06.02.2026
Volatilität und Unsicherheit prägen den Ölmarkt
Kapitalmärkte Weekly | Die Lage am Ölmarkt bleibt auch zu Jahresbeginn von hoher Volatilität und dem geopolitischen Poker zwischen Washington und Teheran geprägt.
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Konjunktur
Die Stimmung in der europäischen Wirtschaft verbesserte sich im Januar merklich. Der von der EU-Kommission erhobene Economic Sentiment Indicator (ESI) legte in der EU um 1,9 auf 99,2 Punkte und im Euroraum um 2,2 auf 99,4 Zähler zu. Damit erreichte der ESI den höchsten Stand seit Juni 2022 für die EU bzw. seit Januar 2023 für das Eurogebiet und lag nahe an seinem langjährigen Durchschnitt von 100. Das Plus im Januar resultierte aus fast allen Wirtschaftssegmenten, nur die Bauwirtschaft verzeichnete ein leichtes Minus. Auch geografisch erfolgte der Anstieg auf breiter Basis: In allen sechs großen Ländern ging der ESI nach oben. Hingegen stieg die Zahl der Arbeitslosen hierzulande im Januar 2026 im Vormonats- und Vorjahresvergleich an. Die Arbeitslosenquote ging unbereinigt im Vergleich zum Vormonat um 0,4 Prozentpunkte auf 6,6 % nach oben. Saisonbereinigt blieb sie den elften Monat in Folge konstant bei 6,3 %, also deutlich höher als im Jahr 2019.
Zinsumfeld
Seit einer Woche ist klar, wer nach dem Amtszeitende von Jerome Powell am 15. Mai 2026 die wichtigste Notenbank der Welt führen soll: US-Präsident Trump hat den früheren Fed-Gouverneur Kevin Warsh für den Fed-Vorsitz nominiert. Die Bestätigung der Personalie im US-Senat liegt zwar angesichts des politischen Zwists um die Anklagedrohung des US-Justizministeriums gegen den aktuellen Fed-Chef noch auf Eis, gilt aber letztlich als wahrscheinlich. In seiner ersten Amtszeit bei der Fed hat Warsh sich einen Ruf als stabilitätsorientierter Geldpolitiker erworben. Seine frühzeitige Demission im Jahr 2011 gründete auf Unmut gegenüber der damaligen ultra-expansiven Geldpolitik der US-Notenbank. Mit dieser Reputation im Rücken kann man ihm prinzipiell zutrauen, dass er nicht als reiner Erfüllungsgehilfe Donald Trumps auftritt. Die Akteure am US-Staatsanleihemarkt zeigten sich im Zuge dessen relativ gelassen. Größere Kursausschläge blieben aus. Diesseits des Atlantiks hat die EZB außerdem nicht an der Zinsschraube gedreht, was als wenig überraschend gilt.
Aktienmärkte
Nach drei Jahren Hausse müssen sich die Aktienmärkte nun einer ernsten Bewährungsprobe stellen. Die äußerst dynamische Entwicklung der Künstlichen Intelligenz fordert die Geschäftsmodelle gerade der neuen, datengetriebenen Ökonomie heraus. Das drückt zumindest auf deren Wachstumsraten und führt zu einer Neubewertung vieler Titel nach unten. Aber auch die treibenden Protagonisten müssen im Wettrennen der KI-Modelle immer größere Summen für den Ausbau ihrer Rechenzentren in die Hand nehmen, was die Anleger zunehmend kritisch sehen. Limitierende Faktoren liegen weniger in der Ausrüstung mit Hochleistungschips als in der Stromversorgung der Rechenzentren. Die negativen Marktreaktionen auf die Rekordzahlen der Halbleiterindustrie sehen wir als Zeichen für eine Erschöpfung der Hausse. Das Chance-Risiko-Verhältnis an den Börsen hat sich deutlich verschlechtert.
600 Mrd. USD wollen die großen Vier der KI-Industrie in diesem Jahr investieren. Das wären rund 2 % des US-BIP.
Rohstoffe
Die Lage am Ölmarkt bleibt auch zu Beginn des Jahres 2026 von hoher Volatilität und dem geopolitischen Poker zwischen Washington und Teheran geprägt. Während US-Präsident Trump den Druck auf den Iran hochhält und mit militärischen Aktionen droht, zeigt sich das iranische Regime trotz wirtschaftlich schwieriger Lage nur vorsichtig gesprächsbereit. Für heute in der Türkei angesetzte Verhandlungen wurden auf Wunsch des Irans in den Oman verlegt. Zuvor deuteten verschiedene Aussagen Trumps schon darauf hin, dass hinter den Kulissen weiter miteinander gesprochen wird. Die Ölmärkte werten die anstehenden Gespräche jedenfalls als Deeskalationssignal. Rohöl der Sorte Brent stand im Laufe des gestrigen Handelstages zeitweise mit einem Tagesverlust von 3 % deutlich unter Abgabedruck. Ein diplomatischer Durchbruch würde die Sorge vor einem militärischen Konflikt lindern und die Preise drücken. Aus fundamentaler Sicht bleibt der Markt aufgrund der ausgeweiteten Förderung der OPEC-Staaten weiterhin überversorgt. Sollte es jedoch zu einer direkten Konfrontation, einem Sturz des Regimes oder gar einer Blockade der Straße von Hormus kommen, erwarten wir kurzfristig einen signifikanten Anstieg der Ölpreise auf deutlich über 100 USD.
Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst
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