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Alles, was Sie über Green Finance wissen müssen

Alles, was Sie über Green Finance wissen müssen

Grüne Finanzierungen liegen im Trend. Aber sind sie überhaupt sinnvoll? Viel öfter als vermutet.

Alle Welt redet von „Green Finance“. Bevor Unternehmen und andere Fremdkapitalnehmer mitreden, stellt sich eine grundsätzliche Frage: Warum sollten wir auf grüne Finanzierungsformen setzen? Dafür gibt es verschiedene Gründe. Wer Green Finance für sich nutzt, spricht neue Investorenkreise an und erweitert dadurch die Finanzierungsbasis – und an „Green Investing“-Anlegern mangelt es wahrlich nicht. Gerade institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Kommunen, Länder oder Stiftungen wollen lieber dort investieren, wo dieses Investment auch ökologische oder sogar soziale Rendite erwirtschaftet. Und auch Privatpersonen interessieren sich zunehmend für nachhaltige Investments.

Ein weiterer Grund ist der Image-Effekt: Wer sich auf grüne Finanzierungen einlässt, profitiert von einer Markenaufwertung: Wir gehören zu den Guten! Da der Markt für grüne Finanzierungen in Deutschland vergleichsweise jung ist, ist die mediale Aufmerksamkeit aktuell hoch. Dadurch kann sich ein Unternehmen als nachhaltiger Akteur positionieren. Der Reputationsgewinn wirkt sich positiv auf Kapitalgeber und die Attraktivität für Kunden und (potenzielle) Mitarbeiter aus. Gerade junge Fachkräfte schauen genau hin, bei wem sie anheuern – da kann glaubwürdiges nachhaltiges Engagement den Ausschlag geben.

Wie grün ist grün?

Derzeit gibt es noch keinen rechtlich verbindlichen Kriterienkatalog, der auflistet, was notwendig ist für eine wirklich grüne Finanzierung. Daher orientieren sich die meisten Kapitalgeber und -nehmer an einer freiwilligen Richtlinie, den Green-Bond-Principles der International Capital Market Association (ICMA). Sie versuchen Standards zu etablieren: Wie werden die Erlöse verwendet? Wie sieht es mit dem Reporting aus? Zu den Standards zählt auch, eine unabhängige Agentur das Vorhaben prüfen zu lassen, bevor es als „grün“ ausgeflaggt werden darf. Zu diesen Agenturen zählen etwa ISS-oekom, Cicero, Vigeo Eiris oder Sustainalytics. Sie zertifizieren die Projekte als „nachhaltig“ und bestätigen damit, dass die Investitionen tatsächlich der Umwelt zugutekommen.

  • Green-Bond-Markt auf Wachstumskurs, Emissionsvolumen in Milliarden US-Dollar

Angelehnt an die Green-Bond-Principles für Anleihen und Schuldscheine gibt es die Green-Loan-Principles für Kredite, als Rahmenwerk herausgegeben von der Loan Market Association. Auch wenn es freiwillig ist, sollten sich Unternehmen und andere Emittenten an diese Standards für die Emission von Green Bonds beziehungsweise bei Green Loans halten. Die Richtlinien gewährleisten die Integrität und Transparenz grüner Produkte, regeln den Auswahlprozess für ein Projekt, die Offenlegung und das Steuern der Mittelverwendung sowie die Anforderungen an das Berichtswesen. Wer diese Standards einhält, erscheint auf dem Radar grüner Investoren.

Was lässt sich „grün“ finanzieren?

Grundsätzlich gilt: Je stärker der Wirtschaftsprozess und die Wirtschaftsstrukturen durch die Verwendung der finanziellen Mittel hin zu einer klimaneutralen und umweltfreundlichen Ökonomie verändert werden, desto „grüner“ sind die Finanzierungen. Im engeren Sinn sind Investitionen gemeint, die Erneuerbare Energien voranbringen und damit Ressourcen schonen. Im weiteren Sinne gelten auch Vorhaben als grün, die negative Folgen des Klimawandels lindern. Dazu zählen etwa der effizientere Einsatz von Energie, sauberer Transport, Wasser- und Abfallmanagement. Viele Unternehmen agieren schon heute nachhaltiger und „grüner“ als ihnen bewusst ist. „Kein Unternehmen kommt mehr daran vorbei, sich mit nachhaltigen beziehungsweise grünen Finanzierungen zu beschäftigen – eine wichtige Entwicklung. Wer sich jetzt schon damit vertieft beschäftigt, hat später einen entscheidenden Vorteil“, sagt LBBW-Advisory-Experte Martin Amann.

Wie lässt sich „grün“ finanzieren?

Der Markt für grüne Finanzierungen wächst seit Jahren. Kredite , Anleihen und Schuldscheindarlehen gibt es auch in grün. 2013 wurden weltweit Green Bonds mit einem Volumen von 13 Milliarden Dollar emittiert, 2018 waren es bereits 182,2 Milliarden Dollar.

Für großvolumige Finanzierungen stehen immer mehr Produkte zur Auswahl, die die Innovationsfähigkeit der Banken eindrücklich unter Beweis stellen. Dazu zählen neben

Lohnt sich „grün“ überhaupt?

Bei grünen Finanzierungen entstehen zusätzliche Kosten durch die erhöhten Anforderungen an Transparenz und Reporting. Es muss nachgewiesen werden, dass die Mittel tatsächlich einen positiven Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten. Das erfordert in der Regel eine unabhängige Agentur, die das Projekt prüft und zertifiziert.

Diese Kosten sorgen dafür, dass viele Unternehmen zwischen „theoretisch ja“ und „praktisch nein“ schwanken. Eine Umfrage der Fachzeitschrift „Der Treasurer“ ergab, dass 58 Prozent der befragten Finanzverantwortlichen grundsätzlich an Green Finance interessiert sind, aber nur zwei Prozent konkret tätig geworden sind.

Das „Greenium“ einstreichen

Dabei können sich grüne Finanzierungen für Unternehmen auch betriebswirtschaftlich rechnen. Unbestritten sind die Imageeffekte und das zusätzliche Maß an finanzieller Sicherheit durch eine breitere Investorenbasis. Das kann vor allem bei nachlassender Konjunktur ein schlagendes Argument werden. Weniger leicht zu beantworten ist die Frage nach den Zinsvorteilen.

LBBW-Analyst Martin Dresp schließt nicht aus, dass Investoren bei einem überzeugenden grünen Profil eine etwas niedrigere Rendite in Kauf nehmen. „Dadurch könnten Emittenten einen zusätzlichen Anreiz zur Emission von Green Bonds statt herkömmlicher Anleihen bekommen“, schreibt er in der LBBW-Studie „Grüne Finanzierungen auf dem Vormarsch“. Dafür gibt es bereits erste Beispiele. So hat Schwedens größter Waldbesitzer Sveaskog, der sich für eine nachhaltige Forstwirtschaft einsetzt, 2016 einen Green Bond emittiert und es geschafft, einen Finanzierungsvorteil von acht Basispunkten zu erzielen. Dieser Vorteil durch grüne Finanzierungsinstrumente wird „Greenium“ genannt.

Dieses Greenium könnte durch neue politische Aktivitäten noch relevanter werden: Der im März 2018 vorgelegte Aktionsplan der EU-Kommission setzt sich zum Ziel, verstärkt Kapitalflüsse in nachhaltige Investitionen zu lenken. Die Europäische Union (EU) will dazu unter anderem einen Kriterienkatalog für Green Finance einführen. Derzeit wird darüber diskutiert, welche weiteren Anreize man in der Europäischen Union für Green Finance schaffen kann. Daraus könnte ein mehr oder weniger sanfter Druck hin zu grünen Finanzierungen entstehen. Unternehmen und auch andere Bondemittenten, die sich bereits jetzt mit dem Thema beschäftigen, hätten dann einen Vorsprung. Zumal sich die EU für mögliche verbindliche Regeln sehr stark an den bereits etablierten Green-Bond-Principles orientiert.

Unabhängig davon bietet Green Finance für Unternehmen die Chance, den aktuellen Trend zu nachhaltigem Agieren zum eigenen Vorteil zu nutzen. Die Beispiele der Elektromobilität oder der Energiewende im Versorgersektor zeigen eindrücklich, wie der Nachhaltigkeitsgedanke diverse Branchen schnell und mit Wirkmacht erfassen kann. „Der Klimawandel und ein steigender Ressourcenverbrauch werden mittelfristig zu veränderten Geschäftsmodellen und Unternehmensstrategien führen“, sagt LBBW-Analyst Dresp. „Green Finance kann dabei helfen, einen Prozess des Umdenkens anzustoßen, der ohnehin in näherer Zukunft begonnen werden müsste.“

Die gesamte Studie finden Sie hier:

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Christoph Zender, Leiter Abteilung Corporate Finance Origination

Christoph Zender

leitet als Managing Director die Abteilung Corporate Finance Origination der LBBW, die Unternehmen bei der Auswahl, Strukturierung und Platzierung von Finanzierungsinstrumenten über das gesamte Spektrum an Fremdkapital berät und begleitet. Der Aspekt Sustainable Finance, zu dem auch das Green Funding zählt, gewinnt sowohl bei Anleihen wie auch Schuldscheindarlehen und syndizierten Krediten stark an Bedeutung.

Leiter Abteilung Corporate Finance Origination
christoph.zender@lbbw.de
Tel. +49 711 127-78746

Martin Amann, Leiter Financial & Rating Advisory

Martin Amann

leitet die LBBW Advisory Einheit im Corporate Finance Bereich. Mit seinen Experten betreut er kapitalmarktorientierte Kunden in den Themenfeldern externe Ratings, Verschuldungskapazität, Liquiditätsanforderungen und Kapitalstruktur. Das Team verfolgt einen ganzheitlichen Beratungsansatz inklusive Unternehmensbewertungen. Auch zahlreiche größere mittelständische Unternehmen nutzen die langjährigen Erfahrungen und das Know-how. Ein Team im Advisory ist für Beratungen von Eigenkapitalthemen für aktuell oder demnächst börsennotierte Unternehmen zuständig.

Leiter Financial & Rating Advisory
martin.amann@lbbw.de
Tel. +49 711 127-73543

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