16.01.2026

Vorwürfe gegen Jerome Powell ziehen an den Märkten vorbei

Kapitalmärkte Weekly | Das juristische Vorgehen der Trump-Regierung gegen Fed-Chef Powell beeinflusste die großen Staatsanleihemärkte beiderseits des Atlantiks kaum

Fed USA Dollar Bank
Fed USA Dollar Bank

Immer aktuell informiert: Kapitalmärkte Weekly

Konjunktur

Die Stimmung in der europäischen Wirtschaft trübte sich im Dezember etwas ein. Der von der EU-Kommission erhobene Economic Sentiment Indicator (ESI) blieb in der EU fast unverändert (-0,1 auf 96,8 Punkte) und sank im Eurogebiet um 0,4 auf 96,7 Zähler. Der Abstand zum langjährigen Durchschnitt von 100 vergrößerte sich damit wieder etwas. Der Dienstleistungssektor liegt seit rund zweieinhalb Jahren als einziger Sektor über dem langjährigen Durchschnitt. Im Dezember verzeichnete er ein leichtes Minus um 0,2 auf 5,6 Punkte. Im Bau und der Industrie verbesserte sich der ESI im Dezember etwas, während sich die Stimmung für Handel und Konsum eintrübte. In den großen Ländern entwickelte der ESI sich wieder stark unterschiedlich. Im negativen Bereich ging er für Deutschland, die Eurozone und Frankreich nach unten. Italien, Niederlande und Polen lagen etwas über bzw. auf der Hunderterlinie, während sich Spanien deutlich darüber hielt.

Zinsumfeld

Das juristische Vorgehen der Trump-Regierung gegen Fed-Chef Jerome Powell beeinflusste die großen Staatsanleihemärkte beiderseits des Atlantiks kaum. Unter leicht rentenfreundlichen Tendenzen blieben sowohl die Rendite 10-jähriger US-Treasuries als auch die 10- jähriger Bundesanleihen in ihren extrem engen Handelsspannen der vergangenen sechs Wochen. Diese erstrecken sich jeweils über kaum mehr als 10 Basispunkte, wobei die tägliche Rendite-Volatilität erneut mehrjährige Tiefstände erreicht hat. Die Veröffentlichung vielbeachteter US-Makrodaten mit hoher geldpolitischer Relevanz vermochte den Anleihekursen in Summe gleichfalls keine klare Richtung zu geben. Die US-Konsumentenpreisdaten für Dezember spielten zwar den Befürwortern weiterer Zinssenkungen in die Karten. Die US-Arbeitsmarktdaten sendeten jedoch ein gemischtes Signal aus. Mit Blick auf die US-Inflation ist ein weithin erwarteter leichter Wiederanstieg der Teuerung nach dem überraschenden Abwärtsknick vom November ausgeblieben. Dies festigt nach unserem Dafürhalten die Aussicht auf eine fortgesetzte geldpolitische Lockerung seitens der Fed im laufenden Jahr.

Aktienmärkte

In den vergangenen drei Jahren legte der DAX jeweils rund 20 % zu. Rückschläge waren rar und zumeist nur kurz. Die Anleger wähnen sich hierdurch in Sicherheit und unterschätzen das immanente Risiko einer Aktienanlage. Diese Konstellation ähnelt stark den Jahren 2005 bis 2007, welche dem Einbruch im Zuge der Finanzkrise vorausgingen. Damals drehten die Kurse jedoch zu Beginn des vierten Jahres nach unten. Ins Jahr 2026 starteten die Märkte hingegen einmal mehr fulminant. Eine hohe Bewertung sowie eine nur noch unzureichende Aktienrisikoprämie gegenüber Anleihen dürften daher alleine wohl nicht ausreichen, um die Rally zu bremsen. Mögliche Auslöser hierfür zeichnen sich jedoch ab: Donald Trump bastelt an einer neuen Weltordnung, die KI-Story zeigt erste Risse, die Fed droht ihre Unabhängigkeit zu verlieren, und die Rückabwicklung von japanischen Carry-Trades könnte an den Märkten das Kapital spürbar verknappen.

Der Kupferpreis liegt auf Zwölfmonatssicht rund 45 % im Plus. Dies lag vor allem an der prekären Angebotslage.

45 %

Anstieg des Kupferpreises

Rohstoffe

In den vergangenen Wochen kam es an den Rohstoffbörsen zu deutlichen Preisbewegungen. Der LME‑Dreimonatskontrakt auf Kupfer überschritt Anfang Januar 13.000 US-Dollar pro Tonne und markierte am 6. Januar mit 13.238 Dollar ein Rekordhoch. Auf Zwölfmonatssicht verzeichnete der Kupferpreis ein Plus von rund 45 %. Der Markt bleibt in Backwardation, was bedeutet, dass der Preis für eine Ware heute höher ist als der Preis für eine Lieferung in Zukunft. Diese Situation an den Terminmärkten ist ein Zeichen anhaltender Materialknappheit. Haupttreiber ist die prekäre Angebotslage, da sich die Störungen aus dem Jahr 2025 weiter verschärft haben. Teile der indonesischen Grasberg‑Mine zweitgrößte Kupfermine weltweit) und des Kamoa‑Kakula‑Komplexes in der DR Kongo (fünftgrößte Kupfererzmine) sind weiterhin beeinträchtigt. Bei Grasberg wird der Vollbetrieb wohl erst 2027 erreicht werden. In Chiles Mantoverde‑Mine drückte ein Streik die Produktion um etwa 70 %. Der fundamentale Trend bleibt aber intakt. Während die Preise im Verlauf des ersten Quartals nahe der Marke von 13.000 US-Dollar pro Tonne notieren dürften, erwarten wir zum Sommer hin eine Konsolidierung auf 12.550 Dollar. Gegen Ende des Jahres sollten die Langfristtreiber wieder die Oberhand gewinnen.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: BIP-Wachstum blieb 2025 mit 0,3 % das dritte Jahr in Folge schwach.
  • Handelskonflikt mit USA impliziert anhaltende Risiken. Staatsausgaben sollen Nachfrage stimulieren.
  • Inflation bei 2 %. Globale Verlangsamung vermindert Lohndruck und hält die Rohstoffpreise in Schach.
Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • Fed: Notenbanker setzen geldpolitischen Lockerungskurs vorsichtig fort, eine weitere Zinssenkung im Jahr 2026 erwartet.
  • EZB: Zinssenkungsphase beendet; Einlagesatz bis mindestens Ende 2026 unverändert bei 2,00 % erwartet.
  • EUR-Langfristzinsen: Auf- und Abwärtsrisiken kurzfristig ausgewogen; auf mittlere Frist Rückkehr in den ansteigenden Trend erwartet.
Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • US-Handelspolitik bremst die Weltwirtschaft, an den Märkten dominiert jedoch Optimismus, vor allem dank KI.
  • Investitionspakete und Konjunkturhoffnungen stützen Europas Börsen.
  • KI-Hausse droht heißzulaufen, für 2026 sehen wir Rückschlagsgefahren.
Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen mit kongruenter Laufzeit dürfte abnehmen.
  • Erratisches Agieren des US-Präsidenten untergräbt Vertrauen in den US-Dollar.
Öl und Gas

Rohstoffe

  • Rohstoffe 2025 mit unterschiedlicher Entwicklung: Hausse bei Edelmetallen, Anstieg bei Basismetallen, Ölpreise fallen.
  • Goldhausse setzt sich fort. Nach kräftigem Anstieg ist zunächst aber eine Verschnaufpause wahrscheinlich.
  • OPEC+ erhöht Förderquoten von April-Dezember 25. Hoher Angebotsüberschuss am Ölmarkt dürfte Preise drücken.
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