16.06.2026
Fragiler Durchbruch am Persischen Golf
Kapitalmärkte Daily | US-Präsident Trump erwartet bereits für Freitag eine Öffnung der Meerenge für den Schiffsverkehr.
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- Trump erwartet Öffnung der Straße von Hormus für Freitag
- Vieles noch unklar und unsicher
- Begrenzte Euphorie an den Märkten
Fragiler Durchbruch am Golf
Die Vereinigten Staaten und Iran haben eine vorläufige Einigung erzielt, die auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus zielt – US-Präsident Trump erwartet bereits für Freitag eine Öffnung der Meerenge für den Schiffsverkehr. Die formelle Unterzeichnung der Vereinbarung ist für den 19. Juni vorgesehen. Dass diese noch aussteht, deutet darauf hin, dass wesentliche Details weiterhin offen sind. Im Kern geht es um ein 60-tägiges Verhandlungsfenster über das iranische Atomprogramm. Eine Lösung des Konflikts ist damit nicht erreicht. Vielmehr wurde Zeit gewonnen — und zugleich ein Rahmen geschaffen, in dem beide Seiten ihre Positionen neu austarieren können. Der genaue Wortlaut der Vereinbarung ist bislang nicht bekannt. Entsprechend unterschiedlich fallen die politischen Deutungen aus. Präsident Donald Trump sprach von einem großen Friedensschritt. Iranische Staatsmedien hingegen stellten die Einigung als Niederlage der Vereinigten Staaten und Israels dar. Schon diese gegensätzliche Lesart macht deutlich, wie brüchig die Verständigung bleibt.
Märkte atmen auf — doch die Erleichterung hat Grenzen
An den Finanzmärkten wurde die Nachricht zunächst mit Erleichterung aufgenommen. Der Ölpreis gab deutlich nach: Die Sorte Brent fiel um mehr als vier Prozent auf 83 Dollar je Barrel. Auch die Aktienmärkte legten gestern zu (S&P 500 +1,6%, DAX +1 %). Das positive Überraschungspotenzial dürfte damit allerdings vorerst weitgehend ausgeschöpft sein. Für den Welthandel bleibt die Lage angespannt. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist weiterhin gestört. Hunderte Schiffe warten im Persischen Golf auf die Durchfahrt. Wie schnell sich die Lage normalisiert, hängt maßgeblich davon ab, wie rasch die Minenräumung vorankommt und ob die Sicherheitsgarantien belastbar sind. Die Europäer haben auf dem G7-Gipfel in Evian ihre Unterstützung angekündigt, sprechen aber eher von Wochen als von Tagen bis eine entsprechende Mission starten könnte. Jede direkte Beteiligung europäischer Staaten würde zudem ein internationales Mandat erfordern. Für die Geldpolitik könnte die Einigung dämpfend wirken. Für die EZB dürften dennoch „ein bis zwei weitere Anhebungen“ anstehen. Für die Fed erwarten wir auch weiterhin keine Zinssenkung für das laufende Jahr. Für EURUSD sehen wir angesichts der Stärke der US-Wirtschaft, dass es jenseits der rein mechanischen Ableitung aus der Zinsdifferenz einstweilen schwer werden dürfte, den Widerstand an der 1,20 zu brechen, solange die Sorgen um die Rolle des USD nicht (durch was auch immer) neuerlich angeheizt werden.
Politische Entlastung für Trump, aber kein Ende der Risiken
Innenpolitisch verschafft die Vereinbarung Präsident Trump Entlastung. Der Krieg ist in den Vereinigten Staaten unpopulär. Vor den Zwischenwahlen im November kommt eine Beruhigung der Lage daher zur rechten Zeit. Doch von einer nachhaltigen Befriedung kann keine Rede sein. Trump hat bereits deutlich gemacht, dass militärische Angriffe wieder aufgenommen werden könnten, sollte es keine Einigung über das iranische Atomprogramm geben. Gerade in dieser Frage bestehen weiterhin erhebliche Differenzen. Hinzu kommt, dass die Waffenruhe nicht allein von Washington abhängt. Ob die Lage auch im Libanon dauerhaft ruhig bleibt, entzieht sich der unmittelbaren Kontrolle des amerikanischen Präsidenten. Die vorläufige Einigung ist daher weniger ein Schlussstrich als ein Zwischenstand: ein diplomatischer Erfolg auf Bewährung, dessen Bestand sich erst in den kommenden Wochen erweisen wird.
Ausblick: Die Euphorie an den Aktienmärkten über die Einigung scheint bereits einer nüchternen Einschätzung gewichen zu sein. Die asiatischen Aktienmärkte starteten uneinheitlich in den Tag und die Aktienfutures auf beiden Seiten des Atlantiks deuten auf leichte Kursverluste hin.
Von: Rolf Schäffer, CIIA Gruppenleiter Strategy/Macro
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