23.01.2026

Donald Trump hält die Märkte in Bewegung

Kapitalmärkte Weekly | Trump drohte mit Zöllen, um die Grönland-Annexion voranzutreiben. Auf die harsche Reaktion der Finanzmärkte folgte die Kehrtwende.

Weisses Haus Washington DC Flagge
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Konjunktur

Wie bereits im Sentix-Index, der vergangene Woche veröffentlicht wurde, zeigten sich die befragten Finanzmarktexperten auch beim ZEW-Indikator merklich zuversichtlicher als zuvor. Das Barometer für die Konjunkturerwartungen stieg im Januar deutlich. Er legte für Deutschland um 13,8 auf 59,6 Punkte und für das Eurogebiet um 7,1 auf 40,8 Punkte zu. Der Indikator liegt damit hierzulande so hoch wie seit dem Abklingen der Corona-Pandemie im Sommer 2021 nicht mehr. Auch die Lageeinschätzung verbesserte sich für beide Regionen, für Deutschland allerdings auf einem niedrigeren Niveau. Trotz der Androhung zusätzlicher Zölle durch die USA am vergangenen Wochenende hellten sich die Ausblicke für exportorientierte Branchen zum Teil erheblich auf. Dazu zählen Stahl- und Metallindustrie, Maschinenbau, Automobilherstellung, Chemie- und Pharmabranche sowie die Elektroindustrie. In Anbetracht der hiesigen Konjunkturflaute ist dies als Hoffnungsschimmer zu werten.

Zinsumfeld

Mit der auffälligen Ruhe, welche am US-Staatsanleihemarkt die ersten beiden Wochen des neuen Jahres gekennzeichnet hatte, ist es erstmal vorbei. Die Rendite 10-jähriger US-Staatstitel ist aus der engen Handelsspanne der vorangegangenen sechs Wochen nach oben ausgebrochen. Die US-Benchmarkrendite rückte in der laufenden Woche bis auf rund 4,30 % und damit auf das höchste Niveau seit August 2025 vor. Die Rentenbären setzen damit auch aus markttechnischer Sicht ein Ausrufezeichen. Der mittelfristige Renditeabwärtstrend, ausgehend vom Jahreshoch 2025, scheint gebrochen zu sein. Damit steigt die Gefahr eines nachhaltigeren Stimmungsumschwungs. Am EUR-Staatsanleihemarkt hatte sich ein solcher Schwenk bereits zum Ausklang des Jahres 2025 angedeutet. Seit Jahresbeginn zeigen die US-Treasuries wieder eine relative Schwäche zu Bundesanleihen. Parallel hierzu geriet der US-Dollar in der laufenden Woche unter neuerlichen Abwertungsdruck zum Euro, ähnlich wie nach Trumps großer Zollankündigung im April 2025. Hierbei dürfte auch die Unsicherheit über den künftigen Kurs der US-Notenbank eine Rolle spielen.

Aktienmärkte

Um seine Grönland-Annexionspläne voranzutreiben, setzte Trump seine erprobte Waffe, den Zollhammer ein. Auf die harsche Reaktion der Finanzmärkte folgte die Kehrtwende; die Strafzölle gegen ausgewählte europäische Staaten sind erst einmal vom Tisch. Auf den TACO-Trump, also dass der US-Präsident im Ernstfall kneift, kann man sich offenbar verlassen. Hieraus sollte man jedoch keine zu große Gelassenheit in puncto Aktienmarktentwicklung ableiten: Die Lage bleibt unsicher, wie auch der stetig steigende Goldpreis zeigt. Vor diesem Hintergrund erscheinen die in sämtlichen Regionen zweistelligen Gewinn-Wachstumserwartungen sehr sportlich. In diesen Tagen rückt die Berichtssaison zum vierten Quartal in den Fokus. Neben den Ausblicken für 2026 stehen auch die Dividendenvorschläge im Blickpunkt. Wir erwarten, dass 28 DAX-Konzerne ihre Dividende anheben werden – ob daraus ein neuer Ausschüttungsrekord erwächst, ist jedoch fraglich.

Grönland ist laut früheren US-Schätzungen 700 Mrd. USD wert. Zu den dort nutzbaren Rohstoffen kommt die geostrategische Bedeutung hinzu.

700 Mrd. USD

sei Grönland laut früheren US-Schätzungen wert.

Rohstoffe

Der Index für die Industriemetallpreise (IMP) in Deutschland stieg im Dezember abermals auf einen neuen Rekordstand von 690,1 Punkten. Das entspricht einem Plus um 5,6 % im Vergleich zum Vormonat. Der IMP-Index des Instituts der deutschen Wirtschaft misst das Preisniveau der wichtigsten Importmetalle in Euro. Im Gesamtjahresdurchschnitt kosteten die wichtigsten Metalle damit 11,2 % mehr als 2024. Das Niveau lag im letzten Monat des Jahres 2025 um 22,3 % höher als im Dezember 2024. Bei einem konstanten Euro-Dollar-Wechselkurs seit Ende des Vorjahres läge der Index sogar bei 771,1 Punkten, also um fast 12 % über dem Jahresendstand 2025. Dabei haben sich die Preise für die Metalle unterschiedlich entwickelt. Am stärksten legte Silber zu, und zwar um 22 % gegenüber November 2025 und um 81 % im Vergleich zum Dezember 2024. Das Indexschwergewicht Kupfer verteuerte sich um 8 % bzw. 18 %. Gold ist das dritte Metall, das aktuell auf Rekordniveau steht. Auch der Zinnpreis stieg überdurchschnittlich stark. Dagegen entwickelten sich die zwei anderen Indexschwergewichte Aluminium und Eisenerz eher moderat. Während Nickel zumindest auf Monatssicht leicht im Plus liegt, gab es bei Zink und Blei in beiden Perioden einen Rückgang.

Von: Henning Oligmüller, CIIA Investmentanalyst

Unser großes Bild in Kürze

Vergleichsdiagramm

Konjunktur

  • Deutschland: BIP-Wachstum blieb 2025 mit 0,3 % das dritte Jahr in Folge schwach.
  • Handelskonflikt mit USA impliziert anhaltende Risiken. Staatsausgaben sollen Nachfrage stimulieren.
  • Inflation bei 2 %. Globale Verlangsamung vermindert Lohndruck und hält die Rohstoffpreise in Schach.
Säulendiagramm

Zinsumfeld

  • Fed: Notenbanker setzen geldpolitischen Lockerungskurs vorsichtig fort, eine weitere Zinssenkung im Jahr 2026 erwartet.
  • EZB: Zinssenkungsphase beendet; Einlagesatz bis mindestens Ende 2026 unverändert bei 2,00 % erwartet.
  • EUR-Langfristzinsen: Auf- und Abwärtsrisiken kurzfristig ausgewogen; auf mittlere Frist Rückkehr in den ansteigenden Trend erwartet.
Diagramm Linie

Aktienmärkte

  • US-Handelspolitik bremst die Weltwirtschaft, an den Märkten dominiert jedoch Optimismus, vor allem dank KI.
  • Investitionspakete und Konjunkturhoffnungen stützen Europas Börsen.
  • KI-Hausse droht heißzulaufen, für 2026 sehen wir Rückschlagsgefahren.
Euro

Devisen

  • Der Renditevorteil von kurz laufenden US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen mit kongruenter Laufzeit dürfte abnehmen.
  • Erratisches Agieren des US-Präsidenten untergräbt Vertrauen in den US-Dollar.
Öl und Gas

Rohstoffe

  • Rohstoffe 2025 mit unterschiedlicher Entwicklung: Hausse bei Edelmetallen, Anstieg bei Basismetallen, Ölpreise fallen.
  • Hausse setzt sich fort. Nach kräftigen Anstiegen bei Gold und Basismetallen ist vorerst Verschnaufpause wahrscheinlich.
  • OPEC+ erhöht Förderquoten von April-Dezember 25. Hoher Angebotsüberschuss am Ölmarkt dürfte Preise drücken.
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