19.01.2026
Trump schwingt wegen Grönland die Zollkeule
Kapitalmärkte Daily | Die USA bekräftigen ihren Anspruch auf Grönland und Trump schwingt die Zollkeule. Die EU erwägt Gegenmaßnahmen.
Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Daily
- USA bekräftigen Anspruch auf die Insel
- Großer Bahnhof in Davos
- Schwache Vorgaben für die Börsen
Die EU erwägt Gegenmaßnahmen
Das Weiße Haus lässt nicht locker. Auf dem hochrangigen Treffen der Vertreter Dänemarks, Grönlands und der USA war die Einsetzung einer Kommission beschlossen worden, aber mit welchem Ziel? Aus Sicht der US-Regierung sollen nur noch die Modalitäten des Erwerbs ausgehandelt werden, während die dänisch-grönländische Seite dieses Ansinnen komplett ablehnt.
Am Wochenende legte der US-Präsident höchstpersönlich nach: Um den Druck zu erhöhen, sollen auf Exporte einiger europäischer Länder Strafzölle erhoben werden, zunächst 10 % ab Februar, dann 25 % ab Juni. Treffen sollen sie diejenigen Staaten, die Soldaten in den Hohen Norden entsandt haben. Damit soll ein Keil in die EU getrieben werden, um diese zu spalten. Der Außenhandel ist jedoch Unions-Angelegenheit, und am Sonntag berieten europäische Spitzenpolitiker über Gegenmaßnahmen. Zunächst käme die 2025 ausgearbeitete Liste von Gegenzöllen zum Einsatz. Diese ist nur bis zum 6. Februar ausgesetzt und träte ohne neuen Beschluss automatisch wieder in Kraft. Die zweite Stufe brächte EU-Regeln gegen wirtschaftliche Erpressung zum Einsatz und träfe dann auch US-Dienstleistungen, Stichwort: Digitalsteuer. Erste Konsequenz des Streites: Die für den 26.01. geplante Abstimmung im EU-Parlament über das mit der Trump-Regierung geschlossene Handelsabkommen wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Ende der Woche soll in Brüssel ein Krisengipfel stattfinden.
700 Milliarden USD betrage der Wert Grönlands laut früheren Schätzungen von US-Beamten, wie Medien kürzlich berichteten. Der Wert der dort nutzbaren Rohstoffe liege allerdings deutlich unter dieser Zahl.
Trump hält Hof in Davos
Am heutigen Montag beginnt das jährliche Stelldichein der Welt-Wirtschaftselite im verschneiten Davos. Das Motto ist optimistisch gewählt: „Im Geist des Dialogs“. US-Präsident Trump rückt in diesem Jahr mit einer rekordgroßen Delegation an. Neben den Grönland-Annexionsplänen stehen auch Verhandlungen mit der Ukraine auf der Agenda. Da sich Kyjiw der russischen Friedenspolitik partout nicht beugen will, hat Moskau mit einem beispiellosen Angriff auf die Energieversorgung der Ukraine nachgelegt.
Gerichtsprozesse im Fokus
Für die Börsen sind die Aussichten auf ein Wiederaufleben des Handelsstreites natürlich Gift. Dies gilt umso mehr, als die Marktstimmung laut Auswertung von Sentix eher Skepsis als Kauflust zeigt. Am Freitag hatten die Märkte konsolidiert, der S&P 500 schloss ebenso wie zuvor der DAX etwas leichter. Einen Trost gab es für Dänemark: Novo Nordisk war Top-Gewinner in Europa, nachdem ein neues Medikament zur Gewichtsreduktion ermutigende Studienergebnisse gezeigt hatte. Ansonsten bewegten Gerichtsprozesse die Kurse: Nachdem ein USGericht den Baustopp für ein Offshore-Windprojekt von Ørsted und Equinor vor der Küste von New York aufgehoben hatte, legten deren Aktien kräftig zu. Bayer kann sich Hoffnungen machen, dass der Supreme Court die Glyphosat- Klagen zentral regelt. Donald Trump will JP Morgan wegen des Entzugs von Bankdienstleistungen nach dem Sturm auf das US-Kapitol verklagen, und Elon Musk zieht gegen Open AI und Microsoft wegen entgangener Gewinnbeteiligungen vor Gericht.
Chinas Wirtschaft verliert an Tempo
Chinas Statistikamt meldete 4,5 % Wachstum im vierten Quartal und 5,0 % im Gesamtjahr. Unsere Schätzungen liegen tiefer, da wir die offiziellen Zahlen für überhöht halten. Fest steht aber, dass Chinas Wirtschaft an Schwung verliert: Der Export boomt, der Binnenkonsum hinkt hinterher. In den USA ist Feiertag, daher müssen die Anleger bis Dienstag auf die nächsten Quartalszahlen warten.
Von: Dr. Berndt Fernow, Senior Strategist
Termine der Woche
Die wichtigsten Termine, Daten & Prognosen finden Sie immer in unserem Wirtschaftskalender.
Zum WirtschaftskalenderDiese Publikation richtet sich ausschließlich an Empfänger in der EU, Schweiz und in Liechtenstein. Diese Publikation wird von der LBBW nicht an Personen in den USA vertrieben und die LBBW beabsichtigt nicht, Personen in den USA anzusprechen. Aufsichtsbehörden der LBBW: Europäische Zentralbank (EZB), Sonnemannstraße 22, 60314 Frankfurt am Main und Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Graurheindorfer Str. 108, 53117 Bonn / Marie-Curie-Str. 24- 28, 60439 Frankfurt. Diese Publikation beruht auf von uns nicht überprüfbaren, allgemein zugänglichen Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir jedoch keine Gewähr übernehmen können. Sie gibt unsere unverbindliche Auffassung über den Markt und die Produkte zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses wieder, ungeachtet etwaiger Eigenbestände in diesen Produkten. Diese Publikation ersetzt nicht die persönliche Beratung. Sie dient nur Informationszwecken und gilt nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Für weitere zeitnähere Informationen über konkrete Anlagemöglichkeiten und zum Zwecke einer individuellen Anlageberatung wenden Sie sich bitte an Ihren Anlageberater. Wir behalten uns vor, unsere hier geäußerte Meinung jederzeit und ohne Vorankündigung zu ändern. Wir behalten uns des Weiteren vor, ohne weitere Vorankündigung Aktualisierungen dieser Information nicht vorzunehmen oder völlig einzustellen. Die in dieser Ausarbeitung abgebildeten oder beschriebenen früheren Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen stellen keinen verlässlichen Indikator für die künftige Wertentwicklung dar. Die Entgegennahme von Research Dienstleistungen durch ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen kann aufsichtsrechtlich als Zuwendung qualifiziert werden. In diesen Fällen geht die LBBW davon aus, dass die Zuwendung dazu bestimmt ist, die Qualität der jeweiligen Dienstleistung für den Kunden des Zuwendungsempfängers zu verbessern.