03.08.2026
Gemeinsame Devisenmarktinterventionen von BoJ und US-Fed
Einschätzung | Nach Interventionen der BoJ zugunsten des Yen in den vergangenen Tagen und Monaten hat diese gemeinsamen mit der US Fed am Devisenmarkt eingegriffen.
Nach einigen Interventionen der BoJ zugunsten des Yen in den vergangenen Tagen und Monaten hat diese nun gemeinsamen mit der US Fed am Devisenmarkt eingegriffen, um den schwachen Yen zu stützen. USDJPY fiel im Zuge dessen auf zuletzt 156, EURJPY auf rund 180. Die Aktion war insofern deutlich erfolgreicher als die vorherigen Eingriffe der BoJ ohne Unterstützung der US-Fed. Diese hatten USDJPY nur kurzzeitig auf rund 160 zu senken vermocht. Offenbar sind zahlreiche Akteure am Devisenmarkt nun „auf den Zug aufgesprungen“ und haben so die Bewegung verstärkt. Denn insgesamt wurden ersten Schätzungen zufolge aktuell „nur“ rund 8,45 Bio. Yen oder rund 50 Mrd. USD zur Stützung des Yen eingesetzt – deutlich weniger, als die BoJ zuletzt alleine auf den Markt geworfen hatte (Mai: 74 Mrd. USD aus ihren Devisenreserven).
Solche gemeinsamen Aktionen von Notenbanken haben eher Seltenheitswert. 2011 intervenierten einige G7-Staaten gemeinsam am Devisenmarkt, um den Yen nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe von Fukushima zu stützen. Zuvor gab es in den 1990er Jahren gemeinsame Interventionen von BoJ und US Fed. US-Präsident Trump bestätigte die Schützenhilfe der USA und US-Finanzminister Scott Bessent erklärte, die Bemühungen der BoJ weiter unterstützen zu wollen.
Generell liegt das Interesse der USA an einem stärkeren Yen darin, das Handelsdefizit der USA mit Japan zu senken. Berichten der Financial Times zufolge verkaufte die US-Fed aber nicht USD gegen Yen, sondern Euro aus ihren Devisenreserven gegen Yen. Dies offenbar, um den USD nicht gegenüber dem Euro zu schwächen. Die USA möchten wohl vermeiden, die Importpreise durch eine Abwertung des USD zum Euro zu erhöhen. Dass man gleichzeitig den USD gegenüber dem Euro nicht schwächer sehen möchte, obwohl die USA auch mit dem Euroraum ein Handelsdefizit aufweisen, deutet auf ernstzunehmende Sorgen in den USA mit Blick auf die eigene Inflationsrate hin. Ein zum Euro schwächerer USD würde die US-Importpreise weiter erhöhen – was allerdings auch passieren würde, wenn der Yen zum USD nun dauerhaft deutlich fester tendieren sollte.
Die gesamte „Handelsstrategie“ der USA (hohe Zölle zum Abbau des Handelsdefizits aber Vermeidung höherer Importpreise, Ambivalenz was den Außenwert des USD und die Rolle des USD als Welt-Reservewährung betrifft, …) wirkt also in sich ziemlich widersprüchlich und „unausgegoren“.
Unsere zusammenfassende Einschätzung:
Dass die USA tatsächlich dauerhaft an der Seite Japans stehen werden, wenn es um Stützungsmaßnahmen für den Yen geht, darf bezweifelt werden. Zu ambivalent sind derzeit die Interessen der USA und zu wankelmütig sind auch die Akteure in den USA. Das Bekenntnis zu weiteren Interventionen war notwendig, um Marktteilnehmer auf die Seite der „Yen-Bullen“ wechseln zu lassen, ist u.E. mit Blick auf die Wahl des Euro als Interventionswährung aber nicht allzu glaubwürdig. Zum Yen soll der USD schwächer tendieren, zum Euro aber nicht abwerten – so richtig passt das alles nicht zusammen. Wie lange die USA bei dieser Strategie bleiben werden, muss man sehen. Die Wirkung der Interventionen am Devisenmarkt dürfte wohl bald nachlassen und dann wieder korrigiert werden, wenn keine weiteren entschlossenen Maßnahmen folgen.
Dass die BoJ die US Fed gebeten hat, gemeinsam mit ihr am Devisenmarkt zugunsten des Yen zu intervenieren, zeigt aber, wie besorgt die japanische Notenbank um die Yen-Schwäche und deren mögliche Auswirkungen auf die Importpreise und damit auch die Konsumentenpreise in Japan ist. Da FX-Interventionen in der Regel keine dauerhafte Trendwende an den Devisenmärkten bewirken, wird die BoJ um Maßnahmen zu einer nachhaltigeren Stärkung des Yen kaum herumkommen. Denn auch die Unterstützung der US Fed ändert nicht die Rahmendaten, die zur Yen-Schwäche führten. In Verbindung mit der Erwartung der BoJ, dass die Konsumentenpreise bis 2027 deutlich über dem Zielwert von 2 % liegen werden, rechnen wir daher nach wie vor mit einer Zinserhöhung im Herbst. Und das dürfte wohl noch nicht das Ende des Zinserhöhungszyklus in Japan sein. Die Bereitschaft der US Fed, bei der Yen-Stützung zu helfen, erhöht nun zusätzlich den Druck auf die BoJ, mehr für den Yen zu tun. Eine Zinserhöhung im Herbst und eventuelle weitere Zinsschritte 2027 werden damit umso wahrscheinlicher.
Von: Matthias Krieger, LBBW Research