19.01.2026
Chinas BIP-Wachstum im 4. Quartal und Gesamtjahr 2025
Einschätzung | Unabhängig von der genauen Höhe des BIP-Wachstums unterstreichen die heute veröffentlichten Zahlen die komplexe Lage der chinesischen Wirtschaft.
Die chinesische Statistikbehörde hat heute Wirtschaftszahlen für das 4. Quartal sowie für das Gesamtjahr 2025 veröffentlicht.
- BIP-Wachstum im 4. Quartal 2025: 4,5 % (nach 4,8 % im 3. Quartal)
- BIP-Wachstum im Gesamtjahr 2025: 5,0 %
- Einzelhandelsumsätze im Dezember: 0,9 % (nach 1,3 % im November)
- Industrieproduktion im Dezember: 5,2 % (nach 4,8 % im November)
Unsere Einschätzung zu Chinas BIP-Wachstum im 4. Quartal und Gesamtjahr 2025
Unabhängig von der genauen Höhe des BIP-Wachstums unterstreichen die heute veröffentlichten Zahlen die komplexe Lage der chinesischen Wirtschaft. Eine zunehmend fragile Binnennachfrage trifft auf eine robuste Industrie, deren Auslandsabhängigkeit weiter zunimmt. Die Nettoexporte trugen im vergangenen Jahr zu mehr als einem Drittel des BIP-Wachstums bei. Gleichzeitig fielen die Einzelhandelsumsätze auf den niedrigsten Stand seit der Covid-Pandemie. Im Kern wiederholt sich damit das Muster, das bereits Ende 2024 zu beobachten war: Die Vorzeichen sind die gleichen, die Herausforderungen in der gegenwärtigen Lage jedoch größer. Die anhaltende Immobilienkrise sowie die hohe Schuldenlast der Lokalregierungen belasten Konsum und Investitionen. Zugleich erschwert das volatile handels- und geopolitische Umfeld eine Stabilisierung des Wirtschaftsvertrauens. Wir erwarten, dass die Regierung durch ein Vorziehen geplanter Infrastrukturausgaben und zusätzliche Investitionen in bisherige Wachstumssektoren (u. a. Hightech und Maschinenbau) die Lage im ersten Halbjahr zu stabilisieren versucht. Auch die Zentralbank dürfte – nach nur einer Zinssenkung im Jahr 2025 – in diesem Jahr expansiver agieren. Konsumstimulierende Maßnahmen sehen wir vorerst nur gezielt. Solange der Exportsektor Stärke zeigt, wovon wir ausgehen, bleibt die Dringlichkeit umfassender Maßnahmen eher gering.
Von: Sandro Pannagl, Senior Strategy Research Analyst