17.07.2026

Steigende Renditen im Vorfeld der EZB-Sitzung

Am Euro-Staatsanleihemarkt hat der neuerliche Anstieg der Rohstoffpreise derweil die Spekulation auf mehrere weitere Zinserhöhungsschritte der EZB erhöht.

Das Euro-Zeichen als Skulptur
Das Euro-Zeichen als Skulptur

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Konjunktur

Die Konjunkturerwartungen von Anlegern für Deutschland haben sich im Juli deutlich aufgehellt. Der vom Analyseunternehmen sentix erhobene Konjunkturindex stieg auf minus 19,4 Punkte (letzter Wert im Juni: minus 28,5). Dies entspricht dem höchsten Niveau seit März. Der Index der Lagebeurteilung erhöhte sich auf minus 39,8 Zähler (zuvor: minus 42,5) und der Index der Erwartungen auf plus 3,5 Punkte (Vormonat: minus 13,3). Dieser Subindex notiert damit erstmals seit März wieder im positiven Bereich. Der sentix-Geschäftsführer Patrick Hussy kommentierte, dass die nun verkündeten Reformen den Anlegern anscheinend Mut machten, da sich hierzulande die Konjunktur aufhellen könne. Das Barometer für den Euroraum erhöhte sich im Juli auf minus 3,1 Zähler (letzter Wert: minus 13,4), wobei die Lagebeurteilung auf minus 14,8 Punkte (zuvor: minus 20,0) anzog. Der Erwartungsindex stieg auf plus 9,3 Zähler (Vormonat: minus 6,5).

Zinsumfeld

Am Euro-Staatsanleihemarkt hat der neuerliche Anstieg der Rohstoffpreise derweil die Spekulation auf mehrere weitere Zinserhöhungsschritte der EZB erhöht. Im Vorfeld der nächsten EZB-Ratssitzung am 23. Juli ist der Marktkonsens fast vollständig überzeugt davon, dass bis zur September-Sitzung der insgesamt zweite Straffungsschritt kommt. Per Jahresende 2026 geht die Tendenz verstärkt zu einer dritten Zinserhöhung. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen kletterte im Sog dieser Spekulationen in der Spitze bis auf 3,15 % und näherte sich damit bis auf wenige Basispunkte dem Jahreshoch vom Mai an. Dies erfordert unseres Erachtens eine steigende Wachsamkeit der Anleger vor der Gefahr weiterer Kursverluste, denn ein Bruch dieses wichtigen Renditewiderstands könnte einen heftigen neuen Ausverkaufsschub auslösen. Da die Erwartungen der Marktteilnehmer inzwischen jedoch, gemessen an unserer EZB-Prognose, über das Ziel hinausgeschossen sind, eröffnet sich zugleich Potenzial für eine Kurserholung. Zumindest wächst die Chance auf eine Bodenbildung.

Aktienmärkte

ASML, führender Hersteller von Maschinen zur Chipproduktion, brillierte genauso mit seinen Zahlen und einem kräftig angehobenen Ausblick wie der größte Chip-Auftragsfertiger TSMC. Wie schon kurz zuvor bei Samsung nahmen die Anleger die starken Zahlen jedoch zum Anlass, Halbleiterwerte abzustoßen. Deren Kurse waren in den Monaten zuvor um mehrere hundert Prozent gestiegen. Zuletzt glich ihre Kursentwicklung jedoch einer Achterbahnfahrt – Kurssprünge und -einbrüche gegenüber dem Vortag im zweistelligen Prozentbereich waren an der Tagesordnung. Wo Budget für KI verbraucht wird, fehlt es anderswo. Dies bekam „Big Blue“ zu spüren. Mit dem stärksten Kurseinbruch seiner 110-jährigen Börsengeschichte mutierte IBM zu „Big Blues“. Gute Nachrichten kamen indes von den US-Banken, welche der „earnings season“ einen glänzenden Start bescherten. Entscheidend wird jedoch sein, wie die Anleger auf die Zahlen der großen Technologiewerte reagieren.

Seit Jahresbeginn hat sich der Gas-Terminkurs fast verdoppelt und um 93 % zugelegt. Bei Brent-Öl sind es derzeit etwa +40 %.

+93 %

Gas-Terminkurs

Rohstoffe

Am europäischen Erdgasmarkt nehmen die Risiken weiter zu. Kurzfristig verfügbares Gas wird an der niederländischen TTF-Börse derzeit mit rund 55 EUR je MWh gehandelt, ein Plus von 93 % seit Jahresbeginn. Die Sorgen gelten weiterhin der Straße von Hormus. Durch diese Meerenge wurde vor der jüngsten Eskalation im Nahen Osten etwa ein Fünftel des weltweiten Handels mit verflüssigtem Erdgas abgewickelt. Jede weitere Störung könnte die ohnehin angespannte Versorgungslage spürbar verschärfen und über längere Zeit belasten. Zusätzlichen Druck erzeugt der Ausfall im katarischen Ras-Laffan-Komplex. Nach dem Angriff auf einen Tanker wurde die Wiederaufnahme der Produktion vorerst verschoben. Damit wächst das Risiko, dass Europa und Asien vor Beginn der Heizperiode intensiver um knapper werdende LNG-Ladungen konkurrieren. Erschwerend kommen die vergleichsweise niedrigen Speicherstände hinzu. In Deutschland sind sie derzeit nur zu 45 % gefüllt und liegen damit deutlich unter dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021. Die Kombination aus geopolitischen Unsicherheiten, möglichen Lieferunterbrechungen und nur halbvollen Speichern spricht dafür, dass die Risikoaufschläge am Erdgasmarkt vorerst erhöht bleiben.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: BIP dürfte 2026 mäßig zulegen. Staatsausgaben stimulieren Nachfrage. Die privaten Investitionen bleiben aber noch zurückhaltend.
  • Anhaltende Inflations- und Konjunkturrisiken durch den Ölpreisanstieg im Kielwasser des Krieges am Persischen Golf. Handelskonflikt mit den USA belastet weiterhin.

Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • Fed: Notenbanker halten Leitzins auf absehbare Zeit unverändert. Erhöhung wahrscheinlicher als erneute Senkung.
  • EZB: Schwenk zur geldpolitischen Straffung eingeleitet. Bis Ende 2026 eine weitere Zinserhöhung erwartet, Einlagesatz danach für längere Zeit bei 2,50 %.
  • EUR-Langfristzinsen: Aufwärtsrisiken dominieren angesichts vorhandener Inflationssorgen und der steigenden Verschuldung.

Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • Börsen haben das Ende des Irankriegs antizipiert, Anleger setzen auf anhaltenden KI-Boom.
  • Hausse hat das gesamte KI-Ökosystem erfasst, Gefahr der Überspekulation nimmt zu.
  • Steigende Zinsen dürften den Investitionsboom bremsen.

Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen dürfte moderat abnehmen.
  • Erratisches Agieren des US-Präsidenten untergräbt Vertrauen in den US-Dollar.
  • Flucht in den „sicheren Hafen“ dürfte nicht von Dauer sein.

Öl und Gas

Rohstoffe

  • Bloomberg Commodity Index nach Konsolidierung wieder mit Potenzial nach oben.
  • Nachlassende Inflationssorgen sollten Sentiment bei Gold wieder verbessern.
  • Normalisierung des Öltransports durch die Straße von Hormus dürfte in Q4/26 für Angebotsüberschuss sorgen. Kaum Aufwärtspotenzial bei Brent.

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