21.08.2026

Erdgas: Speicherfüllstände niedrig, Preise hoch

Die europäischen Erdgaspreise sind jüngst kräftig gestiegen. Der richtungsweisende niederländische TTF-Future notierte zuletzt bei rund 63 EUR je MWh.

Gasspeicher
Gasspeicher

Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Weekly

Konjunktur

Finanzmarktfachleute haben sich im August den vierten Monat in Folge positiver gezeigt als im Vormonat. Der ZEW-Indikator für die Aussichten der Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten stieg sowohl für Deutschland (+7,9 auf 34,2 Punkte) als auch für das Eurogebiet (+8,0 auf 31,4 Punkte) kräftig. Damit setzt sich der Stimmungsaufschwung der Wirtschaft fort, den auch andere Indikatoren in den letzten Monaten anzeigten. Hierzulande dürfte sich darin abermals das Reformpaket widerspiegeln. Für alle Branchen erhöhte sich laut ZEW die Zuversicht. Besonders kräftig gingen die Erwartungen für die Fahrzeugindustrie nach oben. Auch die Bewertungen der aktuellen Lage hellten sich sowohl für Deutschland (+16,5 auf -61,1 Punkte) als auch für das Eurogebiet (+16,2 auf -21,5 Punkte) auf. Trotz der kräftigen Aufwärtsbewegung liegen beide damit noch deutlich im negativen Bereich (Angaben jeweils gegenüber dem Vormonatswert).

Zinsumfeld

Die Stimmung an den globalen Rentenmärkten hat sich in den vergangenen Tagen abrupt eingetrübt. Der Ausgangspunkt war ein plötzlich einsetzender Kursverfall beiderseits des Atlantiks am Ende der zweiten Augustwoche. Mysteriös war dieser vor allem deshalb, weil ein klar abgrenzbarer Auslöser fehlte. Es kommt hinzu, dass enttäuschende US Einzelhandelsumsätze für den Monat Juli an und für sich die Vorlage für einen rentenpositiven Wochenausklang geliefert hatten. Der breit angelegte Kursrutsch setzte sich zum Start in die laufende Woche fort, wobei die anhaltend verfahrene Lage im Nahen Osten zusätzliches Futter für die Rentenbären lieferte. Die militärische Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran köchelt auf kleiner Flamme vor sich hin. Ein diplomatischer Durchbruch hin zu der ersehnten Wiederöffnung der Straße von Hormus scheint nach den jüngsten Äußerungen von US-Präsident Trump wieder ein Stück weiter in die Ferne gerückt zu sein. Dies heizte beiderseits des Atlantiks die Inflationssorgen und die Spekulationen auf mehr geldpolitische Straffung seitens der Notenbanken an. Diesen schließen wir uns allerdings nicht an.

Aktienmärkte

Es knirscht im Gebälk der Weltfinanzmärkte: Der globale Ausverkauf an den Bondmärkten zwang den US-Finanzminister Scott Bessent dazu, das Anleihekaufprogramm zu erhöhen, was freilich nur das Symptom kuriert, aber nicht die Ursache der ausufernden Staatsverschuldung. Donald Trump hat am Persischen Golf sein Pulver dagegen buchstäblich verschossen und droht dem Iran mit einem Wirtschaftskrieg. Eine Lösung scheint wieder in die Ferne gerückt, was wiederum Inflationsängste schürt. Daher verwundert es kaum, dass die Aktienmärkte mangels positiver Impulse aus den Unternehmen erst einmal auf Tauchstation gingen. Weiterhin bleibt Künstliche Intelligenz das Megathema an den Weltbörsen: Hier wird die Zahlenvorlage von Nvidia kommende Woche zeigen, wie es um den Investitionszyklus steht. Vorerst stehen die Zeichen an den Aktienmärkten auf eine fortgesetzte Konsolidierung.

Die deutschen Gassspeicher sind aktuell nur zur Hälfte gefüllt. Bis zum 1. November muss ein Niveau von 80 % erreicht werden.

50.2

%

aktueller Gasspeicher-Füllstand

Rohstoffe

Die europäischen Erdgaspreise sind jüngst kräftig gestiegen. Der richtungsweisende niederländische TTF-Future notierte zuletzt bei rund 63 EUR je MWh. Für Aufwärtsdruck sorgt vor allem die anhaltende Unsicherheit über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, die Zweifel an einer raschen Entspannung der Versorgungslage nährt. Zusätzlichen Preisdruck bringen die hohen Temperaturen in weiten Teilen Europas. Der dadurch steigende Strombedarf für Klimaanlagen erhöht zugleich den Einsatz von Gaskraftwerken und erschwert den weiteren Aufbau der Vorräte. Europas Gasspeicher füllen sich nur schleppend, die Anzeige steht zurzeit bei 62 %. Vor Jahresfrist waren es noch 74 %. Aufgrund des Wettbewerb mit asiatischen Käufern um LNG-Lieferungen bleibt der Markt daher anfällig für weitere Preissprünge. Hierzulande sind die Gasspeicher aktuell sogar nur zur Hälfte gefüllt, somit sind die Reserven so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Zum 1. November müssten die deutschen Gasspeicher nach gesetzlichen Vorgaben eigentlich zu jeweils 80 % gefüllt sein. Auch wenn dieses Ziel aller Voraussicht nach nicht erreicht werde, seien Engpässe wie im Jahr 2022 nicht zu erwarten, versucht die Regierung zu beruhigen.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: BIP ist im ersten Halbjahr gewachsen. Staatsausgaben und Ausfuhren stimulieren Nachfrage. Auftragsbestand nimmt zu. Private Investitionen bleiben zurückhaltend.
  • Inflations- und Konjunkturrisiken durch den Energiepreisanstieg im Kielwasser des Kriegs am Perisschen Golf. Handelskonflikt mit den USA belastet weiterhin.

Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • FED: Notenbank hält Leitzins auf absehbare Zeit unverändert. Erhöhung wahrscheinlicher als erneute Senkung.
  • EZB: Schwenk zur geldpolitischen Straffung eingeleitet. Bis Ende 2026 eine weitere Zinserhöhung erwartet, Einlagesatz danach für längere Zeit bei 2,50%.
  • EUR-Langfristzinsen: Aufwärtsrisiken dominieren angesichts der Inflationssorgen und der steigenden Verschuldung.

Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • Unternehmen zeigen im laufenden Jahr starke Gewinnentwicklung
  • Börsen sehen den KI-Investitionsboom zunehmend kritisch.
  • Weiter schwelender Irankrieg bleibt latenter Belastungsfaktor für die Aktienmärkte.

Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen dürfte moderat abnehmen.
  • Erratisches Agieren des US-Präsidenten untergräbt Vertrauen in den US-Dollar.
  • Flucht in den „sicheren Hafen“ dürfte nicht von Dauer sein.

Öl und Gas

Rohstoffe

  • Bloomberg Commodity Index dürfte nach Erholung zunächst wieder konsolidieren.
  • Anhaltender Konflikt zwischen USA und Iran hält Ölpreise auf hohem Niveau. Bei Öffnung der Straße von Hormus dürften Ölpreise wieder deutlich nachgeben.
  • Hohe Energiepreise und anhaltende Inflationssorgen bremsen Erholung beim Goldpreis.

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