Goldbarren in einem geöffneten Schließfach

Gold als „sicherer Hafen“ - nur ein Mythos?

Der Goldpreis gilt gemeinhin als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Im März 2020 brach der Preis jedoch sehr stark ein. Ist der Nimbus damit gebrochen?

Gold steigt auf Siebenjahreshoch

Mit dem Ausbreiten des Coronavirus und der damit einhergehenden Krise an den Finanzmärkten war Gold ab Februar 2020 auf einmal wieder als Krisenwährung gefragt. Der Preis für eine Feinunze zog im März bis über 1.700 Dollar an. „Damit war der höchste Stand seit Dezember 2012 erreicht“, sagt Frank Schallenberger, Leiter der Rohstoffanalyse bei der LBBW. Wer allerdings geglaubt hatte, dass Gold in Krisenzeiten unaufhaltsam steigt, sah sich getäuscht. Ab dem 9. März 2020 ist der Goldpreis sehr stark eingebrochen. In nur sechs Handelstagen ging es von über 1.700 Dollar auf etwa 1.450 Dollar nach unten. Hat das Edelmetall den Status als sicherer Hafen damit verloren?

Auch in Krisenzeiten kann Gold fallen …

Der Blick auf die Finanzkrise 2008/09 zeigt, dass bei heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten der Goldpreis durchaus auch fallen kann. So legte Gold beim Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 zunächst deutlich zu. Mit der immer stärkeren Baisse an den Aktienmärkten gab der Preis dann jedoch nach. So brach Gold im Oktober 2008 in nur zwei Wochen um mehr als 25 Prozent ein. Erst ab Ende des Monats startete eine fulminante Gold-Hausse.

  • Entwicklung des Goldpreises seit 2007

Dieser zwischenzeitliche Ausverkauf von Gold in Krisenzeiten dürfte mehrere Gründe haben. Zum einen werden bei heftigen Einbrüchen an anderen Märkten solche Assets verkauft, bei denen man noch Gewinne realisieren kann; damit werden Löcher gestopft, die sich in anderen Anlageklassen aufgetan haben. Zum anderen können Portfolioeffekte dazu führen, dass Vermögensgegenstände, die sich in einer Baisse gut schlagen, verkauft werden. Brechen beispielsweise die Aktienkurse stark ein, sinkt auch die Aktienquote des Depots, während die Goldquote steigt. Um die Balance der Quoten wiederherzustellen, muss dann Gold verkauft werden.

… dennoch bleibt Gold ein sicherer Hafen.

Beide Effekte dürften dazu geführt haben, dass die Spekulanten ihre Netto-Long-Position am Goldmarkt von Ende Februar bis Mitte März 2020 um 76.000 Kontrakte reduziert haben. Dies entspricht 235 Tonnen Gold mit einem Marktwert von rund 12,5 Milliarden Dollar. „Möglicherweise ist mit dem jüngsten Preisverfall das reinigende Gewitter am Goldmarkt aber auch bereits überstanden“, sagt LBBW-Experte Schallenberger. Bereits in der zweiten Märzhälfte hat das Edelmetall wieder deutlich zugelegt.

Zwar dürften die Notenbanken und die Schmuckkäufer sich in diesem Jahr bei Gold eher zurückhalten, doch sollte dafür die Nachfrage nach Münzen und Barren deutlich zulegen. Auch die physisch hinterlegten Gold-ETFs bleiben nachgefragt. Deren Goldbestände stiegen von Januar bis März um 185 Tonnen oder gut 7 Prozent. Aufgrund der Corona-Krise und des anhaltend niedrigen Zinsniveaus dürfte sich diese Entwicklung fortsetzen, sagt LBBW-Experte Schallenberger: „Gold ist und bleibt ein sicherer Hafen – manchmal zeigt sich das eben erst mit ein bisschen Verzögerung.“

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