Marktturbulenzen aktiv begegnen mit FX-Management

FX-Management: Gegen­gewicht inmitten von Turbulenzen

In stabilen Zeiten unterschätzen viele Unternehmen die Bedeutung des Währungsrisikomanagements. Doch die Corona-Krise zeigt: Ohne FX-Hedging geht es nicht.

Das Jahr 2020 begann verträumt. Zumindest bezogen auf die Steuerung von Wechselkursschwankungen in vielen international tätigen Unternehmen. CFOs, Treasury-Abteilungen und FX-Manager sahen sich mit einem Markt ohne wirkliche Ecken und Kanten konfrontiert: die Rezession in scheinbar weiter Ferne, ausbleibende Impulse der Zentralbanken und die Devisenmärkte im Dornröschenschlaf. Das Ergebnis dieser Situation: Viele Unternehmen ohne kontinuierliche Hedging-Strategie haben ihre Kurssicherungsaktivitäten vernachlässigt. Ein Fehler, der gerade bei knapper Liquidität das Ergebnis zusätzlich belasten kann – besonders wenn der Markt plötzlich ins Schwanken gerät.

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Kurzzeitige Abwertung des USD im Vergleich zum EUR zu Beginn der Corona-Krise

Basiswissen FX-Management

Internationale Geschäfte erstrecken sich meist über mehrere Monate. Kommt es in dieser Zeit zu Veränderungen von Fremdwährungen und Rohstoffpreisen, können nachteilige Schwankungen das Ergebnis eines Unternehmens belasten. Um den potenziellen Schaden in der Zukunft zu begrenzen, können Unternehmen sowohl Einnahmen als auch Kosten in fremder Währung absichern. Diese systematische Form des Devisenmanagements nennt sich FX-Hedging, beziehungsweise Währungsabsicherung. Ziel der finanziellen Transaktionen ist, aus nachteiligen Preisschwankungen entstehende Risiken zu reduzieren oder zu beseitigen.

Extreme Volatilitäten zu Beginn der Corona-Krise

Bleibt noch Zeit zum Schlummern? Nein. Corona reißt die Devisenwelt aus dem Tiefschlaf und der Stresslevel für Treasurer schnellt ruckartig nach oben. „Die Finanzmärkte zeigen anschaulich, wie radikal sich der Fokus verschiedenster Branchen, Unternehmen und Staaten verändern kann“, sagt Dominik Marschollek, Director im Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagement bei der LBBW. Die ökonomische Folge der Corona-Krise: Liquidität ist auf einmal deutlich wichtiger als Rentabilität. Es kommt zu verstärkten Verkäufen in nahezu allen Assetklassen. Die Notenbanken sind im historischen Krisenmodus, die EZB setzt ihre selbst gesteckten Grenzen außer Kraft, die Fed senkt den Leitzins auf beinahe null. „Wer mit Währungskursen zu tun hat, sieht sich jetzt mit einer deutlich gestiegenen Volatilität konfrontiert. Und das bedeutet auch ein höheres Wechselkursrisiko, wenn man in Fremdwährungen Waren beschafft oder verkauft“, schlussfolgert Marschollek.

FX Management Grafik, Hohe Schwankungen vermitteln Unsicherheit

Währungsmanagement bedeutet Wertschöpfung und Schutz

Klar ist: Innerhalb des FX-Managements ergeben sich in volatilen Märkten auch Chancen für attraktive Kurssicherungsgeschäfte. Die eigentliche Sorge vieler Unternehmen ist derzeit aber vielmehr die Liquiditätssicherung zum Erhalt der eigenen Existenz. Der Fokus liegt also auf der Schutzfunktion des Währungsmanagements: Für eine größtmögliche Planungssicherheit empfiehlt die LBBW eine einheitliche Hedging-Strategie, in der die wesentlichen Rahmendaten zum Umgang mit FX-Instrumenten schriftlich dokumentiert sind.

Mit unserem strategischen FX-Management erhalten Unternehmen die Kontrolle darüber, dass ihre Zahlungsströme innerhalb der Kalkulationskurse liegen und unerwartete Schwankungen nicht zusätzlich das Ergebnis belasten.

Stefan Tiemann, Managing Director für das Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagement bei der LBBW

Die richtige Strategie vereinfacht das FX-Management

In schwankungsintensiven Märkten ist eine definierte Strategie gefragt, die schnelle Entscheidungen ermöglicht. Das erleichtert Treasurern und Risikomanagement -Abteilungen den Umgang mit Kursänderungen und bewahrt das Unternehmen vor unkalkulierbaren Risiken. Was die LBBW-Fachberater in der Praxis beobachten: Wie so oft entscheidet vor allem die Unternehmensgröße über die Verwendung solch einer standardisierten Hedging-Policy. Doch selbst kleinere Währungsströme können sich negativ auf das Ergebnis auswirken. „Wir unterstützen daher auch unsere Kunden mit geringeren Währungs-Exposures vollumfänglich bei der Implementierung einer Hedging-Strategie“, sagt Stefan Tiemann.

Hedging-Strategie Stufe 1: Basissicherung

  • Devisentermingeschäfte: Dabei wird eine Fremdwährung zu einem bestimmten Termin und einem vorher festgelegten Wechselkurs gekauft oder verkauft. Die Erfahrung zeigt, dass diese Kurssicherungen rollierend, also im festen zeitlichen Turnus, und mit einer Hedging-Quote zwischen 30 und 50 Prozent der offenen Währungsposition erfolgen sollten.
  • FX-Optionen (Plain Vanilla): Durch den Einsatz von Optionen sichern sich Unternehmen Möglichkeiten, verpflichten sich aber nicht. So können sie Verluste begrenzen und gleichzeitig die Chancen auf vorteilhaftere Kursentwicklungen wahren. Bei einer anhaltenden Beruhigung der Märkte (niedrigen Volatilitäten) sind Devisenoptionen eine kostengünstige Alternative zum Devisentermingeschäft.

Übrigens: Für Unternehmen sind Optionen insbesondere von Vorteil, wenn zum Beispiel aufgrund der Corona-Krise Zahlungen ausfallen. Gegen Entrichtung einer Prämie beim Kauf der Devisenoption ist der Worst Case abgesichert und gleichzeitig kann es zu keinen negativen Marktwerten des Hedging-Geschäfts kommen: Je nach Kursentwicklung verfällt die Option wertlos oder kann zu einem positiven Marktwert veräußert werden.

Hedging-Strategie Stufe 2: Optimierung

  • Kursoptimierungsstrategien: Mit einem strukturierten Kurssicherungsanteil von etwa 30 bis 50 Prozent können die Finanzverantwortlichen neben der Bodensicherung einen weiteren Teil des Exposures absichern. Bei gut planbaren FX-Cashflows kann die Quote vereinzelt auch höher ausfallen.
  • Im Gegensatz zu gekauften Plain-Vanilla-Optionen profitieren Unternehmenskunden bei strukturierten Kurssicherungen von hohen Wechselkursschwankungen: Je höher die Volatilität, desto attraktiver sind die Sicherungskurse.

Die Basissicherung kommt praktisch für jedes Unternehmen in Frage, das regelmäßig mit Fremdwährungen zu tun hat. Die LBBW Fachberater analysieren gemeinsam mit dem Kunden die Cashflows und Währungsrisiken. Auf dieser Basis entsteht dann ein maßgeschneidertes Konzept fürs Risikomanagement. Auch wenn es auf den ersten Blick komplex erscheinen mag, sind diese Formen der Währungssicherung mit Unterstützung der Bank relativ schnell aufzusetzen und eignen sich daher sehr gut für den Einstieg.

Bei den Optimierungsstrategien gemäß Stufe 2 ist dagegen ein umfassendes Produkt-Know-how auch auf Kundenseite gefragt. Wer vor diesen Anforderungen zurückschreckt, den kann Stefan Tiemann beruhigen: „Wir bieten in diesem Zusammenhang FX-Workshops an, bei denen wir den Einsatz von strukturierten Kurssicherungen Schritt für Schritt gemeinsam mit unseren Kunden ausarbeiten.“

Fazit

FX-Hedging macht Wechselkurse kalkulierbar. Auf der einen Seite sind schwankende Kurse so deutlich weniger dramatisch, auf der anderen Seite ergeben sich durch die Beimischung intelligenter Kursoptimierungsstrategien Chancen auf bessere Wechselkurse. Zudem gewinnen Unternehmen – egal ob Mittelstand oder Konzerne – auch bei heftigen Marktbewegungen Zeit, um auf das Währungschaos zu reagieren. Daher sollten Treasurer das Währungsrisiko nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch unter normalen Bedingungen kontinuierlich managen. Positiver Nebeneffekt: Auch bei lebhaften Märkten können die Finanzverantwortlichen nachts wieder besser schlafen.

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Stefan Tiemann, Managing Director Financial Institutions and Corporates bei der LBBW

Stefan Tiemann verantwortet seit mehr als 2 Jahren global das Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagement sowie das Liquiditäts- und Investmentmanagement der Unternehmenskunden.

Managing Director Financial Institutions and Corporates
Tel.: +49 711 127-73327
stefan.tiemann@lbbw.de

Jens Odermatt, Executive Director Financial Institutions and Corporates bei der LBBW

Jens Odermatt leitet seit über 15 Jahren in der DACH-Region das Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagement mit Ausnahme des Kernmarktes in Stuttgart.

Executive Director Financial Institutions and Corporates
Tel.: +49 6131 64-27565
jens.odermatt@lbbw.de

Dominik Marschollek, Director Financial Institutions and Corporates bei der LBBW

Dominik Marschollek berät seit mehr als 10 Jahren die Unternehmenskunden der LBBW innerhalb des Zins-, Währungs- und Rohstoffmanagements, seit 2014 in Bayern und Österreich.

Director Financial Institutions and Corporates
Tel.: +49 89 231181-37
dominik.marschollek@lbbw.de

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