Metallisch glänzende Biokraftanlage vor wolkigem Himmel

Energieträger Wasserstoff

Neue Richtlinien für erneuerbare Energien, die das Europäischen Parlament verhandelt, sollten vorrangig innovative Technologien fördern.

Gleichzeitig zeigen die jüngsten politischen Entwicklungen, wie wichtig es ist, dass die EU-Mitgliedsstaaten unabhängig von russischen Gaslieferungen werden. Der zuständige Berichterstatter, Markus Pieper von der Europäischen Volkspartei (EVP), hat in einem Vorschlag für die Position des EU-Parlaments geraten, den Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch bis 2030 auf mindestens 40, statt bisher 32 Prozent zu erhöhen. Pieper hält dieses Ziel für ehrgeizig, aber erreichbar. Der Kommissionsvorschlag dient als Grundlage für die Gesprächsrunden im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE). Nach derzeitiger Planung sollen bis Ende 2022 die neuen Richtlinien auf den Weg gebracht sein.

Genehmigungsverfahren verkürzen

Der Kommissionsvorschlag sieht vor, das Stromnetz noch stärker auszubauen, Innovationsquoten für Erneuerbare-Energien-Projekte vorzugeben und die Genehmigungsverfahren beim Bau von Windkrafträdern zu verkürzen. Um Projekte, die gezielt die Klimakrise entschärfen, schneller genehmigen zu können, sollten diese ein sogenanntes Fit-for-55-Label erhalten. Die von Pieper neu eingeführte Kategorie „kohlenstoffarmer Wasserstoff“ sehen Experten jedoch kritisch. Denn unter diese Kategorie sollen etwa Gase wie blauer Wasserstoff aus Methan mit Kohlenstoffabscheidung fallen, eine fossile Quelle, die streng gesehen mit erneuerbaren Energien nichts zu tun hat.

1.6 Milliarden €

umfasst die Unterstützung Europas an der Produktion von grünem Wasserstoff

Wasserstoffheizungen ineffizient

Ob Wasserstoff überhaupt eine Alternative darstellt, etwa beim Heizen von Gebäuden, hat eine aktuelle Studie der Stiftung Klimaneutralität untersucht. Sie kommt zu dem Schluss, dass Wasserstoffheizungen in der dezentralen Wärmeversorgung ineffizienter wären als Wärmepumpen. Daraus ergeben sich für die Stiftung verschiedene Folgerungen für die Politik wie etwa die Förderung von Wärmepumpen als zentraler Technologie im Gebäudesektor und der Einsatz von durch erneuerbare Energien hergestelltem Wasserstoff in Back-up-Kraftwerken. Diese produzieren Strom in Zeiten, in denen nicht genug Energie durch Wind oder Solar zur Verfügung steht.

Zukunft Afrika

Dass die Produktion und der Bezug von Wasserstoff nicht an Europas Grenzen haltmachen, war zuletzt bei einem EU-Gipfel mit der Afrikanischen Union (AU) im Februar 2022 spürbar. 150 Milliarden Euro will die EU bis 2030 für Projekte in der AU bereitstellen. Ein erstes Projekt ist mit Marokko vereinbart: Die EU unterstützt die Produktion von grünem Wasserstoff mit 1,6 Milliarden Euro. Obwohl das Interesse unter afrikanischen Staaten groß ist, warnen Aktivisten und Bürgerrechtlerinnen bereits vor einer neuen Kolonialisierung des Kontinents durch Industrieländer.

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