15.07.2026
Wirtschaft in China wächst schwächer als erwartet
Einschätzung | Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal nach offiziellen Zahlen um 4,3 % (y-y) gewachsen und damit schwächer als erwartet.
Unsere Einschätzung zu den heute veröffentlichten Wirtschaftszahlen zur chinesischen Wirtschaft
Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal nach offiziellen Zahlen um 4,3 % (y-y) gewachsen und damit schwächer als erwartet. Der Wert liegt auch unterhalb der für das Gesamtjahr ausgegebenen Zielspanne von 4,5 % bis 5,0 % Wachstum. Die mit Abstand kräftigste Stütze der Wirtschaft bleibt das verarbeitende Gewerbe. Starke Zuwächse in der Elektronik- und Hightech-Branche, im Maschinenbau, bei Luft- und Raumfahrtausrüstung sowie bei erneuerbaren Technologien sorgten für ein deutliches Plus von 5,4 % seit Jahresanfang. Der Energiepreisschock und die anhaltende Unsicherheit in Nahost beschleunigen zudem in vielen Ländern den Umstieg auf E-Mobilität und bescheren der chinesischen Automobilindustrie derzeit einen regelrechten Exportboom.
Und dennoch: Der starke Außenhandel und die robuste Industrieproduktion konnten die schwache Binnenwirtschaft nicht ausgleichen. Die Investitionsdynamik rutschte gegen Quartalsende weiter ab, wodurch seit Jahresanfang nun ein Minus von 5,7 % zu Buche steht. Der Rückgang war dabei breit angelegt: Die Immobilieninvestitionen gingen um 18 % zurück, die Infrastrukturinvestitionen drehten mit -2,4 % deutlich ins Negative, und jene im verarbeitenden Gewerbe sanken um 1,2 %. Damit schrumpft Chinas Kapitalstock derzeit im Prinzip. Größter Bremsklotz bleibt der Immobiliensektor, der sowohl Investitionen als auch Verbrauchervertrauen belastet. Aber auch der Iran-Krieg drückte zuletzt auf die Konsumausgaben und führte zu Produktionskürzungen in traditionellen Sektoren.
Die Zahlen verdeutlichen erneut die Herausforderung, der sich die Politik im Moment gegenübersieht. Die Altlasten der Vergangenheit, geopolitische Unsicherheiten, und ein Wachstum, das kaum langfristige Beschäftigungsverhältnisse hervorbringt, belasten die Wirtschaft erheblich. Während die wohl auch über November hinaus fortdauernde handelspolitische Entspannung mit den USA sowie perspektivisch eine Beruhigung der Lage in Nahost für Stabilisierung sorgen dürften, können zusätzliche Wachstumsimpulse nur noch von innen kommen.
Von: Sandro Pannagl, Senior Strategy Research Analyst