LBBW

07.11.2019

Konjunktur stark unter Druck, Sachsen aber über dem Deutschland-Trend

Pressemitteilung

Die sächsische Wirtschaft kann sich auch im Herbst 2019 nicht dem deutschen und globalen Trend entziehen und verliert weiter an Schwung. Für 2019 erwartet das Research der LBBW für Sachsen nur noch eine Wachstumsrate des realen Bruttoinlandsprodukts von durchschnittlich 0,8 Prozent (Deutschland: 0,5 Prozent), für 2020 von 0,9 Prozent (0,6 Prozent). Im aktuellen „Konjunkturmonitor Sachsen“ beleuchten die Analysten die wirtschaftliche Entwicklung ebenso wie ausgewählte Strukturfragen.

Die Konjunktur Sachsens kühlt gerade im Gleichschritt mit der Konjunktur Gesamtdeutschlands ab

Ausgewählte Frühindikatoren weisen schon eine Weile auf die Konjunktureintrübung hin. Zuletzt hat der starke Rückgang des Einkaufsmanagerindex für das deutsche Verarbeitende Gewerbe (=Industrie) die Beobachter alarmiert. Mit einer erwarteten weiterschrumpfenden Wirtschaftsleistung bis Jahresende wäre Deutschland in einer „technischen Rezession“ gefangen (zwei Quartale in Folge Negativwachstum). Ostdeutschland profitiert relativ zum Westen von robusterer Binnennachfrage, dennoch erzielt Sachsen im ersten Halbjahr 2019 nur ein Nullwachstum.

Personalverfügbarkeit wird zur entscheidenden Herausforderung für den Strukturwandel

Der für Sachsen so wichtige Automotive-Sektor steht vor einer doppelten Herausforderung – den Wandel hin zu Elektromobilität zu gestalten, ohne das heutige Kerngeschäft zu vernachlässigen. Für die damit verbundenen Arbeitsplätze in der sächsischen Zulieferindustrie sieht die LBBW per Saldo nur moderate Auswirkungen, wenngleich größere in den Produktionsbereichen Antrieb und Fahrwerk. „Nicht das zu erwartende generelle Beschäftigungsniveau, sondern die Umwälzungen in der Binnenstruktur der Zulieferbranche sind das Problem des Strukturwandels durch Elektromobilität“, sagt Dr. Guido Zimmermann, Senior Economist der LBBW.

Seine Einschätzung stützt sich auf eine aktuelle Studie des Netzwerks Automobilzulieferer Sachsen. Nach dieser sei es entscheidend für die Beschäftigungseffekte, inwieweit es gelinge, das Angebot an neuen Arbeitsplätzen und Anforderungsprofilen durch entsprechende Mitarbeiter zu besetzen. Die Personalverfügbarkeit werde sich zu einer entscheidenden Herausforderung bei der Bewältigung des Strukturwandels in der Automobilindustrie in der Region entwickeln - bei gleichzeitig schrumpfender Erwerbsbevölkerung in Sachsen.

Mit Blick auf die Zukunftsindustrien insgesamt haben sich in Sachsen die Branchen Digitale Kommunikation, Mobilität und Gesundheit in den Feldern Beschäftigung, Umsatz und Bruttowertschöpfung am dynamischsten entwickelt. Weniger stark erweisen sich im Freistaat die Sektoren Umwelt und Energie. Prognosen für das weitere Wirtschaftswachstum bis 2035 sehen die Entwicklung vor allem aufgrund der demographischen Alterung deutlich schwächer als in der Vergangenheit und die Dynamik nimmt über die Zeit ab. Künftig müsse überall mit eher geringeren Zuwachsraten des BIP bzw. des Lebensstandards als in den vergangenen Jahren gerechnet werden, wenn dem nicht durch eine innovationsfreundliche Politik, die das Produktivitätswachstum hebt, entgegengesteuert wird.

Dr. Guido Zimmermann, Senior Economist der LBBW, kommt zudem Schluss: „Sachsen scheint zwar gut aufgestellt zu sein, um auch zukünftig wirtschaftlich erfolgreich zu sein, muss aber seine Anstrengungen in Sachen Fachkräfteattraktion, Weiterbildung und Infrastruktur verstärken und den Strukturwandel durch verbesserte Rahmenbedingungen für die Wirtschaft intensiver von staatlicher Seite begleiten.

“Der „Konjunkturmonitor Sachsen“ des LBBW Research fasst regelmäßig die wesentlichen Konjunkturdaten des Landes übersichtlich zusammen, untersucht die Ursachen und prognostiziert die künftige Entwicklung.

Die aktuelle Ausgabe finden Sie unter www.lbbw.de/kmsa

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