31.07.2026

Stimmung ist schlechter als die Lage

Kapitalmärkte Daily | Das Statistische Bundesamt meldete gestern, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland im zweiten Quartal 2026 zulegte.

Ein Container, der von einem Krahn angehoben wird
Ein Container, der von einem Krahn angehoben wird

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  • Deutsche Wirtschaft wächst im 2. Quartal
  • BoE sorgt sich um Zweitrundeneffekte
  • US-BIP enttäuscht nur vordergründig

Verhaltene Erholung in Deutschland

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden meldete gestern, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland im zweiten Quartal 2026 mit einer Rate von 0,2 % gegenüber dem Vorquartal zulegte. Die entsprechende Wachstumsrate für das erste Quartal wurde von 0,3 % auf 0,4 % nach oben revidiert. Das Zahlenwerk ist einschließlich der Aufwärtsrevision für das erste Quartal besser als erwartet. Wachstumstreiber ist – einmal mehr – die Auslandsnachfrage, während die Binnenkonjunktur noch verhalten ist. Wenn es gelänge, die Investitionsbedingungen im Inland zu verbessern, wäre auch da noch mehr möglich. Alles in allem scheint die Stimmung schlechter zu sein als die Lage. Die Befürchtungen hinsichtlich der Auswirkungen des Konflikts am Persischen Golf haben sich bislang als nicht stichhaltig herausgestellt. Es besteht erstmals seit längerer Zeit Grund zu vorsichtiger Zuversicht.

Ein Abweichler mehr bei der BoE

Die Bank of England (BoE) hat gestern beschlossen, ihren Leitzins bei 3,75 % zu belassen. Diese Entscheidung entsprach der einhelligen Erwartung der befragten Volkswirte. Es ist jedoch etwas überraschend, dass diesmal drei der neun Mitglieder des Geldpolitischen Rates für eine Anhebung des Leitzinses votierten. Die Abweichler begründen ihre Voten mit der Sorge vor Zweitrundeneffekten der jüngsten Energiepreisanstiege, auch wenn davon bislang nichts zu sehen war. Aber angesichts der mittlerweilemehrere Jahre anhaltenden Abweichung der Inflation vom BoE-Zielwert sei eine restriktivere Geldpolitik angemessen. Nach unserer Prognose wird die Bank of England im weiteren Jahresverlauf eine Leitzinsanhebung um einen Viertelprozentpunkt beschließen, auch wenn wir die Notwendigkeit dafür bezweifeln.

US-BIP enttäuscht nur vordergründig

Das Wachstum der US-Wirtschaft blieb im zweiten Quartal 2026 mit einer Jahresrate von 1,5 % zwar sowohl hinter den allgemeinen Erwartungen als auch hinter dem im ersten Quartal 2026 verzeichneten Wachstum zurück. Daraus ist jedoch nicht der Schluß zu ziehen, dass sich die US-Konjunktur abkühlt.

Die private Inlandsnachfrage ohne Lager – eine Art Kern BIP – legte im zweiten Quartal 2026 mit einer Jahresrate von 3,9 % gegenüber dem Vorquartal zu.

3.9

%

USA: Kern-BIP

Die private Inlandsnachfrage ohne Lager – eine Art Kern-BIP – legte im zweiten Quartal mit einer Jahresrate von knapp 4 % zu. Dies zeigt, dass die unterliegende Konjunkturdynamik robust ist. Somit steht die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten einer etwaigen Leitzinsanhebung durch die US-Notenbank nicht entgegen. Ob eine Leitzinsanhebung angesichts bislang ausbleiben der Zweitrundeneffekte bei der Inflation nötig ist, steht dabei auf einem anderen Blatt.

Von: Dirk Chlench, Senior Economist

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