19.06.2026
Keine Zinsänderung der Fed
Kapitalmärkte Weekly | Die US-Notenbank hat am Mittwoch beschlossen, ihr Tagesgeldzielband zum vierten Mal in Folge unverändert bei 3,50 % - 3,75 % zu belassen.
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Konjunktur
Die ersten Friedenssignale aus dem Nahen Osten schlagen sich inzwischen auch in den Konjunkturerwartungen nieder. Laut der aktuellen ZEW-Umfrage unter 190 Investoren und Analysten blicken Finanzexperten im Juni deutlich zuversichtlicher auf die deutsche Wirtschaft. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen der kommenden sechs Monate stieg kräftig um 20,7 Punkte auf +10,5 Zähler und kehrte damit in den positiven Bereich zurück. Trotz dieser Aufhellung bleibt das wirtschaftliche Gesamtbild jedoch angespannt. Zwar verbessert die Aussicht auf ein mögliches Abkommen den Ausblick, doch liegt das Konjunkturbarometer weiterhin deutlich unter den Niveaus vom Jahresbeginn. Besonders deutlich zeigt sich die Skepsis bei der Einschätzung der aktuellen Lage: Dieser Index fiel um 3,2 Punkte auf -81 Zähler und verharrt damit tief im negativen Bereich.
Zinsumfeld
Die US-Notenbank hat am Mittwoch beschlossen, ihr Tagesgeldzielband zum vierten Mal in Folge unverändert bei 3,50 % - 3,75 % zu belassen. Gemessen an ihrer aktualisierten Leitzinsprojektion zeigten sich die Notenbanker gespalten, ob im laufenden Jahr eine Zinsanhebung nötig werden wird oder nicht. 9 von 18 abgegebenen Voten der Fed-Direktoren präferierten für das zweite Halbjahr eine Zinsanhebung, ebenso viele bevorzugen unveränderte oder sinkende Zinsen. Der Stabwechsel an der Spitze der US-Notenbank ist relativ geräuschlos vonstattengegangen. Auch unter der Führung von Donald Trumps Favorit Kevin Warsh wird die Fed dem vehementen Wunsch des Präsidenten nach tieferen Leitzinsen so bald nicht nachkommen. Zu groß ist die Gefahr, dass die Nachwirkungen des Irankriegs die Inflation für längere Zeit auf einem unangenehm hohen Niveau halten. Eine baldige Anhebung der US-Leitzinsen ist ebenso wenig ausgemacht, denn eine erhoffte Wiederöffnung der Straße von Hormus begrenzt das Risiko einer fortgesetzten Preisaufwärtsspirale. Unveränderte USD-Leitzinsen für die kommenden zwölf Monate bleiben unser Hauptszenario.
Aktienmärkte
US-Aktien haben seit Jahresbeginn trotz des Irankriegs markant zugelegt. Der Indexgewinn des S&P 500 stieg sogar noch stärker. Die Krux ist jedoch, dass dieses Gewinnwachstum zu 60 % aus dem IT-Sektor stammt. Falls die Dynamik dort schwächelt, würde dies den Gesamtmarkt deutlich belasten. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Welt-Leit-Aktienindex hoch bewertet ist. Der freie Cashflow der hoch kapitalisierten Hyperscaler befindet sich schließlich im steilen Sinkflug. Jene brauchten zuletzt zudem mehr und mehr an Fremdkapital, um die gigantischen Investitionen in KI-Rechenzentren zu stemmen. Bezogen auf Enterprise Value zu Free Cashflow stieg die Bewertung des S&P 500 seit Anfang 2023 hierdurch um 51 %. Trotzdem ist die Stimmung für Tech-Werte noch nicht gekippt, wie das SpaceX-IPO – der größte Börsengang der Geschichte – zeigte. Zur Jahrtausendwende war die Neuemissionswelle allerdings kein gutes Zeichen.
Wir senken unsere Prognose für den Brent-Ölpreis und erwarten einen Rückgang auf 70 USD je Barrel bis Mitte 2027
Devisen
Die Nettozinszahlungen des US-Zentralstaates übertreffen mittlerweile dessen Verteidigungsausgaben. Daher sehen einige Historiker den Großmachtstatus der USA und damit auch die Rolle des US-Dollar als Weltleitwährung in Gefahr. Die Stellung des US-Dollar als die dominierende Welthandelswährung ist indes ungebrochen. Daher fungiert der US-Dollar in Krisenzeiten weiterhin als „sicherer Hafen“, was sich jüngst wieder nach dem Ausbruch des Irankrieges gezeigt hat. Zwei Argumente sprechen unseres Erachtens nun für eine Euro-Erholung: Erstens gehen wir davon aus, dass die Straße von Hormus im Verlauf des Sommer wieder passierbar sein wird und sich daher die im Zuge des Irankrieges getätigten Umschichtungen in den US-Dollar umkehren sollten. Zweitens wird die EZB nach unserer Prognose im laufenden Jahr ihren Einlagesatz zusätzlich zur ersten Erhöhung zusätzlich noch zweimal um jeweils 25 Basispunkte anheben, während die US-Notenbank lediglich eine Pause in ihren Zinssenkungskurs einlegen dürfte, was den Renditevorteil schmälert. Wir prognostizieren einen Eurokurs von 1,22 US-Dollar per Jahresende 2026.
Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst
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