31.07.2026
Die Fed hält die Füße still
Drei der zwölf Mitglieder votierten für eine Zinsanhebung. Die Differenzen innerhalb des Gremiums über den angemessenen geldpolitischen Kurs nehmen merklich zu.
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Konjunktur
Die Laune innerhalb der Unternehmen in Deutschland verbesserte sich im Juli abermals leicht. Das ifo-Geschäftsklima stieg den dritten Monat in Folge auf 86,6 Punkte. Es lag damit um 2,1 Zähler über dem jüngsten Tiefstand vom April, blieb jedoch noch um fast 2 Punkte unter dem Februar- Niveau von vor dem Irankrieg. Die kräftige Aufhellung der Erwartungen von 84,1 auf 86,7 Punkte überkompensierte die leichte Eintrübung der Lageeinschätzung. So entwickelten sich auch die Teilindikatoren für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor. Im Handel und dem Bauhauptgewerbe gingen sowohl die Erwartungen als auch die Lagebeurteilung nach oben. Darüber hinaus wuchs das deutsche BIP im zweiten Quartal zum Vorquartal um 0,2 %. Zudem wurden die Ergebnisse der Vorquartale revidiert. Im ersten Quartal 2026 wuchs das BIP um 0,4 %, zuvor waren es +0,3 %. Die Zahlen sind besser als gedacht, vor allem getrieben durch die Auslandsnachfrage.
Zinsumfeld
Die US-Notenbank hat beschlossen, ihr Tagesgeldzielband unverändert bei 3,50 % - 3,75 % zu belassen, und zwar zum nunmehr fünften Mal in Folge. Der Offenmarktausschuss war in seinem Votum gespalten: Drei der zwölf Mitglieder votierten für eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte. Die Differenzen innerhalb des Gremiums über den angemessenen geldpolitischen Kurs nehmen merklich zu. Schon im Juni hatten einige Notenbanker gute Gründe für eine straffere Geldpolitik gesehen. Diese Gruppe hat ihre abweichende Meinung deutlich stärker zum Ausdruck gebracht. Die Mehrheit stützt sich demgegenüber auf die jüngsten Inflationsdaten, welche noch keine Zweitrundeneffekte in Folge des Energiepreisschocks erkennen lassen. Stattdessen zeigte der unterliegende Preistrend eher desinflationäre Tendenzen. Die kommenden Inflationsdaten stellen diese günstige Preisentwicklung erneut auf den Prüfstand. Bliebe eine Entspannung der Lage im Nahen Osten in den kommenden Wochen aus, dann stünde die zunehmend knappe Mehrheit im FOMC zugunsten unveränderter Leitzinsen auf der Kippe.
Aktienmärkte
Die Quartalszahlen der großen KI-Titel wurden in dieser Woche gemischt aufgenommen. Selbst beste Ergebnisse können inzwischen zu markanten Abverkäufen führen. Dies mussten zuletzt schon andere KI-Größen schmerzhaft erkennen. Die Anleger scheinen Zweifel zu hegen, ob die schon dreieinhalb Jahre andauernde KI-Rally noch länger anhält. Bei Halbleitern, welche monatelang im Kurs explodiert waren, kam es zuletzt sogar zu massiven Kurseinbrüchen. Die auf Basis der 30-Tages-Vola gemessene Übernervosität des Chip-Index SOX im Vergleich zum S&P 500 fällt inzwischen höher aus als im Jahr 2000 als die Dotcom-Bubble platzte. Damals dauerte es mehrere Monate, bis die Turbulenzen bei Tech auf den breiten Markt überschwappten. Aktuell fällt die Volatilität im S&P 500 ebenfalls noch vergleichsweise niedrig aus. Die Anleger fragen sich daher, ob dies so bleibt, oder ob dies nur die Ruhe vor dem Sturm ist?
Der Future-Preis für ein Fass der Sorte Brent stieg zur Wochenmitte auf gut 90 USD. Das Hoch Ende März lag bei 118 USD.
Rohstoffe
Die Ölpreise sind am Mittwoch kräftig gestiegen, nachdem die Eskalation im Nahen Osten neue Zweifel an der Sicherheit zentraler Transportwege geweckt hat. Der Preis für Brentöl rückte zeitweise auf gut 90 Dollar je Fass vor, was einem Tagesplus von gut 7 % entspricht. Amerikanisches WTI notierte deutlich über 84 Dollar. Auslöser waren Berichte über neue Luftschläge und die Ankündigung Washingtons, auf einen Angriff Irans auf amerikanische Truppen in der Region zu antworten. An den Märkten richtet sich der Blick vor allem auf die Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels läuft. Schifffahrtsdaten deuten darauf hin, dass Tanker die Passage weiterhin nur zurückhaltend nutzen. Zugleich verschärfen Unsicherheiten im Roten Meer die Lage. Die Huthi-Miliz im Jemen soll erwägen, Gebühren für Handelsschiffe zu verlangen. Mehrere Staaten suchen offenbar nach Wegen, ihre Transporte zu sichern. In den Vereinigten Staaten gingen die Rohölvorräte nach Regierungsangaben deutlich stärker zurück als erwartet und erreichten den niedrigsten Stand seit mehreren Jahren. Es ist also weiterhin mit erhöhter Volatilität zu rechnen.
Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst
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