03.11.2026

US-Wahlen: Wird Trump zur Lame Duck?

Kapitalmärkte Daily | Die Republikaner bangen um ihre knappe Mehrheit im US-Kongress. Umfragen sehen die Demokraten vorn – doch wie verlässlich sind die Prognosen?

Wahlen in den USA
Wahlen in den USA

Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Daily

  • Republikaner zittern um Mehrheit
  • Ölpreis zwischen Diplomatie und Eskalation
  • Wichtige US-Wirtschaftsdaten voraus

Republikaner zittern um Mehrheit

Nach langem Warten und juristischen Streitereien rund um Briefwahl, Wählerregistrierung und zuletzt sogar eine mögliche Namensverwechslung auf Alaskas Stimmzettel stimmen die US-Wähler heute über die Zusammensetzung des Kongresses ab. Gewählt werden alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses sowie 35 der 100 Mitglieder des Senats. Was oftmals vergessen wird: Auch zahlreiche Gouverneure stellen sich heute zur (Wieder-) Wahl und in einigen Bundesstaaten finden Abstimmungen zu politischen Themen statt (darunter die Einführung einer Milliardärssteuer in Kalifornien). Die Republikaner müssen ihre knappe Mehrheit verteidigen. Umfragen sehen die Demokraten im Repräsentantenhaus klar vorn, der Senat gilt als offen. Die Wettmärkte beziffern eine demokratische Senatsmehrheit auf rund 76 %. Ein Sieg der Demokraten in beiden Kammern („blaue Welle“) würde Donald Trump innenpolitisch zur „Lame Duck“ machen und den Demokraten weitreichende Möglichkeiten zur Behinderung der Amtsgeschäfte (u.a. durch das Blockieren von Gesetzen) geben. Die Überraschung bei der Brasilienwahl hat aber gezeigt, dass auch Wettmärkte deutlich daneben liegen können. Erste Ergebnisse kommen in der Nacht auf Mittwoch (MEZ), ein belastbares Gesamtbild gibt es aber wohl erst am Mittwochmorgen.

Ölpreis zwischen Diplomatie und Eskalation

Unabhängig vom Ausgang der Wahl behält Präsident Trump aber weiterhin sein Vetorecht sowie weitreichende Befugnisse bei Zöllen, Einwanderung und Außenpolitik. Gerade bei letzterer dürfte die Spannung in den nächsten Tagen nochmal hoch werden. Medienberichten zufolge stehen Pläne im Raum, nach den Midterms den Iran erneut anzugreifen. Wie schnell die Stimmung kippen kann, zeigte sich in den letzten 48 Stunden. Noch am Montag wurde das Marktgeschehen von kolportierten Gesprächen zwischen iranischen und katarischen Vertretern dominiert, inklusive der Aussage Trumps, dass eine Einigung möglich sei. Brent-Öl gab darauf um fast 8 % nach. In der Nacht auf heute hingegen berichtete das Wall Street Journal von einem US-Angriff auf die Insel Gheschm, die größte Insel im Persischen Golf. Der Ölpreis kletterte in Folge um fast 2 % und liegt nun wieder bei knapp 107 USD je Barrel. Für Entwarnung vor einer erneuten militärischen Eskalation dürfte es also noch zu früh sein.

Der Ölpreis verharrt weiter auf hohem Niveau. Selbst nach dem gestrigen starken Rücklauf steht seit Jahresanfang ein Plus von rund 77% zu Buche. Auch Benzin und Diesel bleiben teuer.

107

USD je Barrel

Ölpreis Brent

Wichtige US-Wirtschaftsdaten voraus

Wachsende Zweifel am KI-Boom dominierten zuletzt die Märkte. Neben Margendruck und Kurseinbrüchen setzte auch eine Rotation ein, die technologielastige Indizes wie Nasdaq, KOSPI oder Taiex belastete, während sich Versorger, Industriewerte und Biotechwerte besser hielten. Mit Blick auf die nächsten Tage stehen neben den US-Zwischenwahlen auch der ADP-Beschäftigungsbericht, der ISM-Dienstleistungsindex sowie am Freitag der wichtige Arbeitsmarktbericht auf der Agenda. In den UK entscheidet zudem die Bank of England am Donnerstag über ihren nächsten Zinsschritt (eine Anhebung von 3,75 % auf 4,00 % erachten wir als wahrscheinlich). Unabhängig davon werden Nachrichten rund um die Straße von Hormus vorerst aber weiterhin das Zins- und Rohstoffgeschehen beeinflussen.

Von: Sandro Pannagl, Senior Research Analyst

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