05.06.2026
KI-Investitionsboom treibt Basismetallpreise
Kapitalmärkte Weekly | Die Basismetallpreise zeigen sich, trotz ungelösten Nahostkonflikts und Abkühlung der Weltkonjunktur – weiterhin erstaunlich robust.
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Konjunktur
Die Stimmung in der europäischen Wirtschaft veränderte sich im Mai kaum. Der von der EU-Kommission erhobene Economic Sentiment Indicator (ESI) stieg um 0,3 Punkte auf 93,5 Zähler im Euroraum und auf 93,7 in der gesamten EU. Er hatte allerdings im April nach drei Rückgängen in Folge einen mehrjährigen Tiefstand erreicht. Zudem liegt der ESI weit unter seinem langjährigen Durchschnitt von 100. Unter den Wirtschaftssegmenten hellte sich der ESI lediglich im Dienstleistungsbereich und beim Konsum auf. Dagegen trübte er sich im Handel, der Industrie und am Bau weiter moderat ein. Unter den großen Ländern verbesserte sich der ESI leicht, aber von sehr niedrigen Niveaus aus, in Deutschland und Frankreich. In Polen stieg er genau auf den Durchschnitt. Im positiven Bereich ging der ESI in Spanien seitwärts. In der moderat unterdurchschnittlichen Region blieb er in Italien fast unverändert und sank in den Niederlanden etwas.
Zinsumfeld
Die Anleger am EUR-Staatsanleihemarkt sind seit mehreren Wochen hin- und hergerissen zwischen der Hoffnung auf eine baldige Beilegung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran und der Enttäuschung über das wiederholte Ausbleiben eines diplomatischen Durchbruchs. Der Mai war geprägt von markigen Ankündigungen des US-Präsidenten über ein Abkommen mit dem Iran zur Wiederöffnung der seit drei Monaten blockierten Straße von Hormus. Die anhaltende Unsicherheit darüber, ob bzw. wann es zu einer tragfähigen Entspannung am Golf kommt, hat jedoch in den zurückliegenden Wochen eine nachhaltigere Kurserholung vereitelt. Die EZB hat auf ihrer jüngsten Sitzung erwartungsgemäß an einer abwartenden geldpolitischen Haltung festgehalten. Die Währungshüter widersprachen allerdings nicht der unter Marktakteuren verbreiteten Erwartung, dass eine Anhebung der Leitzinsen bald bevorstehe. Die zuletzt veröffentlichten makroökonomischen Daten aus dem Euroraum stützten im Wesentlichen das Bild, wonach der „Iran-Schock“ einen Wachstumsdämpfer und zugleich eine Beschleunigung der Inflation bringt.
Aktienmärkte
Obwohl die Krise am Persischen Golf keineswegs gelöst ist, hat sich die Börsenhausse vor allem in Übersee weiter beschleunigt. Zwischen der Eintrübung des Umfeldes und steigenden Indizes besteht nur ein scheinbarer Widerspruch. Die große Mehrzahl der Aktienkurse entwickelt sich unterdurchschnittlich und reagiert damit durchaus auf die wachsenden Schwierigkeiten, mit denen viele Unternehmen konfrontiert sind. Das alles wird aber durch das Thema KI überdeckt. Dessen Sog zieht immer mehr Aktien nach oben, sofern diese direkt oder indirekt von Bau und Ausrüstung der gewaltigen Rechenzentren profitieren können oder könnten: Halbleiter und deren Produktion, Stromversorgung, Vernetzung, Spezialmaterialien... Auf uns wirkt dies wie das Schlussfeuerwerk der KI-Hausse. Der Rekord-Börsengang von SpaceX, bald gefolgt von Anthropic und OpenAI, läutet nun das große Kasse-Machen der Venture-Capital-Geber ein.
Zum 31.12 erwarten wir einen Anstieg des Kupfer-Terminkontrakts auf 14.200 USD/Tonne. Für Aluminium rechnen wir mit 4.000 USD.
Rohstoffe
Die Basismetallpreise zeigen sich, trotz ungelösten Nahostkonflikts und Abkühlung der Weltkonjunktur – weiterhin erstaunlich robust. Auf dem Aluminiummarkt dominieren die Sorgen vor anhaltenden Knappheiten aufgrund des wegfallenden Angebots aus den Golfstaaten. Zugleich belasten hohe Strompreise die Aluminiumschmelzen in weiten Teilen der Welt. In diese Gemengelage reiht sich ein historischer Investitionsboom in Rechenzentren (mehr als 700 Mrd. USD allein in diesem Jahr nur durch Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft) sowie eine durch den Energiepreisschock befeuerte Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und grünen Technologien. Dies trieb auch die Kupferpreise jüngst auf neue Höchststände. Der starke KI-Investitionszyklus scheint so schnell kein Ende zu nehmen. Die techlastige Exportindustrie in Ost- und Südostasien verzeichnet weiterhin hohe Zuwachsraten, und neue Investitionsvorhaben (zuletzt vom japanischen Konzern Softbank) heizen die Dynamik zusätzlich an. Wir heben daher sowohl für Kupfer als auch für Aluminium unsere Preisprognose über den gesamten Horizont an und erwarten bis Jahresende einen Anstieg der Dreimonatskontrakte an der LME auf 14.200 USD bzw. 4.000 USD je Tonne.
Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst
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