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Anleger setzen auf "grün": Der Klimawandel beeinflusst die Entscheidungen von Investoren

Glücksritter des Klimawandels

Langfristig orientierte Anleger suchen nach wertstabilen Anlagen – also nach Vermögenswerten, die den Klimawandel überstehen oder sogar von ihm profitieren.

An den Stränden von Miami Beach fallen die Immobilienpreise. Dagegen steigen sie ein paar Kilometer weiter landeinwärts im Nocharmengebiet Little Haiti. Im Silicon Valley gilt Neuseeland als lukrativer Standort für Immobilieninvestments. Und vermögende Niederländer haben Schweden und Norwegen als attraktive Opportunitäten entdeckt, wenn es um den Kauf von Land geht. Selbst Grönland ist zuletzt auf der Weltkarte der Investoren als „place to be“ eingestuft worden.

Der Klimawandel wirft bei langfristig denkenden Investoren seine Schatten voraus. Laut einer Analyse der Volkswirte der LBBW ergeben sich durch den Klimawandel Chancen und Risiken. Werden mittel- bis langfristig alle Assets an Wert verlieren, die direkt vom Klimawandel betroffen sind – wie küstennahe Immobilien und Ländereien, aber auch Industrien, die stark von fossilen Rohstoffen abhängig sind –, kommt es in vielen anderen Sektoren zu erheblichen Wertsteigerungen.

Einigen Vermögenswerten droht langfristig der Totalverlust

Vermögenswerte, die dauerhaft von Wertverlusten bis hin zum Totalverlust gekennzeichnet sind, werden Stranded Assets – gestrandet – genannt. Ursache können die unmittelbaren Folgen des Klimawandels sein wie der steigende Meeresspiegel und in der Folge die Immobilienpreise in den küstennahen Regionen.

Das kann aber auch politische Maßnahmen zur Ursache haben, den Klimawandel zu stoppen oder zumindest zu verzögern. Als Beispiele nennen die Researcher der LBBW die von der Bundesregierung eingeleitete Energiewende. Kohlekraftwerke und Kernkraftwerke „werden noch vor ihrer geplanten wirtschaftlichen Nutzungsdauer an Wert verlieren oder wertlos sein“, schreiben die Volkswirte in einer jüngsten Analyse. In diesem Fall dürfte die somit notwendige Wertberichtigung in den Büchern der Inhaber sogar noch höher als die Abschreibung auf null ausfallen, da erhebliche Aufwände zu buchen sind, um die Kraftwerke abzubauen.

„Stranded Assets sind nicht mehr in der Lage, eine Rendite zu erzielen“, fasst Dr. Guido Zimmermann, Senior Economist bei LBBW Research zusammen. Das könne als Grund die Veränderung des Markts haben, aber eben auch eine grundsätzlich neue regulatorische Umgebung.

Werde das politische Ziel des Pariser Klimaabkommens zugrunde gelegt, die globale Erderwärmung auf 1,5 °C beziehungsweise 2 °C zu begrenzen, „ergibt sich das Risiko von Stranded Assets“, so Zimmermann. „Insbesondere solche Unternehmen, deren Geschäftsmodelle auf fossilem Kapital beruhen, sowie Staaten, die über große fossile Reserven verfügen, laufen Gefahr, große Teile ihrer Vermögenswerte nicht mehr nutzen zu können.“

Risiken für Investoren, Unternehmen und Staaten

Im Klartext: Durch eine Dekarbonisierung der Wirtschaft kann es dazu kommen, dass das fossile Kapital nicht die erwarteten Erträge erwirtschaftet, weil die Preise durch eine diesbezüglich fallende Nachfrage sinken. Davon sind insbesondere Entwicklungsländer betroffen, deren wirtschaftliche Entwicklung oft überdurchschnittlich von der Förderung von fossilen Rohstoffen abhängt. Dies birgt Risiken für Unternehmen, Staaten und Investoren.

Die Folgen und Risiken für Finanzmarktsegmente, die von Stranded Assets betroffen sind, können aufgrund der langen Investitionszeiträume kaum präzise vorhergesagt werden. Bei Investitionen in fossile Kraftwerke braucht es viel Zeit, bis eine Investitionsrendite erwartet werden kann. Ebenso verhält es sich mit der Exploration und Förderung von Erdöl, Erdgas und Kohle. Das heißt, je schneller die Klimaregulierung greift und je mehr in klimafreundliche Technologien investiert wird, desto höher ist das Risiko der Stranded Assets, bei dem hohe Investitionen in fossile Infrastruktur wertlos werden.

Auch wenn die Nutzung von fossilen Rohstoffen in der Zukunft nicht ganz aufgegeben wird, kann mit einer sukzessiven Abnahme der Nachfrage nach Öl und Gas gerechnet werden. Das Problem dabei ist, dass die Risiken der Förderung von fossilen Rohstoffen durch politische, regulatorische und Reputationsrisiken kaum in einer Investitionsrechnung berücksichtigt werden.

Gefahr einer Kohlenstoffblase steigt

Es besteht damit die Gefahr einer Kohlenstoffblase, das heißt einer Spekulationsblase aufgrund der Überbewertung von Unternehmen im Bereich der fossilen Rohstoffe. Diese Überbewertung kommt dadurch zustande, dass das globale CO2-Budget begrenzt ist und große Teile der fossilen Rohstoffreserven nicht verwendet werden können, wenn das politische 2-°C-Ziel noch unterschritten werden soll. Schätzungen ergeben, dass bis 2050 nur 20 Prozent der gesamten fossilen Brennstoffreserven verbrannt werden können. Der Rest wird als unverbrennbarer Kohlenstoff bezeichnet.

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