09.07.2026

Trump kündigt Waffenstillstand auf

Kapitalmärkte Daily | Der Anfang Juni verabschiedete Waffenstillstand zwischen Iran und USA ist wieder Geschichte.

 Große Fracht- und Tankschiffe Persischer Golf, Iran
 Große Fracht- und Tankschiffe Persischer Golf, Iran

Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Daily

  • Angriffe in Nahost setzen sich fort
  • NATO-Gipfel endet versöhnlich
  • Ölpreise legen kräftig zu

Geopolitik zurück auf der Agenda

Der Anfang Juni verabschiedete Waffenstillstand zwischen Iran und USA ist wieder Geschichte. In den vergangenen Tagen eskalierte die Situation erneut, nachdem Iran drei Tanker in der Straße von Hormus angegriffen hatte, worauf die USA mit einer Welle von Luftangriffen reagierten. Das US-Zentralkommando CENTKOM teilte mit, es habe über 80 Ziele angegriffen mit dem Ziel, dem Iran die Möglichkeit für weitere Angriffe auf die kommerzielle Schifffahrt in der Straße von Hormus zu erschweren. De facto war das Waffenstillstandsabkommen damit bereits gebrochen, die offizielle Aufkündigung dieses Memorandums folgte am Mittwoch auf prominenter Bühne: Trump teilte im Rahmen des NATO-Gipfels in Ankara mit, das Abkommen sei beendet, er wolle nicht mehr mit Teheran verhandeln, die iranischen Führer seien „kranke Menschen“. Die Angriffe der US-Streitkräfte setzten sich in der Nacht zum Donnerstag fort, und die iranische Seite reagierte mit Gegenangriffen auf die Golfstaaten. Abseits der Iran-Thematik endete der NATO-Gipfel überraschend versöhnlich. Freilich wirkte es etwas merkwürdig, als Trump zum Abschluss nach all´ der Geringschätzung des Bündnisses sagte: „There is love in the air“. Zuvor hatte er noch angedroht, den Handel mit Spanien zu beenden, und erneut Ansprüche auf Grönland erhoben.

Öl und Renditen rauf, Aktien runter

Die Finanzmärkte reagierten prompt auf die neue Eskalation in Nahost: Die Ölpreise legten kräftig zu. Der Preis für ein Barrel Brent erreichte gestern die 80-Dollar-Marke, nachdem vor wenigen Tagen noch 70 Dollar bezahlt wurden. Damit verbundene Inflationssorgen hievten die Renditen ebenfalls nach oben, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zog auf rund 4,57 % an und markierte damit den höchsten Stand seit Mitte Mai. Die Aktienmärkte kamen stark unter Druck: Der DAX sank unter die Marke von 25.000 Punkten, nachdem noch zu Wochenbeginn ein neues Allzeithoch bei über 25.900 Punkten markiert wurde. Der deutsche Leitindex beendete den Handelstag mit einem Minus von 2,2 %. Die Verluste der europäischen Benchmark-Indizes fielen etwas moderater aus. Dort sorgen die Öltitel wie Total, OMV und Shell für einen gewissen Hedge, naturgemäß von den steigenden Ölpreisen profitierend. Der entsprechende Sektorindex legte gestern um 1,9 % zu. Auch in den USA hielten sich die Verluste in Grenzen: Der S&P 500 gab um 0,3 % nach, der Index der Technologiebörse Nasdaq legte sogar leicht zu (+0,2 %). Der Chipkonzern Nvidia avancierte um 3,6 % nach Medienberichten über bevorstehende Genehmigungen zum Verkauf von H200-Chips. An den asiatischen Börsenplätzen standen die Zeichen nach dem schwachen Start ins Halbjahr nach den positiven Tech-Vorgaben aus den USA ebenfalls auf Grün.

Heute erreichte die Rendite japanischer Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit mit 2,9 % den höchsten Stand seit September 1996. Damit legten die Renditen den neunten Tag in Folge zu.

2.9

%

Rendite JGBs 10Y

Fed ist unabhängiger als die FIFA

Gestern Abend wurde das Fed-Protokoll der ersten Sitzung unter der Ägide von Kevin Warsh veröffentlicht. Warsh unterstrich demnach die Unabhängigkeit der Fed, und Donald Trump dürfte allmählich dämmern, dass es einfacher ist, auf Gianni Infantino einzuwirken als auf Kevin Warsh. Heute stehen keine besonders relevanten Konjunkturdaten auf der Agenda. Heute früh wurden bereits die chinesischen Produzentenpreise veröffentlicht. Im Juni gaben die Preise im Vergleich zum Vormonat um 0,3 % nach.

Von: Frank Klumpp, CFA Senior Strategist

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