18.06.2026

Fed hält Zinsen stabil

Kapitalmärkte Daily | Die US-Notenbank hat ihr Tagesgeldzielband zum vierten Mal in Folge unverändert bei 3,50 % bis 3,75 % belassen.

Federal Reserve Building in Washington DC USA
Federal Reserve Building in Washington DC USA

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  • Fed bleibt standhaft
  • Erdgaspreise kurzfristig unter Druck
  • Warten auf Währungshüter

Kevin Warsh hält die Zügel straff

Die US-Notenbank hat ihr Tagesgeldzielband zum vierten Mal in Folge unverändert bei 3,50 % bis 3,75 % belassen. Die aktualisierten Leitzinsprojektionen zeigen jedoch eine gespaltene Fed. Von den 18 stimmberechtigten Mitgliedern sprechen sich neun für eine Zinserhöhung im zweiten Halbjahr aus, während die übrigen neun unveränderte oder niedrigere Zinsen bevorzugen. Der Führungswechsel an der Spitze der Notenbank verlief weitgehend geräuschlos. Auch unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh folgt die Fed dem Wunsch von Präsident Donald Trump nach niedrigeren Zinsen vorerst nicht. Hintergrund ist die Sorge, dass die Folgen des Iran-Kriegs die Inflation länger auf erhöhtem Niveau halten könnten. Gleichzeitig zeigt sich die US-Wirtschaft widerstandsfähiger gegenüber dem Energiepreisschock als Europa. Auffällig ist der deutliche Anstieg der sogenannten Falken innerhalb des Offenmarktausschusses. Dennoch ist eine baldige Zinserhöhung keineswegs sicher. Die Aussicht auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus begrenzt das Risiko einer anhaltenden Preisaufwärtsspirale. Für den weiteren Jahresverlauf erscheint eine Zinserhöhung zwar wahrscheinlicher als eine Zinssenkung. Unveränderte US-Leitzinsen in den kommenden zwölf Monaten bleiben jedoch das Basisszenario.

Niedrige Reserven erhöhen Druck auf den Erdgasmarkt

Die europäische Erdgasversorgung geht mit einer vergleichsweise schwachen Ausgangslage in die Sommermonate. In Deutschland waren die Gasspeicher Mitte Juni lediglich zu 37 % gefüllt und lagen damit rund 20 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021. Ursächlich hierfür ist vor allem die im vergangenen Jahr deutlich geringere Einspeicherung von Erdgas infolge geänderter regulatorischer Vorgaben. Zwar steigen die Speicherfüllstände seit dem Ende der Heizperiode wieder an, der Wiederaufbau der Reserven verläuft bislang jedoch nur schleppend. Auch auf europäischer Ebene zeigt sich ein ähnliches Bild. Nach Angaben von EnergyRiskIQ auf Basis der AGSI+/GIE-Daten lag der Füllstand der EU-Gasspeicher am 15. Juni bei 44,3 % und damit deutlich unter dem saisonalen Durchschnitt von 65,0 %. Um das von der Europäischen Union angestrebte Speicherziel von 90 % bis Anfang November zu erreichen, wären tägliche Einspeicherungen von durchschnittlich rund 3.617 GWh erforderlich. Die jüngste Entspannung im Nahen Osten sorgte zwar kurzfristig für nachgebende Gaspreise an den europäischen Handelsplätzen. An der grundlegenden Herausforderung einer raschen Wiederbefüllung der Speicher ändert dies jedoch wenig. Zudem deuten markttechnische Faktoren darauf hin, dass bei Erdgas in den kommenden Monaten weiterhin ein Aufwärtstrend bei den Preisen wahrscheinlich bleibt.

Notenbanken im Härtetest

Der Blick der Finanzmärkte richtet sich heute zunächst nach London. Die Bank of England dürfte ihren Leitzins im Juni unverändert bei 3,75 % belassen. Im Mittelpunkt stehen das Abstimmungsverhalten der Mitglieder des Monetary Policy Committee sowie mögliche Hinweise auf den weiteren Zinskurs. Die Notenbank steht dabei vor einem schwierigen Umfeld: Während die Inflation zuletzt wieder angezogen hat, deuten ein schwächerer Arbeitsmarkt und verhaltene Konjunkturdaten auf nachlassende wirtschaftliche Dynamik hin.

Auch andere Zentralbanken stehen in dieser Woche im Fokus der Investoren. Für die Notenbanken der Schweiz, Schweden und Norwegen werden unveränderte Leitzinsen erwartet.

Von: Martin Siegert, CMT Head of Technical Market Research

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