30.10.2026

Leitzinsen: Fed und EZB im Wartemodus

Die Fed lässt ihren Leitzins vorerst unverändert, könnte ihn im Dezember aber anheben. Die EZB hält den Einlagesatz bei 2,50 %. Was bedeutet das für Anleger?

Zinskurve mit mit einem Kugelschreiber überprüft
Zinskurve mit mit einem Kugelschreiber überprüft

Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Weekly

Konjunktur

Die Zuversicht unter den Unternehmen in Deutschland verstärkte sich im Oktober abermals. Das ifo-Geschäftsklima stieg den sechsten Monat in Folge, und zwar gegenüber dem Vormonat um 0,3 auf 90,2 Punkte. Es liegt seit August über dem Februar-Stand, d.h. vor dem Irankrieg (88,4 Punkte). Allerdings gingen diesmal nur die Erwartungen weiter nach oben, sie erreichten das höchste Niveau seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine. Dagegen wurde die aktuelle Lage etwas schlechter eingeschätzt als im Vormonat. Den Rückgang des Lageindex würden wir nicht überbewerten. In der Frühphase eines Aufschwungs zeigen die Erwartungen typischerweise einen Vorlauf gegenüber der Lage. Zudem liegt der Lageindikator immer noch so hoch wie zuletzt im August 2023. Für den Dienstleistungssektor stieg der Index insgesamt etwas, für den Handel stagnierte er. Im verarbeitenden Gewerbe und dem Bauhauptgewerbe verzeichneten Erwartungs- und Lageindizes Zuwächse.

Zinsumfeld

Die US-Notenbank hat diese Woche beschlossen, ihr Tagesgeldzielband unverändert bei 3,75 % - 4,00 % zu belassen. Zwei der zwölf Mitglieder des Offenmarktausschusses votierten indes dafür, auf die Zinsanhebung vom September direkt einen weiteren Schritt um 25 Basispunkte folgen zu lassen. An und für sich hätte es für die US-Notenbanker gute Gründe gegeben, ihr Tagesgeldzielband abermals nach oben zu schleusen. Möglicherweise haben sie befürchtet, sich mit einer Zinserhöhung kurz vor den US-Zwischenwahlen dem Vorwurf einer Einflussnahme auf den Wahlausgang auszusetzen. Dennoch gilt, dass aufgeschoben nicht aufgehoben bedeutet. Mit Blick auf die nächste Fed-Sitzung im Dezember dürften sich die Gewichte der Argumente pro und contra Zinsanhebung unseres Erachtens maßgeblich zur „Pro-Seite“ verschieben. Ebenso hat die EZB ihre Leitzinsen unverändert belassen. Ihr Einlagesatz verbleibt damit bei 2,50 %. Zudem kündigte EZB-Präsidentin Christine Lagarde an, ihr Amt zum 7. Februar 2027 niederzulegen. Der baldige Führungswechsel sollte unseres Erachtens nicht mit einem Politikschwenk einhergehen.

Aktienmärkte

Den am kommenden Dienstag anstehenden US-Midterm-Wahlen folgten historisch zwar zumeist zwölf gute Aktienmonate. So teuer wie nun waren US-Aktien in jenen Phasen allerdings noch nie. Und je höher die Bewertung ausfiel, desto geringer war in der Vergangenheit das Kurspotenzial. Während die Bewertung auf Basis des KGVs zu-letzt sogar sank, legte sie gemessen am Shiller-KGV weiter zu. Fällt letzteres in der relativen Betrachtung weit höher aus als ersteres, spricht dies dafür, dass die Anleger die Zukunft viel zu rosig sehen. Dies war im Rahmen der Dotcom-Bubble der Fall. Inzwischen fällt die Diskrepanz zwischen beiden Kennzahlen sogar noch weit höher aus als damals. Daher verdient besondere Beachtung, dass die Anleger im Umfeld der laufenden Q3-Berichtssaison nun wieder deutlich kritischer auf die Zahlen der KI-Giganten schauen und nervös zu werden scheinen.

Wir haben unsere Prognosen angehoben und erwarten, dass Brent zum Jahresende bei 100 USD notiert, sowie bis Ende 2027 bei 75 USD.

100

USD/ Barrel

Rohstoffe

Die Preise am Ölmarkt sind in den letzten Wochen deutlich gestiegen. Mit rund 110 USD pro Barrel notiert Brent mittlerweile wieder auf dem höchsten Stand seit fünf Monaten. Ein wesentlicher Grund für das hohe Preisniveau ist der weiterhin gestörte Schiffsverkehr in der Straße von Hormus. Seit Ausbruch des Krieges zwischen den USA und dem Iran hat die Beeinträchtigung des Öltransports zu einer Verknappung des weltweiten Ölangebots geführt. Entsprechend sanken die weltweiten Öllagerbestände in den letzten Monaten um rund 2-3 Mio. Barrel pro Tag. Zuletzt scheint die Meerenge allerdings wieder durchlässiger geworden zu sein. Denn im September lag das Minus bei den Lagerbeständen nur noch bei 0,3 Mio. Barrel pro Tag. Dafür sind aber die Kosten für den Öltransport regelrecht explodiert. Diese liegen in der Regel bei rund 2 USD pro Barrel und dürften aktuell etwa 20-25 USD betragen. Wir gehen davon aus, dass der Risikozuschlag für den Öltransport sich nur peu à peu wieder reduziert und erhöhen daher unsere Preisprognose. Zum Jahresende 2026 dürfte Brent bei 100 USD pro Barrel notieren, Ende 2027 erwarten wir einen Stand von 75 USD.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Konjunktur

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: BIP ist im ersten Halbjahr solide gewachsen. Staatsausgaben und Ausfuhren stimulieren Nachfrage. Auftragsbestand nimmt zu. Private Investitionen bleiben zurückhaltend.
  • Inflations- und Konjunkturrisiken durch den Energiepreisanstieg im Kielwasser des Kriegs am Persischen Golf. Handelskonflikt mit den USA belastet weiterhin.

Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • Fed: Eine weitere Zinsanhebung bis Ende 2026, Leitzins danach für einige Zeit unverändert bei 4,25 %.
  • EZB: Zwei weitere Zinsanhebungen bis Frühjahr 2027, Einlagesatz erreicht Peak bei 3,00 %.
  • EUR-Langfristzinsen: Kurzfristig dominieren Aufwärtsrisiken angesichts wachsender Inflationssorgen und der steigenden Verschuldung, mittelfristig Aussicht auf Gegenbewegung.

Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • Unternehmen zeigen im laufenden Jahr starke Gewinnentwicklung.
  • Börsen sehen den KI-Investitionsboom zunehmend kritisch.
  • Schwelender Irankrieg und steigende Renditen wirken als latente Belastungsfaktoren für die Aktienmärkte.

Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen dürfte moderat abnehmen.
  • Der absehbare Streit um die Erhöhung der US-Schuldenobergrenze dürfte das Vertrauen in den US-Dollar schmälern, derzeit belastet jedoch die Haushaltslage in Frankreich den Eurokurs.

Öl und Gas

Rohstoffe

  • Bloomberg Commodity Index dürfte nach Allzeithoch zunächst konsolidieren.
  • Anhaltender Konflikt zwischen USA und Iran hält Ölpreise auf hohem Niveau. Bei Öffnung der Straße von Hormus dürften Ölpreise wieder deutlich nachgeben.
  • Zinserhöhungen bringen Gegenwind für Gold. Preis wird gestützt durch Käufe von Notenbanken und Gold-ETCs.

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