20.03.2026
EZB spannt die Muskeln an
Kapitalmärkte Daily | EZB-Projektionen für 2026: viel mehr Inflation, weniger Wachstum. Die Schlüssel für diese beunruhigenden Szenarien sind die Energiepreise.
Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Daily
- Leitzinsen unverändert
- EZB-Projektionen für 2026: viel mehr Inflation, weniger Wachstum
- Märkte von Energiepreisen geschockt
EZB-Angst vor Inflationswelle
Erwartungsgemäß hat die EZB auf ihrer gestrigen Ratssitzung keine Änderung der Leitzinsen geschlossen. Allerdings kann man kaum sagen, dass die Zentralbank untätig gewesen wäre. Kräftig hingelangt haben beispielweise die Ökonomen der EZB mit ihren neuen Projektionen zu Inflation und BIP-Wachstum. Gleich um 0,7 Prozentpunkte wurde die Projektion für die Inflation angehoben. Statt 1,9 %, wie noch im Dezember, werden jetzt 2,6 % ausgerufen.
Aber das ist noch nicht alles. Gleichzeitig stellte die EZB zwei weitere Szenarien vor: ein adverses Szenario und ein strenges Szenario („severe“). In diesen Szenarien drohen gar 3,5% bzw. 4,4 % Inflation. Im kommenden Jahr käme es im strengen Szenario sogar noch heftiger: 4,8 % wären laut EZB zu erwarten. Die Schlüssel für diese beunruhigenden Szenarien sind die Energiepreise. Im Baseline-Szenario geht es für den Ölpreis auf 81 USD je Fass aufwärts. Im adversen Szenario stehen 119 USD je Fass auf der Kurstafel - das ist kurz vor dem Ist-Stand. Im strengen Szenario sind gar 145 USD je Fass zu erwarten; selbst das ist aus heutiger Sicht keine Utopie. Die Gaspreise werden in den Negativszenarien des EZB ähnlich kräftig nach oben geschraubt.
Lehren aus dem Ukraine-Krieg
Niemand weiß, ob es so kommt. Auch die EZB nicht. In den Kommentaren hierzu überwog indes die Einschätzung, die auch wir teilen, dass der EZB noch die Lehren aus den Jahren 2022 und 2023 in den Knochen steckt. Damals zögerte die Notenbank lange, bevor sie den Hebel ihrer Geldpolitik umlegte. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung war nach dem Ende der Corona-Pandemie und bei Ausbruch des Ukraine-Kriegs ähnlich groß wie heute.
Sirenengesänge lockerer Geldpolitik
Die EZB-Spitze um Präsidentin Christine Lagarde bemühte sich deshalb auch seit Beginn der Preisexplosion, die Marktöffentlichkeit von der Ernsthaftigkeit ihrer Anti-Inflationshaltung zu überzeugen. Die Markterwartungen für die Leitzinsen haben jüngst deutlich angezogen. Dagegen hielt sich der Anstieg der Erwartungen für die mittel- bis langfristigen Inflation in Grenzen. Allerdings ist der Job der EZB damit noch nicht getan. Kritisch wird es, wenn die Inflation wirklich längere Zeit hoch bliebe. Schon im März könnte sie über 3% liegen. Eskaliert die Lage am Golf könnten die Negativszenarien der EZB eintreten. Drehund Angelpunkt sind die Straße von Hormus, die Öl- und Gasfelder sowie die Lager- und Verladeeinrichtungen. Schon jetzt lastet die Energiepreisexplosion auf den Perspektiven der Realwirtschaft. Der Ruf nach lockerer Geldpolitik wird in solchen Phasen erfahrungsgemäß lauter. Nicht jeder Notenbanker ist auf diesem Ohr taub.
Der Datenkalender ist heute dünn besät. Die deutschen Erzeugerpreise werden für Februar gemeldet. Auch da sind die Ölpreise schon gestiegen, aber gemessen an der aktuellen Entwicklung war das noch die Stille vor dem Schuss. Der Blick der Marktteilnehmer geht zu den Kurscharts für Öl und Gas.
Von: Dr. Jens-Oliver Niklasch, Senior Economist
Termine der Woche
Die wichtigsten Termine, Daten & Prognosen finden Sie immer in unserem Wirtschaftskalender.
Zum WirtschaftskalenderDiese Publikation richtet sich ausschließlich an Empfänger in der EU, Schweiz und in Liechtenstein. Diese Publikation wird von der LBBW nicht an Personen in den USA vertrieben und die LBBW beabsichtigt nicht, Personen in den USA anzusprechen. Aufsichtsbehörden der LBBW: Europäische Zentralbank (EZB), Sonnemannstraße 22, 60314 Frankfurt am Main und Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Graurheindorfer Str. 108, 53117 Bonn / Marie-Curie-Str. 24- 28, 60439 Frankfurt. Diese Publikation beruht auf von uns nicht überprüfbaren, allgemein zugänglichen Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir jedoch keine Gewähr übernehmen können. Sie gibt unsere unverbindliche Auffassung über den Markt und die Produkte zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses wieder, ungeachtet etwaiger Eigenbestände in diesen Produkten. Diese Publikation ersetzt nicht die persönliche Beratung. Sie dient nur Informationszwecken und gilt nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Für weitere zeitnähere Informationen über konkrete Anlagemöglichkeiten und zum Zwecke einer individuellen Anlageberatung wenden Sie sich bitte an Ihren Anlageberater. Wir behalten uns vor, unsere hier geäußerte Meinung jederzeit und ohne Vorankündigung zu ändern. Wir behalten uns des Weiteren vor, ohne weitere Vorankündigung Aktualisierungen dieser Information nicht vorzunehmen oder völlig einzustellen. Die in dieser Ausarbeitung abgebildeten oder beschriebenen früheren Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen stellen keinen verlässlichen Indikator für die künftige Wertentwicklung dar. Die Entgegennahme von Research Dienstleistungen durch ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen kann aufsichtsrechtlich als Zuwendung qualifiziert werden. In diesen Fällen geht die LBBW davon aus, dass die Zuwendung dazu bestimmt ist, die Qualität der jeweiligen Dienstleistung für den Kunden des Zuwendungsempfängers zu verbessern.