25.06.2026
LBBW Research: Baden-Württemberg droht 2026 ein Nullwachstum
Pressemitteilung | Studie
- LBBW Research erwartet Stagnation in Baden-Württemberg, für 2027 wird ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet
- Aktienindex BWAX bleibt deutlich hinter DAX zurück
- Wohnen und Mieten rücken als gesellschaftliches Schlüsselthema in den Fokus
Die baden-württembergische Wirtschaft kommt 2026 voraussichtlich nicht vom Fleck. Das LBBW Research prognostiziert für das laufende Jahr ein reales BIP-Wachstum von 0,0 Prozent und damit eine Stagnation. Im Ranking von zwölf betrachteten Bundesländern läge Baden-Württemberg 2026 damit auf dem letzten Platz. Für 2027 erwarten die LBBW-Experten für den Südwesten eine leichte Erholung auf 0,7 Prozent.
Zwar konnte die Wirtschaft im Südwesten im ersten Quartal 2026 um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal zulegen. Der L-Bank-ifo-Geschäftsklimaindex für Baden-Württemberg, ein Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung, ging jedoch von -15 auf -17 Punkte zurück. Die Geschäftserwartungen fielen auf -23 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit Februar 2025.
Dabei bleibt die Lage der Unternehmen in Baden-Württemberg weiter angespannt. Zwar haben sich die Exporterwartungen der Industriebetriebe in den vergangenen beiden Monaten leicht verbessert. Zugleich fiel der GfK-Konjunkturklimaindex für Baden-Württemberg jedoch auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren. LBBW Research sieht darin ein Signal, dass Unsicherheit und Preissorgen die Konsumneigung der privaten Haushalte weiter dämpfen dürften.
„Baden-Württemberg steckt mitten in einer Strukturkrise. Für eine nachhaltige Erholung braucht es mehr als kurzfristige Impulse – entscheidend sind weniger Bürokratie, bessere Infrastruktur und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen“, sagt Dr. Guido Zimmermann, Senior Economist im LBBW Research.
Deutschland wächst überraschend – Tempo dürfte aber nachlassen
Die deutsche Wirtschaft ist besser in das Jahr gestartet als erwartet. Im ersten Quartal 2026 stieg das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent. Damit entwickelte sich Deutschland besser als der Euroraum. Für das zweite Quartal hält LBBW Research jedoch ein Nachlassen des Wachstumstempos für wahrscheinlich.
Für die deutsche Wirtschaft bestätigt das LBBW Research für 2026 seine Prognose von 0,3 Prozent und 0,8 Prozent für 2027.
BWAX schwächer als DAX – Skepsis der Märkte gegenüber zentralen Branchen
Auch am Aktienmarkt zeigt sich die schwächere Entwicklung des Südwestens. Der BWAX, der LBBW-Aktienindex aller börsennotierten Unternehmen aus Baden-Württemberg, entwickelte sich im bisherigen Jahresverlauf deutlich schlechter als der DAX. Von Anfang März bis Ende Mai verlor der DAX rund 2,9 Prozent und notierte seit Jahresbeginn nahezu unverändert. Der BWAX gab in den drei Frühjahrsmonaten dagegen um 6,0 Prozent nach und büßte seit Jahresbeginn 17,7 Prozent ein.
„Die Fundamentaldaten vieler Unternehmen in Baden-Württemberg müssen differenziert betrachtet werden – der Index insgesamt spiegelt aber die aktuelle Skepsis der Märkte gegenüber zentralen Branchen im Südwesten wider“, sagt Henning Oligmüller, Investmentanalyst im LBBW Research.
Wohnen und Mieten werden zum Standortthema
Die Bürgerinnen und Bürger von Baden-Württemberg sehen das Thema „Wohnen und Mieten“ als eines der drängendsten Probleme an. Neben höheren Mieten und Häuserpreisen belasten hohe Finanzierungskosten sowie steigende Baupreise. Im ersten Quartal 2026 lagen die Baupreise um 4,1 Prozent über dem Vorjahresquartal. Zugleich erreichte der durchschnittliche Wohnflächenbedarf pro Kopf im Land 2024 mit 49 Quadratmetern einen neuen Höchstwert. Die Leerstandsquote sank 2024 auf 1,0 Prozent und zählt damit zu den niedrigsten im Bundesländervergleich. Von der verschärften Entwicklung besonders betroffen sind einkommensschwächere Haushalte.
„Wohnen ist längst nicht mehr nur ein sozialpolitisches Thema, sondern auch ein Standortfaktor. Wenn Wohnraum knapp und teuer ist, erschwert das die Fachkräftegewinnung und belastet die wirtschaftliche Entwicklung“, sagt Sabrina Kremer, Senior Sustainability Analyst im LBBW Research.
Freiburg als Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung
Beispielhaft beleuchtet die Studie das Freiburger Programm „FSB 2030“. Der Freiburger Gemeinderat beschloss das Programm 2020 mit dem Ziel, bis 2030 insgesamt 2.500 neue Wohnungen zu schaffen. Im Mittelpunkt steht ein Quartierskonzept, das Sozialwohnungen, frei finanzierte Mietwohnungen, Eigentumswohnungen und Angebote für Mitarbeitende von Unternehmen verbindet.
Studie und Hinweis
Die vollständige Studie „Die Stimmung der Wirtschaft – BW Quarterly Q2/2026“ mit weiteren Grafiken, Tabellen und Detailanalysen finden Sie anbei und steht unter www.LBBW.de/Research zur Verfügung. Bitte beachten Sie den Disclaimer und wichtige Offenlegungstatbestände im Appendix der Studie.
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Kathrin Meyer
Jeannette Brakemeier