23.03.2026

Iran-Eskalation schickt Märkte in den Keller

Kapitalmärkte Daily | Am Freitag fielen DAX, Euro Stoxx 50 und S&P 500 auf Jahrestiefs. Am heutigen Montag geht die Talfahrt an den asiatischen Börsen weiter.

Mann Analyse Wirtschaft Handel Börse Chart
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  • Drohungen gegen vitale Infrastrukturen
  • Indizes auf Jahrestiefs
  • Wahlen in Rheinland-Pfalz, Frankreich und Slowenien

Weißes Haus ohne Plan B

Hatten die Anleger anfangs auf einen schnellen Waffenstillstand im Irankrieg gehofft, so finden sie sich nun in einer neuen, unangenehmen Realität wieder. Das Mullah-Regime in Teheran scheint in seinem Überlebenskampf zu allem bereit, während das Weiße Haus dessen Widerstand unterschätzt hatte und offenbar über keinen Plan B verfügt. Nun soll der Kongress für den Krieg 200 Mrd. Dollar locker machen. Die Golfstaaten wiederum bezahlen den Preis für ihr jahrzehntelanges Appeasement gegenüber dem Iran, und mit ihnen ein Großteil der zivilisierten Welt. Angriffe auf Öleinrichtungen und die De-facto-Sperrung der Straße von Hormus trieben das Barrel Brent auf aktuell 112 USD. Donald Trump droht Teheran unterdessen mit einer Zerstörung der Stromversorgung, und Teheran kündigt für diesen Fall Angriffe auf die Meerwasser-Entsalzungsanlagen der Golfstaaten an. Diese erwägen offenbar, dem Konflikt aktiv beizutreten. Die Eskalationsspiraledreht sich also munter weiter.

Aktien, Renten und Gold unter Druck

An den Finanzmärkten ist die Botschaft angekommen. Am Freitag fielen DAX, Euro Stoxx 50 und S&P 500 auf Jahrestiefs. Deutschlands Leitindex erreichte mit 22.380 Punkten sogar das tiefste Niveau seit April 2025, und die ersten vorbörslichen Indikationen deuten auf einen Test der 22.000-Punkte-Marke. Eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus ist das eine, die Reparatur zerstörter Förderanlagen, Terminals und Raffinerien das andere. Die Finanzmärkte erwarten daher einen spürbaren Anstieg der Inflation, und dies trieb am Freitag die Bund-Rendite erstmals seit 2011 über die Schwelle von 3 %. Britische Gilts testen sogar die 5%-Marke, die seit der Finanzkrise nicht erreicht wurde. Steigende Zinsen und die Erholung des Dollars schickten den Goldpreis in eine heftige Korrektur. Diese beiden Faktoren scheinen uns aber nicht ausreichend, um mehr als 10 % Wochenverlust zu erklären. Es dürften auch Verkäufe Institutioneller zur Liquiditätsbeschaffung eine Rolle spielen, ähnlich wie nach der Lehman-Pleite. Das Analysehaus Sentix bezeichnet die aktuelle Stimmungskonstellation als Ausverkauf light. Am heutigen Montag geht die Talfahrt an den asiatischen Börsen weiter. Tokios Nikkei-Index verliert 3,5 %, Koreas Kospi über 6 %. Fazit: Die Märkte erleben nun den Stresstest, vor dem wir im Jahresausblick gewarnt haben.

28 Mrd. US-Dollar direkte Kosten hat der Irankrieg bis jetzt verursacht. Die Schätzung beruht auf Hochrechnungen von Angaben des Pentagon. Ökonomische und soziale Folgekosten kommen hinzu.

28 Mrd.

US-Dollar

CDU gewinnt in Mainz

Freuen können sich in diesem Umfeld nur die Sieger des gestrigen Wahlabends. In Rheinland-Pfalz dürfte CDU-Spitzenkandidat Schnieder die dort seit 35 Jahren regierende SPD als Juniorpartner in eine Koalition zwingen. Da die Grünen aus der Landesregierung ausscheiden, verschiebt sich damit das Gleichgewicht im Bundesrat. Stattdessen stellen die Grünen zukünftig den Münchener Oberbürgermeister. Bei den französischen Kommunalwahlen, dem letzten Stimmungstest vor der Präsidentschaftswahl 2027, setzten sich in den großen Städten zumeist Mitte-Links- (Paris, Marseille, Lille, Strasbourg) oder Mitte-Rechts-Listen (Lyon, Toulouse, Bordeaux) durch. Listen unter Einschluss der Linksextremen scheiterten oftmals. Den Rechtspopulisten gelang kein Durchbruch, ein von ihnen unterstützter Kandidat gewann in Nizza. In Slowenien liegt Amtsinhaber Robert Golob knapp vor seinem Herausforderer, dem Trump-Fan Janez Jansa. Dieser hatte seinem Idol unmittelbar nach der Wahl 2020 voreilig zum Sieg gratuliert. Die Regierungsbildung wird schwierig, Golob braucht mindestens zwei kleinere Partner. Aber der EU scheint ein weiterer Quertreiber erspart zu bleiben.

Von: Dr. Berndt Fernow, Senior Strategist

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Eine Frau hält ein Smartphone in der Hand
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