Nanette Bubik, Global Head Export Finance bei der LBBW

„Staatliche Absicherungen sind wichtiger denn je.“

Die LBBW ist ein starker Partner im Bereich der Exportfinanzierungen. Nanette Bubik, Head Export Finance, über Möglichkeiten und Entwicklungen.

Frau Bubik, warum entscheiden sich mittelständische Kunden so häufig für Exportfinanzierungen der LBBW?

Nanette Bubik: Eine unserer Stärken ist, dass wir uns nicht auf nur wenige Märkte fokussieren oder nur bei großen Finanzierungsvolumina tätig werden. Wir fühlen uns dem Mittelstand verbunden – und wir begleiten unsere Kunden sehr gern dorthin, wo sie ihre Geschäfte machen und unsere Unterstützung benötigen. Dafür haben wir ein schlagkräftiges Team aufgebaut. Zusätzlich zu unseren Mitarbeitern hier in Deutschland sind wir weltweit mit 18 Auslandsstandorten vertreten. Das ist eine wichtige Voraussetzung, damit wir schnell und in höchstem Maße zuverlässig für unsere Unternehmenskunden arbeiten können.

18 Auslandsstandorte

betreibt die LBBW weltweit.

LBBW: Der deutsche Mittelstand ist längst weitgehend globalisiert. Wie halten Sie als Bank mit dieser Entwicklung Schritt?

Bubik: Kundennähe ist für uns sehr wichtig, ganz egal ob in Deutschland oder in anderen Regionen der Welt. Darum haben wir nicht nur in Stuttgart Betreuer, sondern zum Beispiel auch in Leipzig oder Mainz, die lokalen Exporteuren als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Wir sind als Bank in Deutschland regional sehr stark verwurzelt, das ist und bleibt ein wichtiger Teil unseres Markenkerns. Mit unseren weltweiten Repräsentanzen sind wir aber auch in den wichtigsten Märkten der Welt ein verlässlicher Partner vor Ort. Ergänzt wird unser Beratungsnetzwerk zudem durch unsere Exportfinanzierungs-Hubs in London, Mexiko und Singapur. Von Singapur aus wird beispielsweise der gesamte südostasiatische Markt betreut.

LBBW: Gibt es dennoch regionale Schwerpunkte für Ihre Exportfinanzierungen?

Bubik: Natürlich gibt es Märkte, in denen wir uns besonders gut auskennen: Türkei, Russland, Indien und Brasilien beispielsweise. Jedoch verändern sich die Schwerpunkte – so nehmen wir eine verstärkte Aktivität unserer Kunden in Südostasien wahr – aber auch in herausfordernden Ländern der Region Subsahara/Afrika. In Summe haben wir mehrere hundert Kreditnehmer weltweit, für die wir Exportfinanzierungen realisieren, da findet sich dann noch eine Vielzahl weiterer Länder.

Exporte in Schwellenländer und Entwicklungsländer werden oftmals durch Hermes-Deckungen erst möglich.

Nanette Bubik

LBBW: Warum spielen gerade Hermes-Deckungen eine wichtige Rolle?

Bubik: Hermes-Deckungen oder andere Kreditversicherungen spielen eine entscheidende Rolle, da die Finanzierungslösung ein Absatzförderinstrument darstellen kann. Exporte in Schwellenländer und Entwicklungsländer werden oftmals durch Hermes-Deckungen erst möglich und bieten dem Exporteur noch Absicherungsmöglichkeiten gegen politische und wirtschaftliche Risiken. Geschäfte mit Käufern in schwer einzuschätzenden Ländern, die aufgrund ihres Investitionscharakters auch regelmäßig lange Laufzeiten – i. d. R. zehn Jahre und bei erneuerbaren Energien bis zu 20 Jahre – aufweisen, sind für Exporteur und Banken gleichermaßen herausfordernd. Da sind staatliche Absicherungen extrem wichtig, sowohl für Banken als auch für Exporteure – gerade in Zeiten von Krisen.