03.07.2026
Stimmung in EU-Wirtschaft hellt sich auf
Die Stimmung in der europäischen Wirtschaft hat sich im Juni spürbar verbessert. Der Preisauftrieb im Euroraum hat sich im Juni abgeschwächt.
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Konjunktur
Die Stimmung in der europäischen Wirtschaft hat sich im Juni spürbar verbessert. Der von der EU-Kommission ermittelte Economic Sentiment Indicator (ESI) legte um 1,3 Punkte zu, nachdem er im Mai nur um 0,3 Punkte gestiegen war. Damit erreichte der Indikator 95,1 Punkte in der EU und 95,0 Punkte im Euroraum. Trotz der Aufhellung liegt der ESI weiterhin klar unter seinem langfristigen Durchschnitt von 100 Punkten. Dies gilt auch für Deutschland, wo sich der Indikator in den vergangenen zwei Monaten verbesserte, sowie für Frankreich, wo er im Juni sank. In Spanien legte der ESI im überdurchschnittlichen Bereich zu, in den Niederlanden überschritt er die Marke von 100 Punkten, während Polen knapp darüber blieb. Nach Wirtschaftsbereichen betrachtet hellte sich die Stimmung im Dienstleistungssektor im positiven Bereich auf. Unterhalb von 100 Punkten stieg der ESI in der Industrie leicht, im Handel stärker und beim Konsum deutlich. Rückläufig war der Indikator im Baugewerbe.
Zinsumfeld
Der Preisauftrieb im Euroraum hat sich im Juni abgeschwächt. Laut erster Schätzung sank die Inflationsrate von 3,2 % im Mai auf 2,8 % und lag damit unter der Markterwartung von 3,0 %. Auf Monatssicht verringerte sich die Teuerung von 0,3 % auf 0,2 %. Für die Europäische Zentralbank ist vor allem der stärker als erwartete Rückgang der Kerninflation von 2,6 % auf 2,4 % sowie der überraschende Rückgang der Dienstleistungsinflation von 3,5 % auf 3,2 % relevant. Die Zinserhöhung der EZB um 0,25 Prozentpunkte Mitte Juni sollte insbesondere mögliche Zweitrundeneffekte bei Kern- und Dienstleistungspreisen begrenzen. An den Terminmärkten wird eine weitere EZB-Zinserhöhung bis September nur noch mit rund 65 % Wahrscheinlichkeit eingepreist. Dennoch könnte es verfrüht sein, bereits von einem nachhaltigen Rückgang der Inflation auszugehen. Da in den kommenden Monaten temporäre Entlastungsmaßnahmen auslaufen, darunter der Tankrabatt in Deutschland bereits zum 1.7.26, könnten die Inflationsraten wieder anziehen.
Aktienmärkte
Die Aktionäre blicken auf das beste Quartal der jüngeren Historie zurück: Insbesondere technologielastige Indizes machten Riesensprünge. Gewisse Zeichen der Überhitzung sind dabei unverkennbar. Die Gewinndynamik fällt zwar so hoch aus wie selten zuvor. Parallel hierzu stiegen aber auch die Erwartungen an das künftige Wachstum, was Enttäuschungspotenzial birgt. Bei den Techs ließen sich zuletzt in immer kürzeren Abständen immer massivere Kursausschläge nach oben wie nach unten beobachten. Die Nervosität unter den Anleger stieg sukzessive, was sich in einer höheren Volatilität äußert. Dessen ungeachtet scheinen diese inzwischen nach allem zu suchen, was Tech und noch zurückgeblieben ist, und holen hierbei sogar alte Helden der Dotcom-Zeit aus der Mottenkiste, welche sie mehr als einem Vierteljahrhundert ignorierten. Nun steht allerdings die unter saisonalen Aspekten typischerweise schwächste Phase des Jahres bevor.
Wir erwarten, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar bis Ende 2026 auf 1,18 US-Dollar steigt.
Devisen
Die Nettozinszahlungen des US-Zentralstaates liegen inzwischen über den Verteidigungsausgaben. Der Großmachtstatus der USA und damit auch die Rolle des US-Dollar als Weltleitwährung werden damit zunehmend infrage gestellt. Hinzu kommt die tiefe gesellschaftliche Spaltung, die eine fiskalische Kurskorrektur politisch erheblich erschwert. Der Anteil des US-Dollar an den weltweiten Reserven ist bereits gesunken. Davon profitierten jedoch nicht andere große Währungen wie Euro oder Yen, sondern vor allem Gold. Als dominierende Welthandelswährung bleibt der US-Dollar dennoch unangetastet, da es an Alternativen fehlt. In Krisenzeiten bleibt der Dollar daher ein „sicherer Hafen“, wie zuletzt nach Ausbruch des Irankrieges. Die Beruhigung an der Straße von Hormus hat für deutlich niedrigere Ölpreise und nachlassende Inflationssorgen gesorgt. Wir rechnen daher nur noch mit einer Zinserhöhung durch die EZB im September 2026 bei unveränderten Fed-Zinsen. Das Aufwärtspotenzial für den Euro wird damit etwas kleiner. Wir prognostizieren für den Euro per Ende 2026 deshalb nur noch einen Stand von 1,18 US-Dollar. Die geringere Dollarabwertung dürfte auch Folgen für den Goldpreis haben. Wir reduzieren unsere Prognose daher auf 4.400 USD (Ende 2026) und 4.600 USD (Mitte 2027).
Von: Martin Siegert, CMT Head of Technical Market Research
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