16.10.2026
Preisdruck in der US-Wirtschaft verstärkt sich
Kapitalmärkte Daily | Der Preisdruck auf die Erzeugerpreise verbreiten sich über den Energiesektor.
Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Daily
- US-Erzeugerpreise legen deutlich zu
- Warsh: Keine Vorab-Signale
- Asien: Chipwerte erholen sich
US-Erzeugerpreise legen deutlich zu
Nach den heißer als erwartet ausgefallenen Verbraucherpreisen vom Mittwoch haben gestern auch die US-Erzeugerpreise deutlich überrascht. Der PPI stieg im September um 1,3 % (m-m, nach 0,4 % im August), weit über den erwarteten 0,6 % und so stark wie seit März 2022 nicht mehr. Die Jahresrate kletterte auf 6,3 %. Beide Berichte deuten darauf hin, dass sich der Preisdruck über den Energiesektor hinaus verbreitert. Dass die Fed deswegen schon Ende Oktober erneut die Leitzinsen erhöht, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Eine Leitzinsänderung direkt vor US-Zwischen- oder Präsidentschaftswahlen kam historisch bisher so gut wie noch nie vor; und das wohl aus gutem Grund: Die Zentralbank würde sich damit dem Vorwurf politischer Einflussnahme aussetzen und der statutarisch festgelegten Unabhängigkeit einen Bärendienst erweisen. Unabhängig davon erscheint jedoch klar, dass der Zinserhöhungszyklus der Fed nach den jüngsten Zahlen definitiv nicht vorbei ist.
Warsh: Keine Vorab-Signale
Ins Bild passt, dass Fed-Chef Kevin Warsh bei der IWF-Jahrestagung in Bangkok heute die Signale seiner Kollegen zur anstehenden Leitzinsentscheidung weder bestätigen noch zurückweisen wollte. Warsh betonte, er nehme Sitzungen nicht vorweg, und forderte die Marktteilnehmer auf, sich nicht auf Aussagen der Fed zu stützen, sondern lieber die Dynamik der Wirtschaft als Barometer der Geldpolitik heranzuziehen. Zum Thema KI zeigte sich Warsh optimistisch: Sie werde die Wirtschaft produktiver und wohlhabender machen. Gleichzeitig warnte er, dass der Weg dorthin holprig sein könnte.
Der Preisdruck in der US-Wirtschaft hat sich im September unerwartet verstärkt. Damit dürfte der Weg für weitere Zinserhöhungsschritte in den kommenden Monaten vorgezeichnet sein.
Asien: Chipwerte erholen sich
Die Marktteilnehmer dürften die Rede von Warsh positiv aufgenommen haben. Denn die Börsen in Asien erholen sich heute früh vom gestrigen KI-Ausverkauf. Auslöser des Ausverkaufs waren u. a. Sorgen um die Schuldenlast von CoreWave bzw. die Nachhaltigkeit der Finanzierungsmodelle im Sektor ganz generell. Die Aktie des Cloud-Anbieters gab in den letzten Tagen deutlich nach. Derzeit notiert sie mehr als 60 % unter ihrem Hoch von Juni 2025. Für zusätzliche Skepsis sorgen die Gründer: Michael Intrator, Brian Venturo und Brannin McBee haben seit dem Börsengang im März 2025 Aktienanteile in Höhe von 3,3 Mrd. USD verkauft, davon 2,4 Mrd. USD allein in diesem Jahr. Vor allem Konzernchef Intrator hat das Tempo massiv erhöht.
Weitere Preisdaten im Fokus
In der Eurozone steht um 11:00 Uhr die Handelsbilanz für August an. Der Schwerpunkt des Tages dürfte jedoch am Nachmittag in den USA liegen. Nach CPI und PPI folgen jenseits des Atlantiks die Importpreise für September. Anzeichen einer weiteren Verbreiterung des Preisdrucks könnten für zusätzliche Volatilität am Markt sorgen. Zudem folgt im Anschluss die Industrieproduktion für September. Das verarbeitende Gewerbe dürfte sich weiterhin robust zeigen. Von der Fed sind vorerst keine weiteren Signale zu erwarten. Die Währungshüter gehen vor der Sitzung am 27./28. Oktober in die übliche Schweigephase.
Von: Sandro Pannagl, Senior Research Analyst
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