23.05.2025
Max Slevogts „Kommerzienrat Philipp Freudenberg“
Das Porträt des Kommerzienrats hat eine bewegte Geschichte. Eine neue Publikation gibt nun Auskunft über den aktuellen Stand seiner Provenienz.


Der von Max Slevogt porträtierte Philipp Freudenberg (1833 – 1919) blickt 1904, dem Entstehungsjahr des Gemäldes, auf eine glänzende Unternehmerkarriere zurück. Er hatte sich aus einfachen Verhältnissen emporgearbeitet und sich in den 1860er Jahren mit einem eigenen Stoff- und Modekaufhaus in Elberfeld äußerst erfolgreich selbstständig gemacht. Mit der Offerte, Teilhaber des Berliner Modekaufhauses Herrmann Gerson zu werden, das seit 1849 als erstes deutsches Modekaufhaus am Werderschen Markt seine Kundschaft aus ganz Europa begrüßte und Ende des 19. Jahrhunderts zum umsatzstärksten der Berliner Konfektionshäuser zählte, wechselt er 1888 auf eine Spitzenposition der damaligen deutschen Modeindustrie.
Gemeinsam mit fünf seiner sechs Söhne baut er das Modehaus Gerson in den Folgejahren mit visionären Präsentationen in Zusammenarbeit mit Künstlern, Architekten und Designern zu einem Mode- und Lifestyleimperium aus. Die Familie Freudenberg schafft sich privat gleichermaßen ein kunst- und kultursinniges Umfeld, so dass Philipp Freudenbergs Porträtauftrag an den in Berlin gefeierten Maler Slevogt wenig überrascht. Das Porträt, welches in Berlin um die Jahrhundertwende entstand und aus jüdischem Besitz stammt, gelangte zunächst 1992 in die Kunstsammlung der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Mit der Integration der LRP und ihrem Kunstbestand wurde es 2008 in die Sammlung der LBBW übernommen. Dies erstaunt umso mehr, da das Porträt gemäß einer im Jahr 1968 veröffentlichten, umfassenden Monographie über das Werk Slevogts seitdem offiziell als verschollen galt.
Abb. oben, Max Slevogt: Kommerzienrat Philipp Freudenberg, 1904, Detail, Courtesy Sammlung LBBW. Foto: Frank Kleinbach
Die von Lutz Casper und der LBBW herausgegebene Publikation „Das Porträt Kommerzienrat Philipp Freudenberg, Nachforschungen zu einem wiederentdeckten Werk von Max Slevogt“ stellt die Provenienz des Werkes erstmals dar. Neben Aufsätzen von Gesa Kessemeier, Hans-Joachim Müller, René Philipp Sander und den Restauratoren Magdalena Schlesinger und Tilman Daiber, gibt der ehemalige Leiter der Sammlung LBBW, Lutz Casper, ausführlichen Einblick in die weitverzweigte Spurensuche nach den Besitzverhältnissen des Werkes bis zu seinem Erwerb seitens der LRP. Ebenso enthält die Publikation, erschienen im Verlag Hentrich & Hentrich, einen Aufsatz von Nurit Greenberg, der Ururenkelin von Philipp Freudenberg. Ihr ist es zu verdanken, dass das Familienarchiv Freudenberg systematisch erfasst, publiziert und zu weiteren Forschungszwecken inzwischen dem Leo Baeck Institute in New York übergeben wurde.

Publikation
Lutz Casper und LBBW (Hg.): Das Porträt „Kommerzienrat Philipp Freudenberg, Nachforschungen zu einem wiederentdeckten Werk von Max Slevogt“, Hentrich & Hentrich, Berlin, Leipzig 2024, 224 Seiten, 148 Abbildungen.
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