11.09.2026

EZB hat Inflation weiter im Blick

Kapitalmärkte Daily | EZB zieht Zinsen auf 2,5 % an – Inflation, Ölpreis und Energiepreise setzen Europas Währungshüter weiter unter Druck.

EZB Frankfurt Europa EU Flaggen
EZB Frankfurt Europa EU Flaggen

Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Daily

  • EZB hebt Einlagensatz auf 2,50 %
  • EZB-Rat bleibt auf der Hut
  • Ölpreis springt über die psychologische Marke von 100 USD je Barrel

EZB zieht Zinszügel erneut an

Die EZB hat gestern ihren Leitzins auf den höchsten Stand seit rund anderthalb Jahren angehoben. Der für die Steuerung der Geldpolitik maßgebliche Einlagensatz wurde um einen Viertelpunkt auf 2,5 % angehoben. Höher lag das Zinsniveau zuletzt im Februar 2025, damals bei 2,75 %. Die Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde hatten die Zinszügel bereits im Juni angezogen und damit auf die vom Iran-Konflikt angetriebene Teuerung im Euroraum reagiert. Mit diesem Schritt unterstreichen die Währungshüter ihre Entschlossenheit, den Preisauftrieb im Euroraum insbesondere bei Energiekosten nachhaltig einzudämmen. Schließlich ist der Ölpreis Mitte der Woche wieder über die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar je Barrel gesprungen. Raffinierte Produkte wie Diesel legten noch stärker zu, da sich der Konflikt im Nahen Osten bis ins Rote Meer nahe Saudi-Arabien ausgeweitet hat. Die europäischen Erdgaspreise stiegen den vierten Handelstag in Folge. Zusätzlichen Handlungsdruck signalisieren die aktualisierten Projektionen der Notenbank. Für die Jahre 2027 und 2028 erwartet die EZB nun eine etwas höhere Inflationsrate als noch im Juni. Am Ende des Prognosezeitraums soll sie bei 2,1 % und damit weiterhin leicht über dem mittelfristigen Zielwert von 2 % liegen. Zugleich wurden die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum nach oben korrigiert. Eine robustere Konjunktur verschafft der Notenbank grundsätzlich mehr Spielraum, ihre restriktive Geldpolitik fortzusetzen. Die Zinsentscheidung der EZB war weithin erwartet worden. Eine verlässliche Serie weiterer Zinserhöhungen lässt sich daraus jedoch noch nicht ableiten. Vor allem die stark schwankenden Energiepreise können den Inflationsausblick rasch verändern. Die Notenbank dürfte daher datenabhängig entscheiden und künftige Schritte an Preis-, Konjunktur- und Lohnentwicklung ausrichten. Spannend wird sein, welche Signale EZB-Präsidentin Christine Lagarde für die kommenden Monate setzt. Zwar halten die angehobenen Inflationsprognosen die Tür für weitere Zinsschritte offen. Ob die EZB diesen Spielraum nutzt, bleibt angesichts der hohen Unsicherheit abzuwarten. An den Terminmärkten wird jedoch bereits mit einer weiteren Erhöhung im Dezember gerechnet.

Geldpolitik bleibt Taktgeber

Der DAX hat gestern weiter an Boden verloren und schloss bei 25.361 Punkten um 0,84 % schwächer. Unter Verkaufsdruck standen vor allem zinssensitive und energiesensitive Sektoren. Verluste gab es auch an der Wall Street. Der S&P 500 sank um 0,6 % und verbuchte damit den vierten Rückgang in Folge. Als Reaktion auf weiter aufwärts gerichtete Zinserwartungen und immer höhere Staatsdefizite stiegen auch die Renditen weiter an. Zehnjährige US-Staatsanleihen sprangen auf 4,95 % und erreichten damit den höchsten Stand seit 2023. Heute Nachmittag werden die US-Inflationsdaten für den Monat August publiziert. Wir erwarten, dass der CPI von 0,1 % im Juli auf 0,4 % im August gestiegen ist, was einer Jahresrate von 3,4 % entsprechen würde. Die Kerninflation, die Energie- und Nahrungsmittelpreise ausklammert, dürfte auf Monatsbasis unverändert bei 0,2 % liegen; die entsprechende Jahresrate bei 2,4 %. Zudem wird das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan veröffentlicht; ein wichtiger Indikator für die US-Konsumstimmung. Die Daten gelten als entscheidend für den weiteren Zinskurs der US-Notenbank. An den Finanzmärkten wird die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung derzeit auf 70 % geschätzt, nachdem gestern bereits stärker als erwartet gestiegene US-Erzeugerpreise publiziert wurden.

Von: Antje Laschewski, Senior Analyst

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