11.09.2026
EZB zieht Zinszügel erneut an
EZB erhöht den Einlagensatz auf 2,5 %, während Chinas Wirtschaft nur zögerlich wächst. Inflation, Handel und Konjunktur bleiben zentrale Risiken.
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Konjunktur
Chinas Wirtschaft sendet widersprüchliche Signale. Die Inflation stieg im August auf 0,8 % zum Vorjahr, getragen von Energie und teureren Lebensmitteln. Die Kernrate erhöhte sich nur leicht auf 1,0 %, die Erzeugerpreise um 3,8 %. Die Industrie stabilisiert sich vorsichtig. Der Einkaufsmanagerindex stieg auf 49,8 Punkte, blieb aber unter der Wachstumsschwelle. Produktion, Neuaufträge und Exportaufträge legten zu, Beschäftigung, Dienstleistungen und Bauwirtschaft blieben schwach. Der Außenhandel bleibt dynamisch, dürfte seinen Höhepunkt aber bald erreichen. Exporte und Importe verfehlten die Erwartungen; Einfuhren aus Südamerika und Afrika gaben nach. Der Technologiesektor stützt die Handelsströme, vor allem mit Korea und Taiwan. Handelsgespräche mit Washington können kurzfristig helfen, während Europa bei ausbleiben dem Fortschritt neue Zölle drohen. Chinas Erholung bleibt damit schmal und erhöhtem Kostendruck sowie externen Risiken ausgesetzt.
Zinsumfeld
Die EZB hat gestern den für die Steuerung der Geldpolitik maßgeblichen Einlagensatz auf 2,5 % angehoben. Höher lag das Zinsniveau zuletzt im Februar 2025, damals bei 2,75 %. Mit diesem Schritt unterstreichen die Währungshüter ihre Entschlossenheit, den Preisauftrieb im Euroraum nachhaltig einzudämmen. Zusätzlichen Handlungsdruck signalisieren die aktualisierten Projektionen der Notenbank. Für die Jahre 2027 und 2028 erwartet die EZB nun eine etwas höhere Inflationsrate als noch im Juni. Am Ende des Prognosezeitraums soll sie bei 2,1 % und damit weiterhin leicht über dem mittelfristigen Zielwert von 2 % liegen. Zugleich wurden die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum nach oben korrigiert. Eine robustere Konjunktur verschafft der Notenbank grundsätzlich mehr Spielraum, ihre restriktive Geldpolitik fortzusetzen. Die Zinsentscheidung war erwartet worden. Dennoch lässt sich daraus keine klare Serie weiterer Zinserhöhungen ableiten. Die EZB dürfte deshalb an ihrem datenabhängigen Vorgehen festhalten und weitere Entscheidungen von der Entwicklung der Preise, Konjunktur und Löhne abhängig machen.
Aktienmärkte
Für 2026 erwarten die Analysten ein deutlich stärkeres Gewinnwachstum als im Jahr 2025. Dass dieses für den Euro Stoxx 50 derzeit mehr als doppelt so hoch ausfällt wie für den heimischen DAX, erscheint jedoch erklärungsbedürftig. Eine detailliertere Betrachtung bringt Licht ins Dunkel: Im DAX wirken sich Abwärtsrevisionen der Gewinnschätzungen der hier höher gewichteten Automobilwerte besonders stark aus. Der Euro Stoxx 50 profitiert dagegen von seinen Ölwerten, die aufgrund des Kriegs im Nahen Osten eine Sonderkonjunktur erleben. Zudem weist der Index ein stärkeres KI-Exposure auf. Allerdings belasten der sprunghaft gestiegene Ölpreis, zunehmende Inflationssorgen, weiter steigende Anleiherenditen und eine mehr und mehr restriktive Geldpolitik die Aktienmärkte. Dies zeigte sich auch in der gestrigen Leitzinserhöhung der EZB. Der saisonal häufig schwierige September wird seinem schlechten Ruf damit bislang gerecht.
Rohstoffe
Europas Gasspeicher sind für diese Jahreszeit ungewöhnlich schwach gefüllt. Anfang September lag der Füllstand in der EU bei 66,9 % beziehungsweise 757 TWh. Deutschland blieb mit 54,5 % oder knapp 135 TWh deutlich hinter dem europäischen Durchschnitt zurück. Zwar wird weiterhin Gas eingespeichert, der Abstand zu den saisonal üblichen Niveaus bleibt jedoch groß. Gleichzeitig hat sich Erdgas am niederländischen Handelspunkt TTF kräftig verteuert. Der Oktober-Kontrakt stieg zeitweise auf mehr als 80 EUR je MWh und damit auf den höchsten Stand seit Januar 2023. Belastend wirken vor allem Behinderungen der katarischen LNG-Exporte sowie der Wettbewerb mit Asien um alternative Lieferungen. Eine akute Gasknappheit zeichnet sich derzeit nicht ab. Bei einem kalten Winter oder weiteren Lieferausfällen bleiben die Preisrisiken jedoch hoch. Steigen die Energiepreise insgesamt tatsächlich weiter, wirkt dies inflationstreibend und belastend auf die Konsumstimmung. Damit einher geht die Erwartung, dass die Zentralbanken auch in nächster Zeit mit erneuten Zinserhöhungen auf den wachsenden Preisdruck reagieren.
Die EZB hat gestern ihren Leitzins auf den höchsten Stand seit rund anderthalb Jahren angehoben.
Von: Antje Laschewski, Senior Analyst
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