Seit seiner Projektwoche im Bopfinger Tafelladen geht Mario Quint mit Lebensmitteln achtsamer um

Lernen und Gutes tun

Engagement zeigen: Auszubildende der LBBW absolvieren eine freiwillige Projektwoche in einer sozialen Einrichtung.

Als er den Joghurt zu den Abfällen werfen will, stoppt Mario Quint ein forsches „Moment mal!“ Der 21-jährige Auszubildende der LBBW guckt irritiert, schließlich war der Joghurt laut Deckel abgelaufen, seit vier Tagen schon. Joghurt hält sich trotzdem noch tage- oder wochenlang, erfährt Quint an seinem ersten Tag im Tafelladen Bopfingen. Dorthin geben Supermärkte Obst und Gemüse, Wurst und Fleisch, Käse und Milchprodukte, sogar Shampoo und Kosmetik – eigentlich alles, was sie im Sortiment haben. Der Unterschied: Entweder sehen die Waren nicht mehr neuwertig aus oder das Mindesthaltbarkeitsdatum ist abgelaufen. Die Tafelmitarbeiter sortieren Unbrauchbares aus und verkaufen die Waren anschließend zu Mini-Preisen an bedürftige Menschen.

Eine Woche lang hat Mario Quint im Tafelladen Bopfingen ausgeholfen. Bereits seit 2002 bietet die LBBW ihren Azubis und DH-Studierenden im zweiten Ausbildungsjahr die Chance, sich im Rahmen des freiwilligen Projekts „Soziales Lernen“ eine Woche lang zu engagieren. Der Einsatz soll Eigenverantwortung und Eigeninitiative der jungen Bankmitarbeiterinnen und -mitarbeiter stärken und sie zugleich für ehrenamtliches Engagement motivieren. Die LBBW koordiniert die Projektwoche zusammen mit der Agentur Mehrwert. Im Herbst 2019 engagierten sich sechs Auszubildende beispielsweise in einer Fachberatungsstelle für Wohnungslose, einem Schulkindergarten sowie einem Altenwohn- und Pflegeheim.

Oder im Fall von Mario Quint für die Tafel. Der angehende Finanzassistent ließ sich einfach zuteilen: „Ich wollte mich überraschen lassen.“ Im Bopfinger Tafelladen hat Mario Quint nicht nur Waren sortiert, ausgegeben und manchmal kassiert – er hat vor allem einiges an Vorurteilen aufgegeben. „Mich hat überrascht, wie viel ältere Menschen auf die Tafel angewiesen sind“, sagt Quint. Ebenso kinderreiche Familien und alleinerziehende Mütter. „Die haben einen Job, und das Geld reicht trotzdem nicht.“

Sich selbst ausprobieren

Genau das möchten wir mit dem Projekt erreichen, erklärt Christian Schmidt, Leiter der Aus- und Weiterbildung bei der LBBW. „Während der Woche stellen unsere Auszubildenden sich ungewohnten Situationen, kommen in Kontakt mit Menschen, die Unterstützung benötigen, und lernen dabei andere Lebenswelten kennen.“ Die Azubis sollen sich mit Fragen wie sozialer Gerechtigkeit beschäftigen und ihre eigenen Wertvorstellungen reflektieren.

Auch Linda Lange hat ein soziales Praktikum absolviert. „Es hat mich total gereizt, mit anderen Situationen und Menschen konfrontiert zu werden und mich selbst zu testen“, sagt die damalige Auszubildende, die heute als Finanzberaterin arbeitet.

15 Drei- bis Sechsjährige betreute Linda Lange im Kinderzentrum St. Josef, sorgte für das Frühstück und achtete während des Mittagessens darauf, dass nichts danebenging und alle satt wurden. Ihre Hauptaufgaben: vorlesen, gemeinsam singen und spielen. „Manchmal musste ich auch kleine Streitigkeiten klären“, erzählt Lange. Die Projektwoche habe ihr deutlich gemacht, „dass man auch ohne Geld und mit freiwilliger Arbeit viel bewirken kann.“

Auf der schwäb’sche Eisebahne

2017 nutzte Simon Schönherr die Chance auf eine aufregende Projektwoche: „Ich wollte etwas ausprobieren, das mich herausfordert.“ Im Gradmann Haus in Stuttgart werden Demenzkranke stationär oder in der Tagespflege betreut. Schönherr war in der Tagesbetreuung eingesetzt, wo sich mehrere Betreuer um zwölf Patienten kümmern. Schönherr musste lernen, sich auf jeden Menschen individuell einzulassen, „da sie unterschiedliche Pflegegrade hatten und in ihrer Art auch völlig unterschiedlich waren“. Der heutige Service-Manager hat das gesamte tägliche Leben – Frühstück, Mittagessen, Gymnastikrunde – begleitet. „Oft haben wir die Liederbücher herausgeholt und gesungen“, erzählt Schönherr, gern Volkslieder wie „Auf der schwäb’sche Eisebahne“.

„Es ist faszinierend, welche unterschiedlichen Lebensgeschichten die Menschen haben“, sagt Schönherr. Zu sehen, wie hilfsbedürftig sie jetzt sind, ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Was er gelernt hat? „Wie wichtig es ist, nichts als selbstverständlich zu nehmen und dankbar zu sein, wenn es einem gutgeht.“

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