30.01.2026
Donald Trumps Nominierung für die Nachfolge von Fed-Chef Powell
Einschätzung | US-Präsident Donald Trump hat bekanntgegeben, dass Kevin Warsh künftig die Fed leiten soll.
US-Präsident Donald Trump hat bekanntgegeben, dass Kevin Warsh künftig die Fed leiten soll. Seine Bestätigung im US-Senat vorausgesetzt, tritt Warsh damit die Nachfolge von Jerome Powell an, der am 15. Mai aus dem Amt scheidet.
Unsere Einschätzung zur Nominierung von Kevin Warsh
Kevin Warsh war einer von vier Kandidaten, die zuletzt noch auf der Liste möglicher Nachfolger für Jerome Powell waren. Bereits vor einigen Monaten hatte Donald Trump angedeutet, dass entweder Warsh oder sein Wirtschaftsberater Kevin Hassett den Posten des von ihm so geschmähten Powell übernehmen solle. Nachdem Trump seinen Wirtschaftsberater vor zwei Wochen faktisch aus dem Rennen genommen hatte, lief vieles auf Herrn Warsh hinaus. Dieser tritt ein schwieriges Amt an. Es ist der wohl verantwortungsvollste Posten in der westlichen Finanzwelt. Nicht zuletzt Donald Trump ist es durch seine wiederholten Attacken auf die Fed zuzuschreiben, dass die Notenbank zunehmend politisiert wurde.
Kevin Warsh steht somit vor einem schwierigen Spagat: Einerseits muss er die nervösen Finanzmarktteilnehmer überzeugen, dass die Fed unter ihm weiterhin eine unabhängige Geldpolitik nach Lage der ökonomischen Fakten betreibt. Andererseits erwartet der US-Präsident, welcher ihn ernannt hat, in die geldpolitischen Erwägungen der Notenbank einbezogen zu werden. Dies widerspricht aber dem Geist der gesetzlich verankerten Unabhängigkeit der Fed. Wenn es ungünstig läuft, kann Herr Warsh in seinem neuen Job nur verlieren. Entweder gelingt es ihm, seine Kollegen im Zentralbankrat davon zu überzeugen, dass sie für die von Präsident Trump gewünschten weiteren Zinssenkungen stimmen. In diesem Fall droht jedoch das Vertrauen der Anleger in die Fed zu erodieren. Oder Herrn Warsh geht es wie seinem Vorgänger Jerome Powell, und er findet sich binnen weniger Monate in der Rolle des neuen Prügelknaben Donald Trumps wieder.
Von: Elmar Völker, Senior Fixed Income Analyst im LBBW Research