erstmals Strafzölle ankündigte. Der Rückgang war überdies stärker als in den bereits letzte Woche veröffentlichten Sentix-Erwartungen. Der Nahostkrieg dauert länger als zunächst erhofft und hat die Energiepreise deutlich nach oben getrieben. Damit nehmen die Sorgen zu, dass dies die Inflation erhöht sowie die Konjunktur dämpft. Immerhin hellte sich die Beurteilung der aktuellen Lage bei beiden Umfragen unter Finanzmarktprofis leicht auf. Für das Eurogebiet entwickelte sich der ZEW-Erwartungsindex analog zu Deutschland. Dagegen kam die Lagebeurteilung merklich zurück. Es bleibt also ein herausforderndes Umfeld.

Zinsumfeld

Nicht nur die Finanzmarkakteure, sondern auch die Notenbanker rund um den Globus blicken gespannt auf die Ereignisse im Nahen Osten und die hiermit verbundenen Ausschläge der Notierungen an den Rohstoffmärkten. Die jüngsten Zinsentscheide der Zentralbanken in den großen Währungsräumen haben gezeigt: Keiner der Währungshüter traut sich derzeit ein fundiertes Urteil über die makroökonomischen Auswirkungen des Iran-Krieges zu. Zu sehr sind die Dinge im Fluss, und zu ungewiss sind die Dauer des Krieges bzw. der faktischen Unterbrechung wichtiger Rohstofflieferungen aus der Golfregion. Daher halten sämtliche G7-Notenbanken sowie die SNB vorerst ihre Füße still. Für die Fed und die britische Notenbank impliziert dies jeweils eine Verlängerung ihrer zum Jahresstart eingeleiteten Zinssenkungspausen. Ihre Position gestaltet sich unseres Erachtens insofern etwas komfortabler als jene der EZB, da die geldpolitische Ausrichtung sowohl in den USA als auch in Großbritannien noch leicht restriktiv ist. Dies erleichtert tendenziell das Aussitzen eines temporären energiepreisbedingen Inflationsschubs.

Aktienmärkte

Die Aktienmärkte befinden sich weiter im Würgegriff des Iran-Krieges. Dabei ist unklar, wie lange die Straße von Hormus noch gesperrt bleibt, wie stark die Energiepreise noch steigen und wie sehr dies die globale Wirtschaftsentwicklung beeinträchtigt. Zuletzt eskalierte die Lage mit der Beschädigung von Energieinfrastrukturen sowohl im Iran als auch in Katar weiter. Das Risiko einer Energiekrise - ähnlich wie nach der Ukraine-Invasion im Jahr 2022 - ist damit weiter gewachsen. Historische Vergleiche zeigen, dass Börsenkorrekturen bei Terror- und Kriegsereignissen zumeist einige Monate andauern, ehe eine Erholung einsetzt. Dies dürfte auch diesmal gelten, zumal weitere Probleme hinzukommen: Die Stimmung der Anleger ist eher sorglos als panisch, die Bewertung hoch, vor allem in den USA, und weitere diffuse Risiken schlummern in den Private-Debt-Portfolien. Die Volatilität dürfte hoch bleiben, eine defensive Positionierung ist weiterhin angebracht.

Erdgas erreichte am Terminmarkt temporär den höchsten Stand seit Anfang 2023. Ursache ist der Ausfall der LNG-Lieferungen aus Katar.

72 EUR

je MWh

Devisen

Der US-Dollar fungiert in Krisenzeiten offenbar immer noch als sicherer Hafen. Seine Stärke geht deutlich über das hinaus, was nach der Entwicklung der Renditedifferenzen angemessen wäre. Es kommt unterstützend hinzu, dass die USA seit einigen Jahren Netto-Exporteur von Rohöl sind. Auf Sicht von mehreren Quartalen sind daher für die Vereinigten Staaten keine Wachstumseinbußen durch den jüngsten Rohölpreissprung zu erwarten. In unserem Hauptszenario bleibt die Straße von Hormus nur temporär geschlossen. Das wiederum bedeutet, dass die Argumente, welche uns zur Prognose einer Abwertung des US-Dollar veranlassten, in Bälde wieder an Schlagkraft gewinnen sollten. Eine weitere Einengung des Renditevorteils von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen mit kongruenter Laufzeit sollte darüber hinaus eine Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar bewirken. Zuletzt kamen unter den Marktteilnehmern Spekulationen auf, dass die EZB alsbald mit Zinserhöhungen auf den kriegsbedingten Inflationsdruck reagieren könnte. In Summe sollten die Fluchtbewegungen in den US-Dollar nicht von Dauer sein. Daher lassen wir unsere Prognose für seinen Wechselkurs unverändert. Wir erwarten weiterhin eine Aufwertung des Euro auf 1,22 US-Dollar per Jahresende 2026.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: BIP-Wachstum dürfte sich 2026 beschleunigen. Staatsausgaben sollen Nachfrage stimulieren. Vor allem Investitionen dürften profitieren.
  • Handelskonflikt mit USA belastet weiterhin. Wachsende Inflationsrisken durch Ölpreisanstieg im Kielwasser des Kriegs am Persischen Golf.

Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • Fed: Notenbanker setzen geldpolitischen Lockerungskurs vorsichtig fort, eine weitere Zinssenkung im Jahr 2026 erwartet.
  • EZB: Zinssenkungsphase beendet; Einlagesatz bis mindestens Ende 2026 unverändert bei 2,00 % erwartet.
  • EUR-Langfristzinsen: Auf- und Abwärtsrisiken kurzfristig ausgewogen; auf mittlere Frist Rückkehr in den ansteigenden Trend erwartet.

Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • Investitionspakete und Konjunkturhoffnungen haben Europas Börsen gestützt.
  • Optimismus erhält in der Berichtssaison den ersten Dämpfer.
  • Der Krieg am Golf erhöht die Gefahr einer längeren Korrektur.

Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen dürfte abnehmen.
  • Erratisches Agieren des US-Präsidenten untergräbt Vertrauen in den US-Dollar.
  • Flucht in den „sicheren Hafen“ US-Dollar dürfte nicht von Dauer sein.

Öl und Gas

Rohstoffe

  • Rohstoffe mit starkem Preisanstieg. Bloomberg Commodity Index erreicht neues Allzeithoch.
  • Angebotsrisiken bei Basismetallen stützen Preistrend. Aufwärtstrend bei Gold kommt durch Nahostkrieg ins Stocken.
  • Brent haussiert wegen der Blockade der Straße von Hormus. Längere Sperrung scheint jedoch unwahrscheinlich.

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