10.07.2026
Deutsche Wirtschaft sendet vorsichtige Lebenssignale
Die deutsche Industrie hat im Mai wieder spürbar mehr Aufträge erhalten. Nach dem Rückgang im April stieg das Neugeschäft als erwartet.
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Konjunktur
Die deutsche Industrie hat im Mai wieder spürbar mehr Aufträge erhalten. Nach dem Rückgang im April stieg das Neugeschäft um 1,9 % gegenüber dem Vormonat und damit stärker als erwartet. Der April-Wert wurde leicht nach oben revidiert. Besonders kräftig legte der sonstige Fahrzeugbau zu. Mehrere Großaufträge sorgten hier für ein Plus von 85 %. Auch ohne diese schwankungsanfälligen Bestellungen zeigt sich ein gewisser Aufwärtstrend. Die Auftragslage wirkt damit robuster, als viele Stimmungsindikatoren vermuten lassen; der Bestand reicht rechnerisch für fast neun Monate Produktion. Auch die Industrieproduktion sendete ein positives Signal: Im produzierenden Gewerbe stieg sie um 0,9 % gegenüber April, ohne Energie und Bau um 0,8 %. Im Dreimonatsvergleich lag die Produktion von März bis Mai leicht über dem vorherigen Zeitraum. Für die Konjunktur hellt sich damit das Bild etwas auf. Für 2026 rechnen wir mit einem moderaten Wirtschaftswachstum von 0,5 %.
Zinsumfeld
Im Mai stiegen die Preise in der Euroraum-Industrie gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,9 % und damit stärker als erwartet. Im Monatsvergleich lag das Plus bei 0,2 %. Ausschlaggebend war vor allem Energie: Die industriellen Energiepreise lagen 14 % über dem Niveau des Vorjahres. Noch im Februar waren die Erzeugerpreise im Jahresvergleich gefallen; seither hat sich das Bild spürbar gedreht. Für die Inflationsperspektiven ist das nicht unerheblich. Erzeugerpreise gelten als Frühindikator für die Verbraucherpreise, weil höhere Kosten der Unternehmen mit zeitlicher Verzögerung an Kunden weitergegeben werden können. Allerdings gibt es erste Entspannungssignale: Die Preise für Energie und andere Rohstoffe gaben zuletzt wieder nach. Damit bleibt die Lage ambivalent. Der kräftige Anstieg der Erzeugerpreise mahnt zur Vorsicht; der Rückgang der Rohstoffpreise spricht dafür, dass der Kostendruck auf den vorgelagerten Stufen seinen Höhepunkt überschritten haben könnte. Für die Geldpolitik der EZB ist dies ein gemischtes Signal: Die Teuerung bleibt zäh, doch der Energiepreisschub verliert an Kraft.
Aktienmärkte
Kaum ist das erste Halbjahr vorüber, gerät die Rally ins Stocken. Es sind vor allem zwei Themen, welche die Akteure derzeit beschäftigen: Die Geopolitik ist zurück auf der Agenda, weil Trump auf der prominenten Bühne des NATO-Gipfels das Abkommen mit Iran aufgekündigt hat. Stillstand herrscht nun in (oder vor) der Straße von Hormus. Die Meerenge ist wieder blockiert, was Ölpreise, Inflationserwartungen und Renditen ansteigen lässt. Zu diesen für Aktienanleger belastenden Faktoren kommen Zweifel gegenüber Technologiewerten auf; besonders darüber, ob sich die gigantischen Investitionen in Rechenzentren lohnen. In diesem Kontext stellt sich die Frage, ob deren Mieter auch nachhaltige Geschäftsmodelle entwickeln können. Insgesamt hat sich das Chance-Risiko-Profil für Aktien im saisonal schwächeren Sommer eingetrübt. Langfristig führt an ihnen kein Weg vorbei - und Anleger können derlei Unsicherheit mit breiter Diversifikation begegnen.
Wir erwarten, dass sich der Euro gegenüber dem Pfund bis Ende 2026 seitwärts entwickelt.
Devisen
Seit dem Brexit gilt Großbritannien oft als Problemfall. Doch ähnliche Debatten über Wachstum, Infrastruktur, Gesundheitssystem, Migration und Polarisierung prägen auch Deutschland und den Euroraum. Die Wachstumsaussichten sind auf beiden Seiten mau: Für beide Wirtschaftsräume wird im kommenden Jahr nur ein Plus von rund einem Prozent erwartet.
Für das Währungspaar Euro/Pfund ergibt sich daraus wenig Richtung. Die Bank of England dürfte ihren Leitzins bis Ende 2026 um 25 Basispunkte auf 4 % anheben, um Zweitrundeneffekten des Ölpreisanstiegs vorzubeugen. Auch die EZB wird voraussichtlich noch einmal um einen Viertelpunkt straffen. Die Zinsdifferenz bliebe damit unverändert – ein geldpolitischer Impuls für eine stärkere Bewegung des Wechselkurses fehlt. Zwar ist der Euro gemessen an der Kaufkraftparität gegenüber dem Pfund deutlich überbewertet. Solche Fehlbewertungen korrigieren sich jedoch erfahrungsgemäß nur langsam. Daher spricht vieles für eine Seitwärtsbewegung. Wir erwarten ein Eurokurs von 0,85 Pfund zum Jahresende 2026.
Von: Antje Laschewski, Research für Privatkunden
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