17.06.2026

Ende des Iran-Kriegs ist noch auf dem Prüfstand

Kapitalmärkte Daily | Die vorläufige Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran hat an den Finanzmärkten gestern für etwas Entspannung gesorgt.

Straße von Hormus
Straße von Hormus

Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Daily

  • ZEW-Aussichten verbessern sich
  • EU besiegelt Handelsdeal
  • Fed-Chef Warsh im Mittelpunkt

Realitätscheck für Friedensaussichten

Die vorläufige Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran hat an den Finanzmärkten gestern für etwas Entspannung gesorgt und den europäischen Aktienbörsen anfänglich weiteren Auftrieb verliehen. Die Aussicht auf eine Grundsatzeinigung zur Beendigung des Krieges wurde im weiteren Tagesverlauf jedoch schnell einem Realitätscheck unterzogen. Der DAX schloss gestern nur leicht im Plus, nachdem er zuvor die Marke von 25.000 Punkten überschritten hatte. Der Euro Stoxx 50 legte in etwas größerem Umfang zu und kletterte auf 6.257 Zähler. An der Wall Street schlossen die großen Indizes hingegen uneinheitlich. Vor dem heutigen Fed-Entscheid befanden sich die Investoren im kollektiven Wartemodus. Das große Abwarten dürfte heute weiter anhalten. Parallel dazu setzte sich gestern der Rückgang der Ölpreise fort. Einmal mehr drückte die Perspektive einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus die Ölnotierungen deutlich. Brent verbilligte sich nach dem Rückgang zum Wochenauftakt nochmals um rund 4 % auf knapp unter 80 USD je Fass.

Aussichten besser als Lage

Die Friedenssignale aus dem Nahen Osten schlagen sich inzwischen auch in den Konjunkturerwartungen nieder. Laut der aktuellen ZEW-Umfrage unter 190 Investoren und Analysten blicken Finanzexperten im Juni deutlich zuversichtlicher auf die deutsche Wirtschaft als erwartet. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen der kommenden sechs Monate stieg kräftig um 20,7 Punkte auf +10,5 Zähler und kehrte damit in den positiven Bereich zurück. Trotz dieser Aufhellung bleibt das wirtschaftliche Gesamtbild jedoch angespannt. Zwar verbessert die Aussicht auf ein Abkommen den Ausblick, doch liegt das Konjunkturbarometer weiterhin deutlich unter den Niveaus vom Jahresbeginn. Besonders deutlich zeigt sich die Skepsis bei der Einschätzung der aktuellen Lage: Dieses Barometer fiel um 3,2 Punkte auf -81 Zähler und verharrt damit tief im negativen Bereich.

Ein kleines Hoch auf die EU

Das Europäische Parlament hat gestern den Weg für das Handelsabkommen mit den USA freigemacht und damit einen wichtigen Schritt zur Entschärfung der transatlantischen Zollkonflikte vollzogen. Wirtschaftlich ist das Abkommen für Europa ein Kompromiss unter Druck. Während Industriezölle auf US-Produkte wegfallen, bleiben viele EU-Exporte in die USA künftig mit 15 % belastet. Brüssel nimmt diese Schieflage in Kauf, um einen offenen Handelskrieg mit Washington abzuwenden. Die EU versucht, sich mit Befristungen und Schutzklauseln abzusichern. Das Abkommen gilt zunächst bis Ende 2029; zudem sollen Zugeständnisse ausgesetzt werden können, falls die USA zentrale Vereinbarungen nicht einhalten oder europäische Branchen erheblich geschädigt werden. Deutsche Wirtschaftsverbände bewerten den Deal daher als notwendige, aber unvollkommene Stabilisierung. Ihr Tenor: Besser ein belastbarer Kompromiss als eine Eskalation – doch Europa müsse im Ernstfall bereit sein, entschieden gegenzuhalten.

Fed-Zinsentscheid im Fokus

Heute verkünden die US-Währungshüter nun erstmals unter der Leitung ihres neuen Vorsitzenden den Entscheid über ihren geldpolitischen Kurs. Alle im Vorfeld verfügbaren Indizien deuten darauf hin, dass der Ausgang dieser Zinsentscheidung an sich wenig umstritten sein dürfte: Angesichts der Kerninflation, die über dem 2%-Ziel liegt, des soliden Arbeitsmarkts und der jüngsten öffentlichen Äußerungen aus den Reihen der Notenbanker, die weitgehend unterstreichen, dass die Geldpolitik in Anbetracht der makroökonomischen Ausgangslage noch immer „gut positioniert“ sei, dürfte die Fed ihren Leitzins bei 3,50 bis 3,75 % belassen. Besondere Aufmerksamkeit dürfte der Pressekonferenz gelten, die im Anschluss an die Fed-Sitzung stattfindet. Da es sich um den ersten Auftritt des neu ernannten Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh handelt, steht seine Kommunikation im Fokus der Marktteilnehmer. Er dürfte grundsätzlich eine zurückhaltendere Kommunikationsstrategie der Fed anstreben.

Von: Rolf Schäffer, CIIA Gruppenleiter Strategy/Macro

Termine der Woche

Die wichtigsten Termine, Daten & Prognosen finden Sie immer in unserem Wirtschaftskalender.

Zum Wirtschaftskalender

Diese Publikation richtet sich ausschließlich an Empfänger in der EU, Schweiz und in Liechtenstein. Diese Publikation wird von der LBBW nicht an Personen in den USA vertrieben und die LBBW beabsichtigt nicht, Personen in den USA anzusprechen. Aufsichtsbehörden der LBBW: Europäische Zentralbank (EZB), Sonnemannstraße 22, 60314 Frankfurt am Main und Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Graurheindorfer Str. 108, 53117 Bonn / Marie-Curie-Str. 24- 28, 60439 Frankfurt. Diese Publikation beruht auf von uns nicht überprüfbaren, allgemein zugänglichen Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir jedoch keine Gewähr übernehmen können. Sie gibt unsere unverbindliche Auffassung über den Markt und die Produkte zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses wieder, ungeachtet etwaiger Eigenbestände in diesen Produkten. Diese Publikation ersetzt nicht die persönliche Beratung. Sie dient nur Informationszwecken und gilt nicht als Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Für weitere zeitnähere Informationen über konkrete Anlagemöglichkeiten und zum Zwecke einer individuellen Anlageberatung wenden Sie sich bitte an Ihren Anlageberater. Wir behalten uns vor, unsere hier geäußerte Meinung jederzeit und ohne Vorankündigung zu ändern. Wir behalten uns des Weiteren vor, ohne weitere Vorankündigung Aktualisierungen dieser Information nicht vorzunehmen oder völlig einzustellen. Die in dieser Ausarbeitung abgebildeten oder beschriebenen früheren Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen stellen keinen verlässlichen Indikator für die künftige Wertentwicklung dar. Die Entgegennahme von Research Dienstleistungen durch ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen kann aufsichtsrechtlich als Zuwendung qualifiziert werden. In diesen Fällen geht die LBBW davon aus, dass die Zuwendung dazu bestimmt ist, die Qualität der jeweiligen Dienstleistung für den Kunden des Zuwendungsempfängers zu verbessern.

Eine Frau hält ein Smartphone in der Hand
Eine Frau hält ein Smartphone in der Hand

LBBW Newsletterfür Wirtschaft und Finanzen

Jetzt anmelden!

Weltweit

LBBW weltweit

Benachrichtigungen

Bleiben Sie mit unseren Benachrichtigungen auf dem neusten Stand.

Es ist ein Fehler aufgetreten

Benachrichtigungen konnten nicht aktiviert werden

Um Benachrichtigungen zu erhalten, ist es erforderlich, dass Sie Benachrichtigungen in Ihren Browsereinstellungen aktivieren bzw. zulassen. Eventuell stehen Benachrichtigungen auf Ihrem Endgerät nicht zur Verfügung.

Wählen Sie die Rubriken für Ihre Benachrichtigungen aus. Sie können diese Einstellung jederzeit ändern.

Es ist ein Fehler aufgetreten