LBBW
Interview Exportfinanzierung: Joachim Landgraf von LBBW

Banking erleben

„Hermes-Bürgschaften spielen eine wichtige Rolle“

Die LBBW ist ein starker Partner im Bereich der Exportfinanzierungen. Joachim Landgraf, Global Head Export Finance, über Herausforderungen.

Herr Landgraf, warum entscheiden sich mittelständische Kunden so häufig für Exportfinanzierungen der LBBW?

Joachim Landgraf: Eine unserer Stärken ist, dass wir uns nicht auf nur wenige Märkte fokussieren oder nur bei großen Finanzierungsvolumina tätig werden. Wir fühlen uns dem Mittelstand verbunden – und wir begleiten diese Kunden sehr gern dorthin, wo sie ihre Geschäfte machen und weiter entwickeln wollen. Dafür haben wir ein schlagkräftiges Team aufgebaut. Mit 20 Mitarbeitern, die für unsere Kunden in ganz Deutschland da sind sowie mit noch einmal 20 Mitarbeitern in unserer Dokumentation. Das ist eine wichtige Voraussetzung, damit wir schnell und in höchstem Maße zuverlässig für unsere Unternehmenskunden arbeiten können.

Der deutsche Mittelstand ist längst weitgehend globalisiert. Wie halten Sie als Bank mit dieser Entwicklung Schritt?

Joachim Landgraf: Kundennähe ist für uns wichtig, ganz egal ob in Deutschland oder in anderen Regionen der Welt. Darum haben wir nicht nur in Stuttgart Betreuer, sondern zum Beispiel auch in Leipzig oder Mainz, die lokalen Exporteuren als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Wir sind als Bank in Deutschland regional sehr stark verwurzelt, das ist und bleibt ein wichtiger Teil unseres Markenkerns. Mit unseren weltweiten Repräsentanzen sind wir aber auch in den wichtigsten Märkten der Welt ein verlässlicher Partner vor Ort. In China finden Sie uns zum Beispiel in Peking und Shanghai. Darüber hinaus sind wir in Singapur mit einem Exportfinanzierungs-Hub vertreten, von dem aus wir den südostasiatischen Markt betreuen.

Gibt es dennoch regionale Schwerpunkte für Ihre Exportfinanzierungen?

Joachim Landgraf: Natürlich gibt es Märkte, auf denen wir uns besonders gut auskennen: Türkei, Russland, Indien, Lateinamerika oder Südostasien. Wir haben mehrere Hundert Kreditnehmer weltweit, für die wir Exportfinanzierungen realisieren, da finden sich dann noch eine Vielzahl weiterer Länder.

Welche Rolle spielen die Hermes-Bürgschaften in diesem Geschäft?

Joachim Landgraf: Hermes-Bürgschaften oder andere Kreditversicherungen spielen eine entscheidende Rolle, wenn es um die Finanzierung von Exporten in Schwellenländer wie zum Beispiel China geht. Wir habe es bei diesen Geschäften nicht nur mit Käufern aus schwer einzuschätzenden Ländern zu tun. In der Regel sind die Laufzeiten auch noch sehr lang. Häufig fünf, im Beispiel der Papiermaschinen von Voith nach China sogar zehn Jahre. Bei Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien haben wir es mit Laufzeiten von 20 Jahren zu tun. Das sind Fristen, die können wir als Bank nur sehr schwer realistisch überschauen; da sind staatliche Garantien wichtig.