23.10.2026

Französische Renditen erreichen höchsten Stand seit 2002

Frankreichs Staatsanleihen unter Druck: Die Renditen steigen. Zugleich sinkt der ZEW-Index – der Konjunkturausblick trübt sich ein.

Frankreich Flage und Münzen
Frankreich Flage und Münzen

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Konjunktur

Die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktfachleute haben sich im Oktober nach mehreren Anstiegen in Folge etwas verschlechtert. Der ZEW-Erwartungsindex sank für Deutschland um 6,6 auf 28,1 Punkte. Für das Eurogebiet trübte sich der Ausblick den zweiten Monat nacheinander ein. Der Indikator sank ebenfalls kräftig um 7,3 auf 18,5 Punkte. Das weist darauf hin, dass der sich zuletzt abzeichnende Aufschwung der Wirtschaft fragil bleibt. Zur Unsicherheit tragen insbesondere die deutlich gestiegenen Öl- und Gaspreise infolge des Irankrieges bei. Die Bewertung der aktuellen Lage verbesserte sich dagegen, verharrte jedoch klar im negativen Bereich. Der Lageindikator legte in Deutschland merklich um 11,2 auf -35,9 Punkte zu. Für das Eurogebiet blieb er mit einem leichten Rückgang um 0,9 auf -14,8 Punkte fast unverändert. Insofern bleibt das konjunkturelle Umfeld angespannt, und aus den jüngsten Anstiegen sollten keine voreiligen Schlüsse gezogen werden.

Zinsumfeld

Der EUR-Staatsanleihemarkt stand in der laufenden Woche besonders unter Druck, weil Frankreich immer tiefer in eine politische Krise zu rutschen droht. Eine landesweite Protestwelle, die sich gegen Defizite im Bildungssektor und die hohen Lebenshaltungskosten richtet, ist am vergangenen Wochenende in entsetzliche Gewalt ausgeartet. Die zunehmende politische Polarisierung der französischen Gesellschaft spiegelt sich in dieser Eskalation in besonders dramatischer Weise wider. Vor diesem Hintergrund scheint es so, dass die Hürden für wirksame politische Reformen zur Stabilisierung der Staatsfinanzen immer höher werden. Die Anleger quittierten die politische Zuspitzung mit einer neuerlichen Verkaufswelle am französischen Staatsanleihemarkt. Die Rendite 10-jähriger französischer OATs überquerte erstmals seit dem Jahr 2002 die Marke von 5 %. Die Risikoprämie gegenüber Bundesanleihen erreichte mit mehr als 170 Basispunkten das höchste Niveau seit Herbst 2011. Eine schnelle und nachhaltige Beruhigung der Frankreich-Turbulenzen ist unseres Erachtens derzeit nicht in Sicht.

Aktienmärkte

Die Zweifel an den vor allem in den USA hoch gewichteten KI-Titeln sind zuletzt gewachsen: Geringer als erwartete Umsatzzahlen des IPO-Kandidaten Anthropic, hohe Kreditausfallprämien für Neoclouds sowie diverse kritische Studien setzten die Kurse der Tech-Konzerne unter Druck. Hinzu kommen Befürchtungen, ein Machtwechsel im Kongress nach den Midterm-Wahlen könnte die Freiheit der KI-Anbieter einschränken. Eigentlich müsste Europa in einem solchen Umfeld derzeit ein „Sweet Spot“ sein, für diejenigen, die Anlagealternativen suchen. Doch wieder einmal kämpft die EU mit hausgemachten Problemen. Die Unruhen in Frankreich haben die Risikoprämien für Anlagen in unserem Nachbarland in die Höhe getrieben. Hinzu kommen rund um den Globus neue Inflationsrisiken, nachdem der Ölpreis gestern ein neues mehrmonatiges Hoch erreicht hat. Es bietet sich daher an, sich entsprechend defensiv aufzustellen.

Zum Jahresende rechnen wir mit einem Kupferpreis von 14.200 USD/t bezogen auf den Dreimonatskontrakt an der LME.

14200

USD/t

Rohstoffe

Der Kupferpreis hat sich zuletzt weiter verteuert. Eine schwache Erzproduktion in Chile und Probleme in Indonesien belasten das Angebot, weshalb wir im laufenden Jahr nur noch mit einer stagnierenden weltweiten Minenförderung rechnen. Auf der Nachfrageseite stützen Elektroautos, Stromnetze und Rechenzentren den Markt. Chinas schwacher Bau- und Automobilsektor wirkt dem entgegen, auch wenn Infrastrukturprojekte Impulse geben könnten. Zugleich gibt es Zeichen für eine leichte Entspannung am physischen Markt: Die Lagerbestände an der LME verzeichneten jüngst einen Anstieg, während sich der Aufschlag für sofort verfügbares Kupfer zurückgebildet hat. Offen bleibt, wann die USA zusätzliche Kupferzölle verhängen. Steigende Energiepreise und eine restriktivere Geldpolitik könnten die Nachfrage ebenfalls bremsen. Die Angebotslage dürfte angespannt bleiben, jedoch sollte die Nachfrage 2026 weiterhin stabil um rund 2 % wachsen. Auf dem derzeitigen Niveau halten wir aber an unserer Einschätzung fest und erwarten für den Dreimonatskontrakt an der LME bis Jahresende eine Seitwärtstendenz mit einem Kursziel von 14.200 USD/t. Erst 2027 halten wir dann einen dauerhaften Anstieg auf mehr als 15.000 USD/t für möglich.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Konjunktur

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: BIP ist im ersten Halbjahr solide gewachsen. Staatsausgaben und Ausfuhren stimulieren Nachfrage. Auftragsbestand nimmt zu. Private Investitionen bleiben zurückhaltend.
  • Inflations- und Konjunkturrisiken durch den Energiepreisanstieg im Kielwasser des Kriegs am Persischen Golf. Handelskonflikt mit den USA belastet weiterhin.

Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • Fed: Eine weitere Zinsanhebung bis Ende 2026, Leitzins danach für einige Zeit unverändert bei 4,25 %.
  • EZB: Zwei weitere Zinsanhebungen bis Frühjahr 2027, Einlagesatz erreicht Peak bei 3,00 %.
  • EUR-Langfristzinsen: Kurzfristig dominieren Aufwärtsrisiken angesichts wachsender Inflationssorgen und der steigenden Verschuldung, mittelfristig Aussicht auf Gegenbewegung.

Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • Unternehmen zeigen im laufenden Jahr starke Gewinnentwicklung.
  • Börsen sehen den KI-Investitionsboom zunehmend kritisch.
  • Schwelender Irankrieg und steigende Renditen wirken als latente Belastungsfaktoren für die Aktienmärkte.

Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen dürfte moderat abnehmen.
  • Der absehbare Streit um die Erhöhung der US-Schuldenobergrenze dürfte das Vertrauen in den US-Dollar schmälern, derzeit belastet jedoch die Haushaltslage in Frankreich den Eurokurs.

Öl und Gas

Rohstoffe

  • Bloomberg Commodity Index dürfte nach Allzeithoch zunächst konsolidieren.
  • Anhaltender Konflikt zwischen USA und Iran hält Ölpreise auf hohem Niveau. Bei Öffnung der Straße von Hormus dürften Ölpreise wieder deutlich nachgeben.
  • Zinserhöhungen bringen Gegenwind für Gold. Preis wird gestützt durch Käufe von Notenbanken und Gold-ETCs.

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