Die EU forciert CO2-Recycling

Nachhaltige Kohlenstoffkreisläufe

CO₂-Speicherung: wie die Europäische Union das Recycling von Kohlendioxid vorantreibt

Bei der Diskussion um eine nachhaltigere Zukunft wird Kohlenstoffdioxid in Form von fossilen Energieträgern wie Kohle oder Erdöl häufig als Verursacher der Erderwärmung und zu reduzierendes Übel identifiziert. In der Realität sind wir alle aber auch auf die Verbindung von Sauerstoff und Kohlenstoff angewiesen. So verwendet die Industrie die freigesetzte Kraft zur Herstellung von Nahrungsmitteln, Energie oder Baumaterialien. Dabei entsteht allerdings auch klimaschädliches Kohlenstoffdioxid (CO₂). Deshalb setzt sich die EU in ihrem Klimapaket „Fit for 55“ zum Ziel, dass in Zukunft immer mehr Kohlendioxid gespeichert oder wiederverwertet werden kann. Es gilt demnach, durch die CO₂-Speicherung künftig einen stabilen, zuverlässigen Recycling-Kreislauf zu etablieren, statt das aus fossilen Brennstoffen entstandene CO₂ unwiederbringlich in die Atmosphäre zu entlassen.

Mit drei Schritten vom Problemstoff zum Wertstoff

Um die Klimaerwärmung eindämmen zu können, hat die EU drei Schlüsselmaßnahmen benannt:

  1. Verringerung der CO₂-Emissionen bis 2030 um 55 Prozent. Hierfür sollen Gebäude effizienter, Verkehrsmittel und Industrien nachhaltiger und Energie in erster Linie aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden.
  2. Statt aus fossilen Quellen die weiterhin wirtschaftlich notwendige Energie zu gewinnen, soll Kohlenstoff recycelt und aus nachhaltigen Biomassequellen oder direkt aus der Atmosphäre gewonnen werden, das sogenannte „Carbon Farming“.
  3. Insgesamt soll der CO₂-Abbau erhöht werden. So muss bis 2050 jede in die Atmosphäre emittierte Tonne CO₂ durch eine aus der Atmosphäre entfernte Tonne CO₂ ausgeglichen werden. Hierfür fehlen bislang aber noch Lösungen aus der Industrie. Die EU ist deshalb dabei, eine Strategie zu entwickeln, um die gesetzten Klimaziele erreichen zu können.

Technologische und natürliche CO₂-Speicherung

Bereits 2030 sollte es möglich sein, jedes Jahr bis zu 225 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente aus der Atmosphäre „ernten“ zu können, so die EU-Kommission in ihrem Klimaschutzgesetz. Auf natürlichem Wege tragen hierzu etwa gepflanzte Bäume, renaturierte Moore oder zu Weide- und Grünland umgewidmete Ackerböden bei. Experten schätzen, dass Dauergrünlandflächen durchschnittlich 181 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar enthalten, während im Vergleich zu Ackerboden auf der gleichen Fläche im Schnitt lediglich 95 Tonnen Kohlenstoff je Hektar vorkommen.

Zu den technologischen Methoden gehört die „Ernte“, also CO₂ direkt aus der Luft zu extrahieren. Das Verfahren heißt Direct Air Capture und wird bereits mit ersten Anlagen umgesetzt. Allerdings sind diese derzeit noch sehr kosten- und energieaufwendig.

225 Mio.

Tonnen Kohlendioxid sollen 2030 jährlich aus der Atmosphäre geholt – „geerntet“ – werden

Der lange Weg zum CO₂-Recycling

Aktuell fehlen für ein funktionierendes Recycling von CO₂ noch maßgebliche Elemente einer EU-weit zuverlässigen Infrastruktur mit Transportwegen, Pipelines, Speichern etc. Dabei sind die Ziele der Kommission ambitioniert: Bis 2030 sollen jedes Jahr mindestens fünf Millionen Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre entfernt werden. Zudem soll für Produkte aus der Chemie- und Kunststoffindustrie eine Mindestquote von 20 Prozent an nichtfossilem, recyceltem CO₂ gelten. Bisher liegt dieser Anteil bei rund einem Prozent.

Neben all diesen Herausforderungen müssen auch die unterschiedlichen Interessengruppen unter einen Hut gebracht werden. Ein erster Schritt wurde mit der Überarbeitung der Verordnung über Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft (LULUCF) gemacht. Darin enthalten ist das Klimaziel, 310 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent für den Nettoabbau im EU-Landnutzungssektor für 2030 zu erreichen. Dafür gilt es jetzt, Anreize zum Abbau von CO₂ zu schaffen.

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