21.10.2026

Die Kernbereiche der Industrie schrumpfen

Kapitalmärkte Daily | Abbau sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze: Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industrieunternehmen nimmt insbesondere gegenüber China ab.

Automobilherstellung in der Fabrik
Automobilherstellung in der Fabrik

Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Daily

  • Ölpreis bleibt hoch
  • Aktien zeitweise unter Druck
  • Industrielle Kernbereiche schrumpfen

Ölpreis bleibt hoch

Angriffe der Huthis auf Schiffe und Ölanlagen in Saudi-Arabien verunsicherten zuletzt den Markt. Generell wird bezweifelt, dass die Saudis in der Lage sein werden, die Angriffe nachhaltig einzudämmen.

Gerüchte über einen möglichen Kompromissvorschlag von Vermittlern aus Katar und Pakistan nährten dann aber die Hoffnung auf eine Beruhigung der Lage. Der Preis für Öl der Sorte Brent lag zuletzt bei hohen 110 USD pro Fass.

Aktien zeitweise unter Druck

Die europäischen Aktienkurse gaben am Dienstag aufgrund zunächst steigender Ölpreise und neuer Ausschreitungen in Frankreich nach, erholten sich dann aber wieder. Die Proteste in Frankreich haben den Druck auf ein Land verstärkt, das mit schwachem Wirtschaftswachstum und einer stark steigenden Staatsverschuldung zu kämpfen hat. Im April/Mai 2027 stehen die Präsidentschaftswahlen an. Die Marktteilnehmer befürchten, die Krawalle seien Wasser auf die Mühlen der in Umfragen ohnehin führenden Kandidaten vom extremen linken und rechten Rand. Der Dax schloss dann mit 25.304 Punkten.

Industrielle Kernbereiche schrumpfen

Das ifo Institut (19.10.2026) weist darauf hin, dass Deutschlands Industrieunternehmen zwischen 2019 und 2025 netto 496.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze abgebaut haben - ein Verlust von 7,1 %. Laut ifo ist dies die Folge abnehmender Wettbewerbsfähigkeit insbesondere gegenüber China sowie binnenwirtschaftlicher Faktoren (Fachkräftemangel/Demographie, „politisch gewollte Umstellung von Produktionstechnologien“, …). Besonders hart träfe es Kernbereiche. Die Autoindustrie und ihre Zulieferer hätten 123.500 Stellen gestrichen, Hersteller von Metallerzeugnissen 115.600 Stellen. Die Maschinenbauunternehmen bauten 64.500 Arbeitsplätze ab - Branchen, die lange unseren Wohlstand getragen haben.

Neue Jobs entstünden zwar im Dienstleistungssektor (Gesundheit, Erziehung, Pflege, IKT-Sektor, öffentliche Verwaltung). Aufgrund des geringen Produktivitätszuwachses in diesen Bereichen könne diese Entwicklung das deutsche Wachstumspotenzial aber weiter bremsen. Den Anstieg des Anteils der „öffentlichen Dienstleistungen“ an der Gesamtbeschäftigung (von 24,3 % auf 26,7 %) sieht das ifo kritisch. Immer mehr Personen seien mit der Verteilung des Steuer- und Beitragsaufkommens beschäftigt und fehlten bei der Erwirtschaftung desselben. Die ifo Studie wäre m.E. eine interessante Diskussionsgrundlage für den nächsten Koalitionsausschuss in Berlin.

Das verarbeitende Gewerbe in Deutschland hat zwischen 2019 und 2025 netto 496.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze abgebaut.

496000

Verlust von Industriearbeitsplätzen

Von: Matthias Krieger, Senior Economist

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Eine Frau hält ein Smartphone in der Hand
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