05.10.2026
Was uns bewegt – Kunst als Spiegel der Zeit
Historische Werke des Hölzel-Kreises treffen auf aktuelle Positionen zu Identität, Umwelt, Digitalisierung und gesellschaftlichem Wandel.
Mit Werken von:
- Yalda Afsah
- Robert Elfgen
- Andreas Greiner
- Adolf Hölzel
- Ida Kerkovius
- Jody Korbach
- Jonas Roßmeißl
- Mona Schulzek
- Noemi Strittmatter
- Sophia Süßmilch
- Julius von Bismarck
- Ivana de Vivanco
- Felix Wagner
- und andere
Kuratiert von Barbara Thomann, Kuratorin der Sammlung LBBW
Was unsere Gegenwart ausmacht, lässt sich nur selten unmittelbar in Worte fassen. Oft sind es Künstlerinnen und Künstler, die gesellschaftliche Stimmungen, Umbrüche und Erfahrungen früh sichtbar machen – Kunst wird so zum Spiegel jener Fragen, die unsere Zeit prägen, mal klar und direkt, mal verschleiert, gebrochen oder irritierend. Eine Auswahl solcher Werke zeigt die Sonderschau „Was uns bewegt“ auf der 59. ART COLOGNE.
Die Sammlung LBBW nimmt ihren kunsthistorischen Ausgangspunkt im Stuttgarter Hölzel-Kreis. Mit Werken von Adolf Hölzel und Ida Kerkovius, die den Aufbruch der Moderne in Deutschland maßgeblich prägten, beginnt in den 1970er-Jahren das sammlerische Engagement der heutigen LBBW. Die hier gezeigten Arbeiten von Hölzel und Kerkovius spiegeln die Zeit ihrer Entstehung wider und bilden zugleich den Ausgangspunkt für den Dialog mit der Gegenwart: Sie machen sichtbar, was sich verändert hat und was bis heute nachwirkt.
Alle weiteren gezeigten Werke sind Neuzugänge der letzten zwei Jahre. Sie spiegeln – ein halbes Jahrhundert nach den Anfängen der Sammlung LBBW – eine Gegenwart, in der zentrale gesellschaftliche Fragen mit neuer Dringlichkeit auftreten. Die Sonderschau „Was uns bewegt“ versammelt aktuelle künstlerische Positionen, die zentrale Themen unserer Zeit ausloten und zugleich die seit 2018 festgelegten sieben Schwerpunkte der Sammlung LBBW sichtbar machen: Identität und kulturelles Gedächtnis, Ökonomisierung, Digitalisierung, die Macht der Sprache, Ästhetisierung des Alltags, Bildaneignungsstrategien sowie Umwelt und Nachhaltigkeit.
Getränkemarken bilden das Ausgangsmaterial für Jody Korbachs Arbeit „Aus unseren Feuern“, mit der sie Erinnerungskultur und die Macht medialer Bilder hinterfragt – als Spiegel kollektiver Vorstellungen und politischer Narrative. Mona Schulzek verbindet Kunst und Astronomie zu einer kosmischen Bildsprache zwischen irdischem und außerirdischem Raum, in der der Blick in den Himmel zugleich zum Blick auf uns selbst wird. Yalda Afsahs Videoarbeit „Jarramplas“ untersucht die soziale Wirkmacht von Ritualen und die darin verhandelten Rollen von Männlichkeit, Zugehörigkeit und Macht. Julius von Bismarcks „Philodendron bipinnatifidum“ wiederum thematisiert Naturbilder, Aneignung und kolonial geprägte Vorstellungen von Exotik. Im Spannungsfeld von Umwelt und Nachhaltigkeit hält er mit dieser Arbeit unserem Bild von „Natur“ einen kritischen Spiegel entgegen.
Im Zusammenspiel laden diese und weitere Arbeiten dazu ein, die eigene Gegenwart zu reflektieren – mit ihren Brüchen, Überlagerungen und blinden Flecken. Die Sammlung LBBW steht dabei für das kulturelle Engagement der Bank und ihr Bekenntnis zu gesellschaftlicher Verantwortung. Die Sonderschau „Was uns bewegt“ zeigt in einem konzentrierten Ausschnitt ausgewählte Themen, die unsere Zeit und damit auch die Sammlung LBBW bewegen.
Die Sammlung LBBW
Mit mehr als 3.000 Werken besitzt die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) eine der großen deutschen Unternehmenssammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst. Die Sammlung LBBW blickt auf eine über 50-jährige Geschichte zurück und vereint national wie international bekannte künstlerische Positionen.
Gegründet wurde die Sammlung 1971 mit dem Ziel, Kunst zu fördern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bank Aspekte des aktuellen Kunstgeschehens im unmittelbaren Arbeitsumfeld erlebbar zu machen. Den Ausgangspunkt bildete der Stuttgarter Hölzel-Kreis um Adolf Hölzel, Oskar Schlemmer, Ida Kerkovius und Willi Baumeister. Ausgehend von den prägenden Positionen des deutschen Südwestens wurde die Sammlung seit den 1990er Jahren zunehmend um zeitgenössische deutsche sowie auch internationale Positionen erweitert.
Heute sammelt die LBBW unter dem Leitgedanken „Collecting Contemporary“ herausragende Werke, die am Produktionsstandort Deutschland oder von deutschen Künstlerinnen und Künstlern innerhalb der letzten Dekade entstanden sind. Intermedial offen angelegt, sind in ihr alle künstlerischen Medien vertreten – von Malerei, Zeichnung und Fotografie bis hin zu Skulptur, Medienkunst und raumgreifenden Installation.
Um Werke der Sammlung auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, nutzt die LBBW unterschiedliche Präsentations- und Vermittlungsformate. Dazu zählen thematisch konzipierte Messeauftritte, Kooperationen mit Partnerinstitutionen, ein internationaler Leihverkehr sowie eigene Ausstellungen. Im Januar 2027 wird eine umfassende institutionelle Präsentation der Sammlung LBBW in der Kunsthalle Mainz zu sehen sein, im Mai 2027 folgt eine Ausstellung am Hauptstandort Stuttgart im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2027. Auf diese Weise macht die Sammlung LBBW Kunst sichtbar, fördert den Austausch über aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen und eröffnet immer wieder neue Perspektiven.
Wir sehen uns auf der ART COLOGNE vom 05. - 08.11.2026, in der Halle 11.2., B 319!
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Stephan Schorn